Fed und EZB müssen auf Risiken reagieren

Nächste Woche entscheiden die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank über ihren jeweiligen geldpolitischen Kurs. Schon jetzt ist die US-Zinskurve so flach wie zuletzt 2006. Die Lage in Italien noch immer angespannt. Wie werden die Notenbanken darauf reagieren? Gastbeitrag von Mark Holman, Twentyfour Asset Management

Mark Holman ist CEO von Twentyfour Asset Management
Mark Holman: „Die Drosselung der Staatsanleihenkäufe wird zweifellos Auswirkungen auf die Staatsanleihen der Eurozone haben, und zwar keine positiven.“

Nach der bisher wohl hektischsten Woche des Jahres ist zumindest vorübergehend eine gewisse Ruhe an die Märkte zurückgekehrt. Von den politischen Turbulenzen in Italien und in geringerem Maße auch in Spanien verlagert sich der Fokus nun zunehmend wieder auf die Politik der Zentralbanken. Nächste Woche stehen gleich zwei wichtige Zentralbanksitzungen im Kalender.

Den Anfang macht am Mittwoch der Zinsentscheid des Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank Federal Reserve, gefolgt von der Pressekonferenz mit Jerome Powell. Aktuell wird laut Bloomberg eine Zinserhöhung um ein Viertelprozent mit einer Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent eingepreist.

Bevorstehender Zinsschritt eingepreist

Dieser Einschätzung schließen wir uns angesichts der anhaltend starken Konjunktur an. Tatsächlich sollte der eindeutig starke US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag die Zweifel der bis dato noch unschlüssigen FOMC-Mitglieder ausgeräumt haben.

Die bevorstehende Zinsstraffung ist also eingepreist und unsere Aufmerksamkeit richtet sich daher vor allem auf den Verlauf der Renditekurve und darauf, wie stark sie die Entscheidung der FOMC-Mitglieder beeinflusst.

In dieser Woche durchbrach der Spread zwischen zwei- und zehnjährigen Papieren die Marke von 42 Basispunkten. Damit ist die Kurve so flach wie seit 2007 nicht mehr. Interessanterweise war das letzte Mal, dass die Fed bei einer derart flachen Kurve die Zinsschraube anzog, im Juni 2006. Und dies war zugleich die letzte Zinsstraffung in einer sich über zwei Jahre erstreckenden Serie von 17 Zinsschritten nach oben.

US-Zinskurve so flach wie 2006

Zieht die Fed nächste Woche die Zinszügel an, wird dies erst das siebte Mal in der aktuellen Serie sein. Aber schon jetzt ist die Kurve so flach wie 2006. Deshalb werden wir bei der Pressekonferenz sehr aufmerksam zuhören, da wir ernsthaft bezweifeln, dass die FOMC bereit ist, alle derzeit von seinen Mitgliedern in Aussicht gestellten Zinserhöhungen durchzuführen – vor allem wenn die momentane Abflachungsdynamik anhält.

Seite zwei: Geldpolitik in Europa

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