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20. Mai 2016, 07:50
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Wahlen der Extreme

Die politische Mitte schwächt sich in Europa mehr und mehr ab. Das könnte sich negativ auf die Kapitalmärkte auswirken. Michael Beck, Leiter Asset Management beim Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger, mit seiner Einschätzung.

Michael-Beck in Wahlen der Extreme

Michael Beck, Ellwanger & Geiger

Die politische Mitte schwächt sich in Europa mehr und mehr ab. Während in den letzten Jahren in Ländern wie Österreich, Ungarn und Frankreich und nun jüngst auch in Polen und Deutschland ein deutlicher politischer Rechtsruck zu verzeichnen war, scheint sich in den südeuropäischen Peripherieländern dasselbe im entgegengesetzten, linken politischen Spektrum zu ereignen.

Neuwahlen in Spanien könnte sich negativ auf Kapitalmärkte auswirken

In Spanien schaffte es die zersplitterte Linke, darunter auch die linksgerichtete Podemos-Partei, bei den letzten Wahlen nicht, die Mehrheit zu erlangen. Nun haben sich die erst vor kurzem neu gegründete Podemos-Bewegung und die Partei “Vereinigte Linke” am linken äußeren Rand des Parteienspektrums mit dem Ziel vereinigt, bei den Neuwahlen eine regierungsfähige Mehrheit mit der traditionellen sozialistischen Arbeiterpartei zu erreichen.

Übertragen auf Deutschland würde dies eine Rot-Rot-Grün-Koalition bedeuten. Es könnte in Spanien zwar eine Regierung zustande kommen, aber man fragt sich, zu welchem Preis. Die Reform- und Sparpolitik dürfte umgehend gestoppt und sogar umgekehrt werden, was die Kapitalmärkte nicht eben begeistern würde.

Politische Instabilitäten belasten Konjunktur

Andererseits bringt der Rechtsruck in Österreich mit einem möglichen Wahlsieg eines populistisch angehauchten FPÖ-Präsidenten oder auch der neue Kurs der polnischen Regierung die Sorge mit sich, dass eine Isolation dieser Länder in Europa die Folge sein könnte.

Die wichtige Frage, die sich daraus stellt, ist jene, was zu tun ist, damit die gemäßigten Parteien der Mitte wieder Vertrauen in ihren Bevölkerungen erlangen, Europa kein politisches Spektrum der Extreme aufweist und ruhige, stabile Regierungsmehrheiten möglich werden. Und, wenn möglich, wieder die Regel werden.

Es gibt zwar die Börsenregel, dass politische Börsen kurze Beine haben. Dauerhafte politische Instabilitäten in Europa werden jedoch konjunkturbelastend wirken und mittelfristig negative Auswirkungen auf die Finanzmarktentwicklungen haben. Auch vor diesem Hintergrund kommt der Volksabstimmung in Großbritannien über der Verbleib des Königreiches in der EU (“Brexit” ja oder nein) eine besondere Bedeutung zu.

Foto: Ellwanger & Geiger

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