31. Juli 2017, 12:50
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“Eine unmögliche Kombination”

Witold Bahrke, Nordea Asset Management, wagt einen Ausblick auf das zweite Halbjahr im Bezug auf Reflation, Marktreaktionen aufgrund von Notenbank-Äußerungen und den Herausforderungen für Investoren in den kommenden fünf Monaten.

Witold Bahrke Print-Kopie in Eine unmögliche Kombination

Witold Bahrke, Nordea AM: “Die Märkte sorgen sich zu Recht mit Blick auf die Zentralbanken.”

Während die erste Hälfte des Jahres 2017 sehr stark von Reflations-Hoffnungen geprägt war, also von Erwartungen eines stärkeren Wachstums und einer moderat höheren Inflation, gehen wir für die zweite Jahreshälfte 2017 von einem “Post-Reflations”-Umfeld aus. Zuletzt hat sich die Inflation weiter abgeschwächt, was sich mit unserer Annahme eines Höhepunkts der Reflation im zweite Quartal deckt. In den USA und in Europa dürfte die Teuerungsrate unter der Zielmarke der Zentralbanken von etwa zwei Prozent bleiben.

Nüchternes Szenario bis Ende des Jahres

Gleichzeitig deutet unser Wachstumsindikator für die zweite Jahreshälfte auf ein nüchternes Szenario hin. Er bewegt sich schon seit einiger Zeit nach unten und lässt damit auf einen zyklischen Wendepunkt in der zweiten Jahreshälfte schließen. Darin spiegelt sich zum einen eine Verlangsamung des chinesischen Wachstums wider, was nicht zuletzt auf die Bemühungen der Chinesische Volksbank (PBoC) zurückgeht, die Leverage-Risiken einzugrenzen, und zum anderen das enttäuschende Wachstum in den USA, wo die “Trumponomics” bislang für keinerlei Impulse sorgen konnten.

Ein Lichtblick bleibt Europa. Dort zeigen sich keine Anzeichen für eine sich verlangsamende Dynamik. Insgesamt erwarten wir für die zweite Jahreshälfte ein enttäuschendes wirtschaftliches Ergebnis, das sich auch in einem schwächer als erwarteten Ertragszuwachs zeigen sollte. Es bleibt dabei: Die Reflation stellt ein kleine Welle dar, aber noch keinen Paradigmenwechsel.

Signale der Notenbanken – Reaktionen der Märkte

Die Märkte sorgen sich zu Recht mit Blick auf die Zentralbanken. Angesichts eines hohen, aber sich verlangsamenden Wachstums und einer schwachen Inflation würde man nicht erwarten, dass die Zentralbanken die Geldpolitik verschärfen. Aber genau das passiert gerade: Die großen Zentralbanken senden restriktive Signale aus. Die Fed ebnet den Weg für einen Bilanzabbau und betritt damit das gänzlich unbekannte Terrain einer quantitativen Verschärfung. Dafür gibt es gute Gründe: Die finanziellen Risiken angesichts der hohen Bewertungen sollen begrenzt werden und ebenso die Risikofreude der Anleger. Aber der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ist auch ein gigantisches Experiment. Das gab es bisher noch nie, und keiner weiß, welche Auswirkungen es haben könnte.

In jedem Fall bedeutet eine restriktivere Gangart der Zentralbanken, dass mit der Verlangsamung des Liquiditätswachstums einer der wichtigsten Treiber für viele Anlageklassen entfällt. Mit anderen Worten: Der Markt muss sich nach neuen Wachstumstreibern umsehen, die den Platz des billigen Geldes einnehmen. Angesichts der eingangs beschriebenen schwachen Makrodaten ist es fraglich, wie erfolgreich diese Suche in den kommenden Monaten sein wird.

Seite zwei: Zunahme der Risikoaversion

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