31. Januar 2018, 15:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schweizer stimmen im Juni über Vollgeldsystem ab

Im Juni müssen sich die Schweizer entscheiden, ob sie ihr bisheriges Geldsystem beibehalten oder ein Experiment wagen. Der Verein Monetäre Modernisierung setzt sich dafür ein, dass das Vollgeld eingeführt wird. Damit würden die Kompetenzen der Geschäftsbanken stark eingeschränkt.

Schweizer-franken-geld-scheine-muenzen-shutterstock 764933386 in Schweizer stimmen im Juni über Vollgeldsystem ab

Konten so sicher wie Bargeld. Das wünscht sich eine Initiative in der Schweiz, die sich für Vollgeld einsetzt.

Die Schweizer können über eine fundamentale Änderung ihres Banken- und Geldsystems abstimmen. Die Bundesregierung in Bern hat am Mittwoch die Volksabstimmung über die sogenannte Vollgeld-Initiative für den 10. Juni zugelassen. Diese will, dass künftig alle Franken Geld der Nationalbank sind.

Im gängigen Finanzsystem existiert nur ein kleiner Teil des Geldes tatsächlich in Form von Münzen und Geldscheinen. Buchgeld entsteht zum Beispiel, wenn Banken Kredite vergeben. So lassen sich größere Zahlungen schnell von Konto zu Konto verrechnen. Buchgeld ist lediglich eine Forderung des Kontoinhabers an seine Bank, die entsprechende Summe ist nicht durch Bargeld gedeckt.

Eingeschränkte Kreditvergabe

Zugleich soll das im Banken- und Kreditsystem übliche elektronische Buchgeld eingeschränkt werden. “Die wichtigste positive Auswirkung ist, dass die Guthaben auf Zahlungskonten genauso sicher wie Bargeld werden. Deshalb ist der Staat nicht länger gezwungen, in Schieflage geratene Banken zu retten”, schreiben die Initiatoren.

Finanzexperten sehen den Vorstoß äußerst kritisch. Die Kreditvergabe, die im Wesentlichen auf Buchgeld beruhe, würde massiv erschwert. Außerdem könne der Wert des Franken leiden. Regierung und Parlament haben sich eindeutig gegen die Initiative ausgesprochen und sie als riskantes Experiment bewertet.

Eine wichtige Aufgabe von Banken ist die Fristen- und Liquiditätstransformation: Einlagen können von Kontoinhabern täglich abgehoben werden, sind also kurzfristig, dennoch vergeben Banken langfristige Kredite. Das ist möglich, weil Kunden nur einen kleinen Teil ihres Kapitals abheben. Vollgeld würde den Spielraum der Banken einschränken und Kredite verteuern.

Vertrauen in Banken oder Staat?

Die Schweizer Nationalbank befürchtet nach Berichten der “Neuen Zürcher Zeitung” (NZZ), dass das Kreditgeschäft zentralisiert wird.Die Nationalbank würde durch Vollgeld selber in die Rolle des Kreditgebers gedrängt und immer mehr Aufgaben der privaten Geldinstitute übernehmen müssen. Sie warnte vor falschen Anreizen, politischer Einflussnahme und fehlendem Wettbewerb.

Die Schweiz wäre die erste moderne Volkswirtschaft, die zu einem Vollgeldsystem wechseln würde. Hinter dem Volksbegehren steht der Verein Monetäre Modernisierung. (dpa-AFX/kl)

Foto: Shutterstock

2 Kommentare

  1. Hinweis:

    Der Kommentar bezieht sich unter anderem auf folgenden Satz: “Diese will, dass künftig alle Franken Geld der Nationalbank sind.” Ursprünglich stand dort: “Diese will, dass künftig alle Franken physisches Geld der Nationalbank sind.”

