15. Februar 2018, 07:53
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Drohende Inflation in den USA?

Anleger haben letzte Woche panisch vor allem US-Titel verkauft. Während einige Beobachter von Manipulationen sprechen, führen andere die Sorge vor steigender Inflation und höheren Zinsen ins Feld. Sind diese Sorgen berechtigt?

Drohende Inflation in den USA?

Anleger fürchten, dass sich der US-Dollar so stark abwertet, dass die Fed die Zinsen schneller als bisher angekündigt anhebt und damit die Wirtschaft abwürgt.

Eine Erklärung für die jüngsten Turbulenzen an den Märkten seien die gestiegenen Inflationserwartungen, vor allem in den USA. Das sagt Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der Feri Gruppe. “Die robuste Wirtschaftsentwicklung treibt die Nachfrage nach Arbeitskräften und damit die Löhne nach oben. Es wird mehr konsumiert, die Unternehmen können ihre Preise erhöhen”, so Angermann.

Um auf die Gefahr einer Inflation zu reagieren, erhöhe die Notenbank die Zinsen. Doch steigende Zinsen würden die Gewinnprognosen der Unternehmen belasten, hohe Aktienbewertungen wären dann nicht mehr gerechtfertigt.

Gründe für steigende Inflation

“Die Argumentation erscheint auf den ersten Blick einleuchtend, doch auf die aktuelle Situation trifft sie nur zum Teil zu”, merkt Angermann an. Es sei richtig, dass der Arbeitsmarkt in den USA nahe der Vollbeschäftigung ist und dass die Löhne tendenziell schneller wachsen, doch werde dieser Trend durch mehrere Faktoren gedämpft.

“Die Meldung, dass die Wochenlöhne für den Monat Dezember um 2,9 Prozent über dem Vorjahreswert liegen, hat die Spekulationen über einen bevorstehenden deutlichen Anstieg der Inflation erst ausgelöst. Eine solche Lohnzuwachsrate ist allerdings selbst für den Zeitraum seit der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht besonders hoch”, sagt Angermann.

Der Reallohnzuwachs der amerikanischen Beschäftigten liege damit immer noch bei weniger als einem Prozent. Zudem würden die Globalisierung und Digitalisierung die Lohnentwicklung dämpfen. Ein Konsumboom aufgrund stark steigender Löhne sei daher vorerst nicht zu erwarten.

Notenbank muss nicht auf Inflation reagieren

“Auch ein Inflationsschub, der aus Kapazitätsengpässen resultiert, ist derzeit nicht sehr wahrscheinlich. Zwar ist die Kapazitätsauslastung der US-Wirtschaft in den vergangenen Monaten um zwei Prozentpunkte angestiegen, liegt damit aber immer noch um mehr als zwei Prozentpunkte unter ihrem langjährigen Durchschnitt”, so Angermann.

Auch die Importpreise beeinflussen die Inflation. Diese würden durch den schwächeren US-Dollar seit einem Jahr steigen. Doch beobachte man aktuell einen Anstieg um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch sei das nicht besorgniserregend.

“Unterm Strich ist damit zu rechnen, dass die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kerninflationsrate im Laufe des Jahres steigen und aller Voraussicht nach ein Niveau von mindestens 2,5 Prozent erreichen wird. Daraus lässt sich allerdings keine zwingende Notwendigkeit für eine deutliche Straffung der Geldpolitik ableiten, die über das bislang angekündigte Maß hinausgeht”, beruhigt Angermann.

“Befürchtungen nicht angebracht”

Es sei wenig wahrscheinlich, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) unter ihrem neuen Vorsitz Jerome Powell den Kurs wechselt. sie werde als im Lauf des Jahres die Zinsen, wie angekündigt, dreimal erhöhen.

“Der Realzins wird am Ende des Jahres also wahrscheinlich immer noch negativ sein. Ernsthafte Befürchtungen, dass steigende Inflationsraten und eine drastisch verschärfte Geldpolitik die Konjunktur abwürgen könnten, sind derzeit also nicht angebracht”, schließt Angermann. (kl)

Foto: Shutterstock

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Betriebsrentner werden ab 1. Januar deutlich entlastet

Millionen Betriebsrentner werden ab dem 1. Januar deutlich entlastet. Eingeführt wird ein neuer Freibetrag für die gesetzliche Krankenversicherung von 159,25 Euro, wie Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin bekräftigte. Ein entsprechendes Gesetz sollte am Nachmittag im Bundestag beschlossen werden. “Damit entlasten wir alle Betriebsrentner”, sagte Spahn.

mehr ...

Immobilien

Hypoport kauft Empirica-Systeme

Die Hypoport AG hat heute 100% der Anteile der empirica-systeme GmbH von den bisherigen Eigentümern übernommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das Berliner Unternehmen ist einer der wichtigsten Datenpartner der deutschen Immobilienwirtschaft. empirica-systeme wurde 2011 als Spin-off aus der empirica ag gegründet und ist auf die Verarbeitung, Analyse und Bereitstellung von Immobilienmarktdaten und -informationssystemen spezialisiert.

mehr ...

Investmentfonds

Sicherheitsillusion führt zu Vermögensverlusten

Warum nehmen Deutschlands Sparer Verluste in Kauf? Niedrigzinsen und Inflation nagen an Vermögenswerten, doch fehlendes Vertrauen und Know-how verhindern Geldanlagen mit höheren Rendite-Chancen. So die Ergebnisse einer repräsentativen Studie von Marketagent im Auftrag von wikifolio.com, Europas führender Online-Plattform für Handelsideen von privaten und professionellen Tradern.

mehr ...

Berater

Vorteile der Digitalisierung für Ihren Vertrieb

Die Daten- & Dokumentenverarbeitung im Maklerbüro kann viel Zeit und Geld kosten. blau direkt bietet nun mit „RoboSave“ erstmalig ein vollautomatisiertes Bestandsoptimierungssystem und damit großes Potenzial zum Sparen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Primus Valor schließt Fonds 9 mit 100 Millionen Euro Anlegergeld

Der Asset Manager Primus Valor hat den Publikums-AIF ImmoChance Deutschland 9 Renovation (ICD 9 R+) nach mehreren Erhöhungen des Zielvolumens mit dem maximal möglichen Eigenkapital geschlossen. Der Schluss-Spurt verlief rasant.

mehr ...

Recht

“Öko-Test” siegt vor BGH

Gilt ein “Öko-Test”-Label nur für ein bestimmtes Produkt oder darf damit auch für Waren geworben werden, die in Farbe und Größe abweichen? Der BGH hat entschieden.

mehr ...