21. November 2017, 07:30
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Bitcoin – ein Verhaltensökonom, der Schlechtes dabei dächte

Immer mehr Menschen scheinen sich für Kryptowährungen wie Bitcoins zu interessieren. Doch was sind die Gründe für das gesteigerte Interesse? Die Untersuchung eines Phänomens und seine Folgen. Die Naumer-Kolumne

Bitcoin – ein Verhaltensökonom, der Schlechtes dabei dächte

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors: “Das “Framing” ist auch ein guter Kandidat, um das Bitcoin-Phänomen zu beschreiben.”

Wir schreiben das Jahr 2.000, mein Kumpel (Namen tun nichts zur Sache) und ich laben uns in unserer Lieblingskneipe dem “Novalis” am zweiten Glas “Bischoffs” (merke: auch Weinlieber trinken schon mal gerne ein Bier), als von ihm völlig unerwartet die Frage kommt: “Was hältst Du eigentlich von chinesischen Internetwerten?”

Uff. Ehrlich gesagt, dazu habe ich keine Meinung, außer dass der Verhaltensökonom in mir Alarm schlägt. Wenn mich jemand, der von Wirtschaft und Finanzmärkten keine Ahnung hat nach Anlagethemen fragt, die gerade die Runde machen, heißt das meistens: Diese Hausse nähert sich ihrem Ende.

Immer mehr Menschen haben Interesse an Bitcoin

Tatsächlich: Wir haben zwar in den Jahren darauf noch das eine oder andere Bierchen zusammen getrunken, auf chinesische Internetwerte hat mich mein Kumpel aber nie wieder angesprochen. Irgendwie erinnert mich diese Begebenheit an den Markt für Bitcoin. Zugegeben: Ich bin kein Kenner des Marktes.

Was mir als Verhaltensökonom jedoch auffällt ist: Ich werde von immer mehr Menschen dazu befragt. Menschen, bei denen ich ansonsten Mühe habe, mit ihnen über schwankungsanfällige Anlageformen, wie zum Beispiel Aktien, zu sprechen.

Da das Beste, was einem zur Vermeidung verhaltensökonomischer Fehler passieren kann, ein advocatus diaboli ist, der einem mit ebenso unbequemen wie unerwünschten Fragen den Spiegel vorhält, schlüpfe ich in diese Rolle: Was also sind die Muster hinter dem zunehmenden Interesse privater Anleger an Bitcoins?

Seite zwei: Erklärung von Angebot und Nachfrage von Kryptowährungen

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2 Kommentare

  1. Als ich im Frühjahr mir ein Bitcoin-Konto zulegte mit samt einer Debit-Karte, mit der ich auf VISA-Basis überall aus meinem Bitcoin-Guthaben heraus zahlen konnte, stand der Kurs bei etwa 1200 Euro/BitCoin. Dann war ich einen Monat in Shanghai und als ich zurück nach Deutschland kam, fragte mich ein Bekannter, ob ich schon mitbekommen hätte, dass der Bitcoin-Kurs sich verdoppelt hätte? Hatte ich nicht, ich war ja in China gewesen, aber ich dachte mir, das ist ja prima! Eigentlich hatte ich das Bitcoin-Konto zum Zahlen eingerichtet, nun hatte sich der Wert ohne eigene Spekulationsabsicht verdoppelt. Nun haben wir November und der Kurs liegt bei 8300 USD/Coin. Das sind über 500% von meiner Ausgangslage im Frühjahr, und das in etwa einem halben Jahr. Dann ist es doch kein Wunder, wenn viele darüber sprechen, oder? Ich jedenfalls verstehe das vollkommen, denn schließlich gibt es auch noch Anbieter, die auf dieser Basis jede Woche schlappe 5% Ertrag ausschütten, wohingegen man bei Bankverzinsung “in die Röhre” schaut und Investmentfonds sich abrackern, um die 5% oder ein wenig mehr im ganzen Jahr zusammenzubekommen. Kurzum: ich bin sehr zufrieden und andere wären es wohl auch, wenn sie dabei (gewesen) wären. Darum ist Bitcoin & Co. derzeit in aller Munde. Und noch etwas: die japanische Regierung hat den Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt und die Chicagoer Terminbörse CME startet einen Terminkontrakt auf Bitcoin Mitte Dezember. Wer sich ein wenig auskennt, weiss, dass dies die “höheren Weihen” für diese Kryptowährung sind, anerkannt und etabliert. Und dann gibt es ja auch noch ein paar andere weniger bekannte mit ebenfalls hohem Potential … Wer also entscheidungsfreudig und clever ist, wird dabei sein. Die anderen verharren am Wegesrande und staunen mit großen Augen und offenem Mund. Und wenn dies groß auf der Titelseite der BILD-Zeitung steht, beißen möglicherweise die letzten Mohikaner erst mal die Hunde (vgl. Neuer Markt und Gold). Wie immer eben. So ist das.

    Kommentar von Klaus Oldigs — 22. November 2017 @ 08:32

  2. Stimmt, ich werde aktuell auch ständig von Menschen auf Bitcoin angesprochen, die Aktien nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen würden. Von denen ist mir allerdings bisher keiner bekannt, der auch investiert. Dieses theoretische Interesse unterscheidet sich deutlich von den Zeiten des neuen Marktes. Damals waren wir selbst als Studenten alle investiert und übertrumpften uns gegenseitig mit echten – aber leider nicht realisierten – Gewinnen. Von dieser Art der Hausmädchen-Hausse sind wir beim Bitcoin noch weit entfernt. Vom Sparbuch zum Bitcoin, das ist wie Nils Holgerson auf einer Pershing II, aber für einen breit diversifizierten Anleger als kleine Beimischung, was denken Sie?

    Kommentar von Bernd Waldeck — 21. November 2017 @ 19:39

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