7. November 2017, 08:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Indien lässt China hinter sich

Die demografische Entwicklung im Reich der Mitte kann auf lange Sicht dramatische Folgen haben. Dieser Ansicht ist das Team von Pyrford International bei BMO Global Asset Management. Das auf Qualitäts- und Value-Investments spezialisierte Team hat wichtige Märkte unter Demografie-Gesichtspunkten beleuchtet.

Modi in Indien lässt China hinter sich

Indiens Premierminister Narendra Modi sorgt mit seiner Reformpolitik für mehr Wachstumsimpulse.

Wenn wir nur einen Dollar zum Investieren für einen Anlagezeitraum von 20 oder 30 Jahren hätten und als Region zwischen China und Indien auswählen müssten: Wir würden uns für Indien entscheiden. Dafür gibt es vor allem einen Grund: die demografische Entwicklung in beiden Schwellenländern.

Demografische Entwicklung in Indien günstiger

Die beiden Länder sind die bevölkerungsreichsten Staaten auf der Erdkugel – zusammen machen sie 37 Prozent der Weltbevölkerung aus. Heute leben in China 1,37 Milliarden Menschen, in Indien sind es 1,32 Milliarden. Bereits in rund sieben Jahren wird voraussichtlich Indien China überholen. Die chinesische Bevölkerung wird ihren Höhepunkt im Jahr 2030 mit rund 1,44 Milliarden erreichen – danach dürfte die Bevölkerung wieder abnehmen. Die Bevölkerung Indiens hingegen dürfte bis ins Jahr 2060 immer weiter auf 1,68 Milliarden Menschen wachsen.

Der künftig schwindende Bevölkerungsanteil liegt im Reich der Mitte an der geringen Geburtenrate von derzeit 1,6. Dies führt zu einer schnell alternden Bevölkerung mit entsprechenden Belastungen für soziale Wohlfahrt und Rentensysteme. Indien weist derzeit eine Geburtenrate von etwa 2,3 auf. Andere kritische Daten beziehen sich auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – lose definiert als Personen zwischen 15 und 64 Jahren. Wachsende Arbeitskräfte bieten die Möglichkeit für schnelles wirtschaftliches Wachstum und eine deutliche Steigerung des Lebensstandards. Die erwerbsfähige Bevölkerung Chinas sinkt allmählich, während sie in Indien bis ins Jahr 2040 weiterhin wächst.

Reformen in Indien kommen langsamer voran

Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Wirtschaftswachstumsraten in beiden Ländern. Vereinfacht gesagt hat Indien das Potenzial, das chinesische Wachstum in den nächsten Jahrzehnten zu übertreffen. Die Betonung liegt auf “Potenzial”. Ob Indien dieses nutzt, ist nach wie vor fraglich. So schreiten die Reformen langsamer voran, als wir gehofft hatten. Indien muss schon einiges dafür tun, um das gleiche Niveau im Hinblick auf die chinesische Produktivität pro Einwohner zu erreichen. Dennoch sind wir für die Entwicklung Indiens auf lange Sicht optimistisch. Und deshalb würden wir – wenn wir die Wahl hätten – langfristig eher auf Indien als auf China setzen.

In einigen Ländern Asiens droht Rückgang der Arbeitskräfte

Wenn wir uns Asien generell ansehen, ist es offensichtlich, dass einigen anderen Ländern das gleiche demografische Problem wie China droht – nämlich der Rückgang der Arbeitskräfte. Während die Belegschaft in Japan, Hongkong, Südkorea und Thailand bis 2025 schrumpft, wächst diese in Malaysia, Singapur, Indonesien und den Philippinen. Sogar in Afrika stellen die Vereinten Nationen fest, dass sich die Fruchtbarkeit insgesamt verringert – zugegebenermaßen von einem heute hohen Niveau aus. Kurzum: Es gibt offenbar kein Entkommen vor der Vergreisung. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass sich bis 2050 weltweit die Anzahl der Personen, die 60 Jahre oder älter sind, verdoppelt – bis 2100 soll sie sich sogar verdreifachen.

Beste Aussichten für Pharma-Firmen

Diese Aussichten wiederum schaffen beste Perspektiven für Pharmafirmen, Heilpraktiker, Elektrorollstuhl-Hersteller und Seniorenheime. Das Gute an der Demografie ist, dass wir voraussagen können, in welch hohem Maße es einen Arbeitskräftemangel geben wird. Wir wissen, wie viele Menschen auf der Erde leben. Wir kennen ihr Alter und ihre durchschnittliche Lebensdauer. Nur ist es irritierend, dass die Weltwirtschaft schlecht vorbereitet zu sein scheint, um die finanziellen und gesellschaftlichen Belastungen zu tragen. Eines steht heute schon fest: Niemand kann später einmal sagen, dass wir nicht gewarnt wurden.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...