Anzeige
15. Juni 2017, 08:17
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Turnaround in Italiens Bankensektor?

Alberto Chiandetti, Fondsmanager von Fidelity International, hat Hoffnung für den italienischen Bankensektor. Es bleibe aber noch viel zu tun.

Italien in Turnaround in Italiens Bankensektor?

Italiens Banken: Das Schlimmste überstanden, aber noch Altlasten

Noch immer hat sich das italienische Bankensystem von den diversen Krisen nicht völlig erholt. Der riesige Berg notleidender Kredite erreichte Ende 2015 mit einem Anteil von 24 Prozent am Brutto-Kreditvolumen den Höchststand. Zwar scheint das Schlimmste überstanden. Denn mit der langsamen, aber kontinuierlichen Konjunkturerholung kam der stetige Strom neuer fauler Kredite zum Erliegen. Aber im System müssen nach wie vor hohe Altlasten abgebaut werden, bevor Italiens Banken im großen Stil neue Kredite vergeben können.

Systemisches Risiko verringert 

Als größtes Versäumnis erweist sich nun, dass Italien auf die Schaffung einer Bad Bank verzichtete. Anfang 2017 verstaatlichte die italienische Regierung zwar weitgehend die größte börsennotierte Bank des Landes, Monte dei Paschi, und verringerte damit das systemische Risiko. Aber die Probleme der beiden mittelgroßen Regionalbanken Veneto und Vicenza sind weiter ungelöst und sorgen immer wieder für Verunsicherung. Eine Lösung unter Einbeziehung der Anleiheinhaber und/oder Sparer bei den beiden Banken würde neuerliche Ängste vor einer Kapitalflucht aus den schwächeren börsennotierten Sparkassen (“Popolari banks”)und einigen kleineren nicht gelisteten Banken schüren. Letztere haben einen Anteil am ausgereichten Kreditvolumen von 30 Prozent.

Gewisse Entspannung der Lage

Zugleich deuten die jüngsten von italienischen Banken veröffentlichten Zahlen auf eine gewisse Entspannung der Lage hin. So ist die Deckungsquote für notleidende Kredite auf 51 Prozent gestiegen und die Masse dieser Kredite ist ohne Berücksichtigung einiger technischer Effekte erneut deutlich geschrumpft. Außerdem hat die Nettozinsmarge offenbar die Talsohle durchschritten, während die Banken den Anteil der Gebühren am Gewinn dank stabilerer Einnahmequellen weiter steigern konnten.

Zersplittertes Bankensystem steht höherer Profitabilität entgegen

Verschärft wurde die Euro-Krise 2011 nicht zuletzt durch die unerfreuliche Wechselbeziehung zwischen Staatsanleiherenditen und dem Bankensektor. Als die Renditen im Verlauf der Krise in die Höhe schossen, schmolzen die Gewinne jener Banken, in deren Büchern sich umfangreiche Bestände an italienischen Staatsanleihen angehäuft hatten. Ihre Eigenkapitalposition verschlechterte sich zusehends. Seitdem haben beispielsweise die beiden größten Banken Unicredit und Intesa ihre Eigenkapitalbasis gestärkt und einen Teil ihrer notleidenden Kredite veräußert. Dennoch steht das italienische Bankensystem weiterhin auf schwachen Füßen, unfähig, hohe Renditen zu generieren, während die von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellte Liquidität den Wettbewerb unter den Banken anheizt. So kommt es, dass die Kreditnachfrage zwar steigt, aber nicht ausreichend genug, um den von den niedrigen Zinsen ausgehenden Druck auf die Margen wettzumachen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bankensystem nach wie vor sehr zersplittert ist, was einer spürbaren Erholung der Profitabilität entgegensteht.

Kostensenkungsprogramme laufen

Inzwischen haben die meisten Banken ihre Kosten aggressiv gesenkt. Aber nur solche mit sauberen Bilanzen werden ihre Kreditvergabe ankurbeln und damit höhere Renditen generieren können. Nach unserer Einschätzung wird dieses Potenzial aber bei einigen Banken unterschätzt. Weniger gut bewerten wir die Aussichten für die kleineren Sparkassen ein. Nach wie vor leiden sie unter der Last ihrer notleidenden Kredite, die sie zu höheren Rückstellungen zwingt und damit ihre Gewinne schmälert.

Alberto Chiandetti managt den Fidelity Italy Fund

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 08/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Emerging Markets – Altersvorsorge – Bausparen – Recruiting

Ab dem 20. Juli im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Digitalisierung: “Versicherer müssen kulturelle Hürden überwinden”

Möchten Versicherer an Schlagkraft gewinnen, müssen sie die digitale Transformation deutlich konsequenter angehen und vor allem die Managementkapazitäten zielgerichtet einsetzen. Denn bisher hat nur jede zweite Versicherung eine Digitalisierungsstrategie entwickelt.

Gastbeitrag von Stefan Geipel, zeb

mehr ...

Immobilien

Wohneigentum: Preise im Norden und Osten steigen weiter

Im zweiten Quartal 2018 haben die Immobilienpreise in Hamburg, Hannover, Berlin und Dresden angezogen – wenn auch mit unterschiedlicher Dynamik. Welche Besonderheiten sich daraus für die Finanzierung ergeben, erklärt Frank Lösche, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein in Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank

Der US-Präsident sagt mitunter Dinge, die er besser für sich behalten sollte. Diesmal rüffelt er die unabhängige Notenbank Fed, weil diese die Leitzinsen erhöht hat. Seine Sprecherin muss es wieder richten.

mehr ...

Berater

Grundfähigkeiten: Essenziell und schützenswert

Für die meisten von uns ist der Beruf nicht nur die Basis des Lebensunterhalts, sondern auch ein wichtiger Pfeiler der Identität. Kein Wunder also, dass die Absicherung der Arbeitskraft eine höchst individuelle Angelegenheit ist und deshalb von so gut wie allen Experten empfohlen wird.

Die Wald-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

DFV kauft Hotel für weiteren Publikumsfonds

Die DFV Deutsche Fondsvermögen GmbH, eine Tochtergesellschaft der Immac Holding, hat das Rilano Hotel in Oberursel erworben. Es soll Objekt eines weiteren alternativen Investmentfonds (AIF) werden.

mehr ...

Recht

Unerlaubte Geschäfte: Zieht Olaf Scholz die Zügel an?

Die Anzahl der Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Die Gesamtzahl des Jahres 2017 wurde bereits überschritten.

mehr ...