Oktober wird Ruf als Schreckensmonat für Anleger gerecht

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Brasilien stimmt die Märkte ebenfalls nervös. Der Wahlsieg von Jair Bolsonaro war zwar keine Überraschung, sorgte aber trotzdem für Unruhe an den Märkten (ich bin am letzten Wochenende bereits gefragt worden, was dieses Wahlergebnis für Investoren bedeutet). Sein Wahlsieg zeigt, dass der Populismus einen weiteren Teil der Welt erfasst hat — daher ist dies ein guter Zeitpunkt für Anleger, sich noch einmal einige zentrale Aspekte des Populismus vor Augen zu führen.

Laut Duden ist Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (…) zu gewinnen“ Populistische Bewegungen sind häufig das Ergebnis eines oder mehrerer der folgenden Faktoren:

  • Wohlstandsscheren, Chancenungleichheit und vor allem ein ungleich verteilter Aufschwung, von dem nur die Eliten zu profitieren scheinen
  • Fremdenhass — der Eindruck, dass Ausländer die Werte und Lebensweise einer Nation gefährden
  • Allgemeiner Frust über eine ineffektive, bürokratische Regierung — häufig verursacht durch politische Grabenkämpfe oder ineffektive politische Entscheidungsprozesse

In Brasilien dürften der erste und der dritte Faktor für den Wahlsieg von Bolsonaro verantwortlich sein. Populisten kommen gewöhnlich an die Macht, indem sie das Establishment, die Eliten, die Mächtigen und den Status quo angreifen — genau so war es auch bei Bolsonaro. Es gibt links- und rechtsgerichtete Populisten, was von Bedeutung im Hinblick auf die Folgen für Wirtschaft und Märkte ist (in der Vergangenheit waren Rechtspopulisten zumindest anfangs besser für Wirtschaft und Märkte). Bolsonaro ist ein Rechtspopulist. Er propagiert eine Reformagenda, die eine dringend benötigte Rentenreform umfasst. Daher war es auch keine Überraschung, dass die Kurse am brasilianischen Aktienmarkt am Freitag stiegen, während sie an fast allen anderen großen Aktienmärkten nachgaben. Meiner Ansicht nach zeigt das, worauf wir uns künftig einstellen sollten — nämlich einen anhaltenden Aufwärtstrend am brasilianischen Aktienmarkt, wenn Bolsonaro seine geplanten Reformen umsetzt.

Der Populismus kann das Wachstum bremsen, weil Populisten gewöhnlich Gegner der Globalisierung sind, wodurch sich die aktuelle Handelsproblematik weiter verschärfen könnte. Ich halte das zum aktuellen Zeitpunkt aber nicht für ein bedeutendes Risiko, da Bolsonaro seine Energie vor allem auf die fiskalpolitischen Reformen in Brasilien zu richten scheint. Bemerkenswert ist, dass die Aktienmärkte in der Vergangenheit zunächst stets positiv auf die Machtübernahme von Rechtspopulisten reagiert haben. Unter Mussolini zum Beispiel stiegen die Aktienkurse von 1922 bis 1924 um rund 70 Prozent (während die Machtübernahme von Linkspopulisten wie Juan Peron in Argentinien und Hugo Chavez in Venezuela zu Kursverlusten führte). Allerdings haben die Aktienmärkte selbst unter rechtspopulistischen Regierungen tendenziell negativer reagiert, wenn diese ihre Macht konsolidiert haben. Daher werden wir Bolsonaros Pläne genau beobachten. Sollte er sich vor allem auf eine Stärkung seiner Machtbasis konzentrieren, könnte das dazu führen, dass die Stimmung am brasilianischen Aktienmarkt kippt. Momentan scheint seine Amtsübernahme aber gut für die brasilianische Wirtschaft und den brasilianischen Aktienmarkt zu sein.

Seite vier: Und in Europa?

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