20. Februar 2018, 08:37
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Italien am Scheideweg

Am 4. März 2018 sind die Italiener aufgerufen, ihre Volksvertreter zu wählen. Die Parlamentswahl wird mit entscheiden, welchen Weg die Eurozone künftig gehen wird. Denn gleich zwei Parteien machen derzeit mit euroskeptischen Positionen Stimmung. Und das, obwohl das Land wirtschaftlich am Tropf der Europäischen Zentralbank (EZB) hängt. Eine Zerreißprobe für beide Seiten. Ein Gastbeitrag von Dr. Mauricio Vargas, Union Investment

Vargas IMG 8108 Gro -Kopie in Italien am Scheideweg

Mauricio Vargas, Union Investment, hofft auf wirtschaftliche Impulse von innen heraus nach der Italien-Wahl.

Neues Jahr, neue Herausforderungen – so lautet die Devise für die Europäische Union und den Euro. Nach den aktuellen Meinungsumfragen entfallen bei der bevorstehenden Parlamentswahl in Italien in Summe über 40 Prozent der Stimmen auf die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega Nord. Der gemeinsame Nenner dieser beiden Parteien: ihre Euroskepsis. Schließlich sei Europa mitverantwortlich an der wirtschaftlich schwierigen Lage des Landes.

Innen Probleme, außen Impulse

Die populistische Haltung trifft auf zuletzt ermutigende Konjunkturdaten. Es war ein Lichtblick, als Mitte November 2017 die europäischen Wachstumszahlen veröffentlicht wurden. Mit einem Anstieg im dritten Quartal um 0,4 Prozent der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr war Italien immerhin nicht schon wieder letzter in der Eurozone. Im Schlussquartal lag die Wachstumsrate bei 0,3 Prozent. Im Gesamtjahr 2017 dürfte Italien um 1,5 Prozent gewachsen sein – die deutlichste Beschleunigung seit 2011. Bei Union Investment erwarten wir für 2018 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,4 Prozent.

Auch wenn sich Italien derzeit in einer günstigen zyklischen Situation befindet, dürfen die jüngsten Wachstumszahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land eines der schwächsten Glieder der Eurozone ist. Hausgemachte Probleme wie eine vergleichsweise schlechte Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit sowie die stagnierende Produktivität bremsen die drittgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums. In Verbindung mit der großen Schuldenlast von rund 135 Prozent des BIP bestehen die strukturellen Herausforderungen fort.

Italiens Fiskus spart doppelt

Die Impulse für Italiens Konjunktur kommen vielmehr von außen. Die EZB hat den Südeuropäern in zweierlei Hinsicht Luft verschafft: Zum einen hat die Zentralbank über die Käufe italienischer Staatsanleihen die Zinsniveaus reduziert. Zum anderen besitzt die Banca d‘Italia mittlerweile annähernd ein Drittel der Staatsschulden, denn die italienischen Währungshüter erwerben im Auftrag der EZB die italienischen Anleihen – und erhalten damit auch die fälligen Kuponzahlungen vom Staat.

Da Überschüsse der Zentralbank allerdings zurück in den Staatshaushalt fließen, spart der Fiskus doppelt. Mit Blick auf die Schuldentragfähigkeit hat die EZB also ein festes Sicherheitsnetz um Italien gesponnen. Selbst ein kräftiger Zinsanstieg würde das Land nicht unmittelbar in Zahlungsschwierigkeiten bringen.

Seite zwei: Vertrauensvorschuss der EZB

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