Europäische Banken: Der steinige Weg aus der Krise

In Spanien werden Anleihegläubiger in die Pflicht genommen, in Italien stützt der Staat – doch es gibt auch deutliche Fortschritte bei der Sanierung des europäischen Finanzsektors. Welche Anleihen profitieren? Eine Bestandsaufnahme. Ein Gastkommentar von Stephan Ertz, Leiter Unternehmensanleihen bei Union Investment

Stephan Ertz, Union Investment
Stephan Ertz, Union Investment: „Eine Reihe guter Nachrichten für den Unternehmensanleihemarkt.“

Der Regulierer macht ernst – und nicht wenige Investoren reiben sich verwundert die Augen. Dabei verlief die Abwicklung der spanischen Banco Popular genau so, wie es die Europäische Zentralbank (EZB) schon seit Jahren für einen solchen Fall vorsieht: Ein in Schieflage geratenes Geldhaus überschreitet den „point of non-viability“, ist nach Meinung der Aufsicht also nicht mehr überlebensfähig. Aktionäre und die Gläubiger der Nachranganleihen werden in die Haftung genommen, ihre Anlagen damit faktisch wertlos, und das Institut wird meistbietend veräußert. Warum also die Aufregung?

Konsequenz des Regulierers überrascht

Auch wenn es zuletzt schon einzelne kleinere Abwicklungen nach diesem Muster gab: Nicht alle Marktteilnehmer hatten mit einer derartigen Konsequenz des Regulierers gerechnet. Erst vor wenigen Monaten wurden im vergleichbaren Fall der italienischen Traditionsbank Monte dei Paschi noch die Anleger geschont – den Tausenden potenziellen Wählern springt wohl der Staat zur Seite, wenn EU-Kommission und EZB dem Vorgehen zustimmen. Auch war die Schieflage der Banco Popular zwar bekannt, Kuponzahlungen waren aber noch nicht ausgefallen. Die beiden großen Contingent Convertible Bonds (Pflichtwandelanleihen), deren extrem hohe Verzinsungen von 8,25 und 11,5 Prozent allerdings mehr als deutlich auf die erhöhten Risiken hinwiesen, handelten bis zuletzt bei rund 50 Prozent. Immer noch waren also viele Investoren vom Überleben der Bank überzeugt – zumindest bis zur nächsten Kuponzahlung. Doch dazu kam es nicht mehr. Die europäische Bankenabwicklungsbehörde SRB zog den Stecker, die Bonds – immerhin im Nennwert von 1,25 Milliarden Euro – wurden per Verfügung in Aktien gewandelt und gehen damit quasi in die Konkursmasse ein. Ganz ähnlich ging es auch den Gläubigern der Tier 2-Nachrangpapiere, die noch einmal rund 750 Millionen Euro ausmachten.

Andere Sektoren entgingen einer Ansteckung

So unangenehm dieses Vorgehen auch für einzelne Anleger sein mag, beinhaltet der Fall für den Unternehmensanleihemarkt doch auch eine Reihe guter Nachrichten: Die Abwicklung verlief in jedem Detail nach dem bekannten EZB-Drehbuch. Niemand kann mehr damit rechnen, dass am Ende doch irgendwie der Staat einspringt. Mehr Verlässlichkeit also und weniger Vergemeinschaftung von Schulden. Genau das war das Ziel dieser Maßnahme nach der Finanzkrise und genau das wurde auch vom Markt honoriert. Nach einer kurzen Phase, die mit erhöhten Schwankungen und Spreadausweitungen bei spanischen Bankanleihen einherging, schlossen diese am Tag nach der Abwicklung sogar fester. Kein Übergreifen auf andere Sektoren, keine Panik.

Seite zwei: Erfolgreiche Turnaround-Storys

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