18. Januar 2017, 09:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Trumps Chinapolitik: Drei Gründe für protektionistische Maßnahmen

Donald Trump bewegt die Börse – und das schon lange bevor der US-Präsident offiziell in Amt und Würden ist. Besonders gilt das für die Schwellenländer.

Gastkommentar von Dr. Mauricio Vargas, Union Investment

Mauricio-Vargas-Union-Investment-Kopie in Trumps Chinapolitik: Drei Gründe für protektionistische Maßnahmen

Mauricio Vargas analysiert die Effekte der Trump-Wahl auf die Schwellenländer.

Denn die Entwicklung in den USA, der nach wie vor größten Volkswirtschaft der Welt, ist mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Staaten. Schlägt Obamas Nachfolger die Handelstüren zu oder wertet der US-Dollar stark auf, geraten die Emerging Markets in Schieflage.

Besonders schmerzhaft hat Mexiko den Trump-Effekt zu spüren bekommen, das eng mit den Vereinigten Staaten verflochten ist. So hat beispielsweise der Peso mit starken Abschlägen auf den Wahlsieg des Republikaners reagiert.

Freihandel in Gefahr

Viel wahrscheinlicher als eine handelspolitische Fehde mit dem südlichen Nachbarn ist aber, dass Trump seinen protektionistischen Bannstrahl auf China richtet. Dafür sprechen drei gute Gründe:

Erstens hat das Reich der Mitte den mit großem Abstand deutlichsten Überschuss in der Handelsbilanz mit den USA. Aktuell exportiert Peking 350 Milliarden US-Dollar mehr in die Vereinigten Staaten, als es von dort importiert. Das Ungleichgewicht ist also enorm und deutlich größer als etwa im Falle Mexikos mit circa 50 Milliarden US-Dollar. Denn der Warenstrom über den Rio Grande verläuft in beide Richtungen, das heisst die USA exportieren auch stark nach Mexiko. Aus Sicht Trumps muss ein Eingreifen gegenüber China daher deutlich lohnender erscheinen.

Zweitens dürfte Trump für anti-chinesischen Protektionismus besonders viel politischen Applaus bekommen. Der Newcomer hat die Wahl in den alten Industrieregionen des Nordens gewonnen, dem “rust belt”. Das war früher die Werkbank der USA, bevor viele dieser Jobs verlagert wurden. Vor allem Maschinen- und Automobilbau sowie die Elektronikbranche waren betroffen. Schaut man sich nun aber die Handelsstruktur der US-amerikanischen Partner an, dann fällt auf, das insbesondere die asiatischen Länder – wie eben China – hier stark vertreten sind. Aus der Logik der Wählerklientel Trumps spricht also einiges dafür, gegen diese Staaten vorzugehen.

Und drittens hat man im Falle Chinas eine juristische Handhabe in Form von Sonderklauseln zu den Verträgen mit der Welthandelsorganisation WTO. Peking könnte außerdem vom US-Finanzministerium als Währungsmanipulator definiert werden. Dieser Schritt würde dem Präsidenten das Recht für handelspolitische “Vergeltung” geben. Aus rechtlicher Sicht wären protektionistische Maßnahmen gegen China am einfachsten durchzusetzen. Die heißdiskutierte Auflösung der nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA hätte hingegen kaum einen Effekt, da viele der im Wahlkampf angedrohten Maßnahmen wie beispielsweise Strafzölle durch die WTO geregelt sind – aus der selbst Trump nicht austreten dürfte.

Unsicherheiten bleiben hoch

Noch ist vieles im Unklaren, was das Verhältnis des neuen US-Präsidenten zu den Emerging Markets betrifft. Die bisherige Rhetorik Trumps war sehr aggressiv, aber auch sehr widersprüchlich. Sollte die künftige Administration sich tatsächlich dem Protektionismus verschreiben, dann sprechen Mittel, Motiv und Gelegenheit dafür, dass Trump gegenüber China “rot” sieht.

Mauricio Vargas ist Volkswirt bei Union Investment, Frankfurt

Foto: Union Investment

Ihre Meinung



 

Versicherungen

OVB will Expansion und Wachstum vorantreiben

Die OVB Holding AG präsentierte ihren Aktionären auf der Hauptversammlung eine gute vertriebliche Entwicklung und einen planmäßigen Ergebnisverlauf. »Bei der Strategieumsetzung erreichten wir im Jahr 2018 wichtige strategische Fortschritte. Unser Ziel ist es, neue Ertragschancen zu erschließen und unsere Marktposition in Europa weiter auszubauen«, sagt Mario Freis, Vorstandsvorsitzender der OVB Holding AG.

mehr ...

Immobilien

Grundsteuer: Nicht alle freuen sich über die Reform

Laut aktuellen Medienberichten steht die Große Koalition vor einer Einigung bei der Reform der Grundsteuer. Der Kompromiss sieht vor, dass die Länder die bundeseinheitliche Grundsteuer mit eigenen Regelungen ergänzen dürfen. Der ZIA sieht dies nur beschränkt positiv. Über die Gründe.

mehr ...

Investmentfonds

DWS: Berichte über eine Schwäche des US-Arbeitsmarkts sind stark übertrieben

Zurzeit richten sich wieder einmal alle Augen auf die amerikanische Zentralbank. Deren Ankündigung, drei Jahre nach Beginn der Zinserhöhungen eine Pause einzulegen, trug im Januar 2019 maßgeblich zur Trendwende an den Märkten bei. Als Anfang Mai die erwartete Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China ausblieb und die Märkte daraufhin mit erneuten Kursverlusten reagierten, waren es wieder die Worte von Zentralbankern, die für Beruhigung sorgten.

mehr ...

Berater

Urlaub: So kommen Sie sicher ans Ziel

Wenn die Deutschen verreisen, ist das Auto ihr liebstes Verkehrsmittel. 2018 fuhren 41,7 Prozent damit in den Urlaub. Wenn das Urlaubsziel nicht gerade um die Ecke liegt und Kinder an Bord sind, kann die Anfahrt schnell zur Nervenprobe werden. Wie Sie sicher ankommen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds-HV: Aktionäre stimmen für weiteren Wachstumsschub

Mit einer Präsenz von rund 78 Prozent des Grundkapitals wurden auf der Hauptversammlung der Lloyd Fonds AG alle Beschlüsse zu den 12 Tagesordnungspunkten mit Zustimmungsquoten über 98 Prozent gefasst.

mehr ...

Recht

BFW: Enteignete Unternehmen bauen nicht

Berlin hatte vor einigen Tagen, wie von uns berichtet, als erstes Bundesland die Enteignung von Wohneigentum angekündigt. Aufgrund akuten Wohnungsmangels ist das Thema in den letzten Wochen ganz oben auf der Agenda. Nun meldet sich der auch BFW Landeverband Berlin/Brandenburg dazu und warnt davor, große private Wohnungsunternehmen zu enteignen.

mehr ...