20 Jahre EZB: Das Urteil der Ökonomen

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt es seit 20 Jahren. Aus diesem Anlass haben deutsche Volkswirte die Arbeit des Instituts bewertet. Grundsätzlich fällt ihr Urteil positiv aus, doch nicht alle Ökonomen sind zufrieden.

Blick auf das Hauptgebäude der europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Blick auf das Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Volkswirte in Deutschland stellen der Europäischen Zentralbank (EZB) grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus. „Der größte Erfolg besteht darin, 20 Jahre lang eine stabile und verlässliche Währung bereitzustellen“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest der Deutschen Presse-Agentur.

„Bewährungsprobe bestanden“

Nach Einschätzung von Ökonomen hat die EZB ihre Bewährungsprobe in der weltweiten Finanzkrise und der anschließenden Euro-Schuldenkrise bestanden. Die beispiellose Geldflut der Notenbank ist allerdings umstritten.

„Während der Eurokrise war die EZB vielleicht sogar der wichtigste, wenn nicht manchmal sogar einzige, wahre europäische Akteur“, sagt ING -Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. „Ohne EZB würde es den Euro in seiner jetzigen Form wohl nicht mehr geben.“

Nach Einschätzung von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise ist die EZB bei der Krisenbewältigung allerdings an die Grenze ihres Mandats gegangen. Die Rolle als Käufer von Staatsanleihen bringe die Notenbank in die Nähe der verbotenen Staatsfinanzierung. „Sie sollte im Interesse ihrer langfristigen Unabhängigkeit bestrebt sein, aus dieser Rolle wieder herauszukommen.“

Weg in die Haftungsunion

Helaba-Chefvolkswirtin Doris Traud sieht durch das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm, das noch bis mindestens Ende September läuft, den Weg in die Haftungsunion geöffnet.

Den Vorwurf, dass die Währungshüter unter ihrem italienischen Präsidenten Mario Draghi Nullzinspolitik und Anleihekäufe nur wegen Italien beschlossen hätten, ist aus Sicht von Dekabank-Ökonom Ulrich Kater allerdings Unsinn.

„Alle anderen westlichen Notenbanken haben dies nach der Finanzkrise auch getan, ohne auf Italien Rücksicht nehmen zu müssen.“ Die EZB habe zusammen mit den anderen Notenbanken der Weltwirtschaft einen Neustart nach der Finanzkrise ermöglicht. „Nun ist es allerdings Zeit, sich wieder zurückzuziehen und Pulver trockenzulegen für den nächsten Konjunkturabschwung.“

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, bescheinigt der EZB, bei „dem insgesamt konfliktträchtigen institutionellen Arrangement in einer Währungsunion“ ihre Rolle verantwortlich ausgefüllt zu haben. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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