Krise in der Türkei: Das sagen die Fondsmanager

Die Lage in der Türkei spitzt sich weiter zu. Zur starken Abwertung der türkischen Lira kam die symbolische Ankündigung des US-Präsidenten, die Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei zu verdoppeln. Erdogan muss handeln, so die wiederholte Forderung der Fondsbranche. In anderen Punkten sind sie sich weniger einig:

GUMUSHANE, TURKEY - AUGUST 10: Turkish President Recep Tayyip Erdogan addresses citizens during a road inauguration ceremony in Gumushane province of Turkey on August 10, 2018. Murat Kaynak / Anadolu Agency | Keine Weitergabe an Wiederverkäufer.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Ansprache in Gumushane am 10. August 2018, wo er eine neue Straße einweihte.

„Die Türkei leidet unter einer toxischen Kombination aus einem Leistungsbilanzdefizit, einer übermäßigen Verschuldung des privaten Sektors und einer hohen Auslandsfinanzierung des Bankensystems“, schätzt Paul McNamara, Investment Director bei Gam Investments, die Lage ein. „Die Situation spitzt sich nun zu, da eine dringend benötigte Nachfrageverlangsamung zu Qualitätsproblemen der Vermögenswerte bei den Banken führt.“

„Möglichkeiten zur Zinserhöhung ausgeschöpft

„Wir denken, dass die Türkei die Möglichkeiten von Zinserhöhungen ausgeschöpft hat und durch ihre unzureichenden Währungsreserven in die Enge getrieben wird. Laut Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) verfügt die Türkei über die am wenigsten ausreichenden Währungsreserven im Vergleich zu den anderen großen Schwellenländern„, so McNamara.

Zudem sei die Politik problematisch:“Der Finanzminister ist der Schwiegersohn des Präsidenten und die politische Einflussnahme auf die eigentlich „unabhängige“ Geldpolitik der Zentralbank nimmt zu.“

Die Reden von Präsident Erdogan und Finanzminister Albayrak seien kriegerisch, beziehungsweise inhaltslos gewesen, den benötigten Kurswechsel hätten sie nicht erwähnt. „Und schließlich verdoppelte US-Präsident Trump die Zölle auf türkische Metallexporte. Auch wenn dies vermutlich ein symbolischer Schritt ist, zeigt er eine schwindende US-Unterstützung für das Ankara-Regime“, so McNamara

„Unsere stark negative Haltung bezüglich Investitionen in der Türkei bleibt bestehen und wir haben unsere Risikopositionen nicht geändert.“

„Die Situation ist nicht auswegslos“

Positiver gestimmt ist hingegen Viktor Szabo, Senior Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments: „Das Modell, das der neue Finanzminister heute skizziert hat, ist im Prinzip gut. Er hat wichtige Themen angesprochen, wie die Notwendigkeit, das Wachstum zu bremsen, die Bedeutung der Finanzstabilität und die Unabhängigkeit der Zentralbank.“

Szabo schränkt ein: „Aber es lässt sich nicht leugnen, dass er nicht die Art von Details geliefert hat, die die Märkte beruhigen werden. Die Ankündigung der US-Behörden, die Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumausfuhren in die USA zu verdoppeln, hat zudem gerade Öl ins Feuer gegossen.“

Seite zwei: Türkei hat viel Potenzial + Krise wirkt sich auch in Europa aus

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