    Kommentar von lamster — 31. Januar 2018 @ 19:17

  2. Der Artikel ist falsch: Die Vollgeld-Initiative will NICHT “dass künftig alle Franken physisches Geld der Nationalbank sind.” Buchgeld soll erhalten bleiben. Es soll aber in Zukunft NUR noch von der Nationalbank hergestellt (“geschöpft”) werden, anstatt von privaten Banken.
    Die Nationalbank leiht das Buchgeld den Banken aus (heutzutage wäre das gratis, sprich Leitzins beträgt Null Prozent), die es dann an die Kunden weiterverleihen.
    Schon nur wegen dem superniedrigen Leitzins haben Bankkunden durchaus nicht höhere Kreditkosten zu erwarten, wenn das nicht auch von der Nationalbank explizit gewollt wäre.
    Überdies hat die Nationalbank gar keine andere Wahl als GEGEN diese Initiative zu sein: denn würde sie sich öffentlich FÜR die Initiative aussprechen, würde das als Eingeständnis von Instabilität im heutigen System verstanden. Das müssen im heutigen Umfeld, das ein riesenhaftes, noch nie dagewesenes Experiment ist, unbedingt vermieden werden.
    Umso wichtiger ist es, dass Nationalbanken das tun wofür sie ursprünglich gegründet wurden: die Währung eines Landes herstellen, anstelle sich dafür bei privaten Banken zu verschulden.

    Kommentar von Cris Schmid — 31. Januar 2018 @ 18:52

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Nach Bundestag stimmt auch Bundesrat für die Grundrente

Nach dem Bundestag hat am Freitag auch der Bundesrat der Grundrente zugestimmt, durch die kleine Renten von rund 1,3 Millionen Menschen aufgebessert werden sollen.

mehr ...

Immobilien

Trotz Corona ins Eigenheim: Was Immobilieninteressenten jetzt beachten sollten

Das eigene Zuhause ist wichtiger denn je: Selten zuvor waren die Menschen so viel zuhause wie jetzt in der Corona-Krise. Die eigenen vier Wände sind für viele zum Schutzraum geworden. Hier verbringen sie Zeit mit der Familie, arbeiten im Home-Office oder bringen ihren Kindern Mathe und Deutsch bei. „Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen des Alltags hat in vielen Menschen den Wunsch nach Wohneigentum gestärkt“, sagt Roland Hustert, Geschäftsführer der LBS Immobilien NordWest.

mehr ...

Investmentfonds

Ermittlungen gegen Wirecard-Manager auch wegen Untreueverdachts

Im Skandal um fehlende Milliarden beim Dax-Konzern Wirecard ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung” nun auch wegen Untreueverdachts gegen den Ex-Vorstandschef und weitere Manager.

mehr ...

Berater

Soli-Umfrage: Mehrheit der Deutschen erwägt Soli-Ersparnis in Altersvorsorge zu investieren

Willkommener Geldsegen für eine finanziell selbstbestimmte Zukunft: Die Deutschen begrüßen die „Soli-Abschaffung“ und erwägen die Ersparnis für die eigene Altersvorsorge einzusetzen. Das geht aus einer von Swiss Life Select in Auftrag gegebenen repräsentativen YouGov-Studie mit 2.048 Personen hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Immer weniger Deutsche wollen reich werden

Nur noch eine knappe Mehrheit der Deutschen findet es erstrebenswert, reich zu sein. Gleichzeitig werden die Chancen auf ein hohes Vermögen immer schlechter eingeschätzt – auch wegen Corona. Das ergab eine repräsentative Umfrage der GfK für die “4. Reichtumsstudie” des Private-Equity-Spezialisten RWB Group.

mehr ...

Recht

Wirecard-Skandal – Wirtschaftsprüfer im Auge des Sturms

Der Bilanzskandal um den mittlerweile insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard hat Anleger Milliarden gekostet. Mittlerweile steht auch der zuständige Wirtschaftsprüfer EY im Fokus. Der Prozessfinanzierer Foris AG arbeitet mit führenden Bank- und Kapitalrechtskanzleien an gemeinsamen Lösungen.

mehr ...