Silber blickt in goldene Zukunft

Privatanleger wie Profiinvestoren beschäftigt derzeit ein Phänomen, das so in den letzten Jahrzehnten nur sehr selten vorkam. Das Verhältnis vom Gold- zum Silberpreis befindet sich aktuell mit einem Wert von 80 auf historisch hohem Niveau.

Die Bröning-Kolumne

„Drei verschiedene Megatrends suggerieren aktuell ein weiteres Wachstum des Silberbedarfs in der Industrie.“

Ein Wert von 80 besagt, dass für eine Unze Gold 80 Unzen Silber gezahlt werden müssen, was stark vom langjährigen Durchschnitt von nur 55 Silberunzen abweicht. Das bedeutet, dass Gold entweder sehr teuer oder Silber sehr günstig ist.

Wenn man davon ausgeht, dass solche Extremwerte nicht von Dauer sind und sie sich früher oder später wieder ihrem langjährigen Durchschnitt annähern, gibt es also zwei Möglichkeiten: Der Goldpreis müsste entweder stark fallen oder der Silberpreis deutlich steigen.

Nachdem sich die Unsicherheiten über den Fortbestand unseres Finanzsystems, die Schuldenkrise und einen möglichen Zerfall der Eurozone gelegt hatten, gingen die Preise für Gold und Silber nach den deutlichen Anstiegen stark zurück.

Goldpreis hängt von Realzinsen ab

Gold fiel von seinem Höchststand im Sommer 2011 von gut 1.900 US-Dollar (USD) auf etwa 1.050 USD (-45 %), Silber rauschte prozentual sogar noch weiter nach unten (minus 73 Prozent) – von 50 USD auf nur noch 14 USD pro Unze. Seither kann man bei beiden Metallen von einer groß angelegten Bodenbildung sprechen.

Welche Faktoren beeinflussen nun die weitere Entwicklung der Edelmetalle? Der Goldpreis – der auch maßgeblich die Richtung des Silberpreises vorgibt – hängt wesentlich von den Realzinsen ab (= nominale Zinsen abzüglich Inflation).

Steigen die Realzinsen, fällt in der Regel der Goldpreis, da die Opportunitätskosten für das Halten von Gold größer werden und weniger Notwendigkeit für einen Inflationsschutz besteht. Im Moment ist es nur schwer vorstellbar, dass die Realzinsen nennenswert nach oben gehen.

Turbulente Zeiten positiv für Edelmetalle

Die gut laufende Weltwirtschaft ist inflationstreibend und die Notenbanken können wegen der ausufernden Schulden die Zinsen nicht deutlich erhöhen. Beides stützt den Goldpreis. Zudem gilt Gold als Krisenwährung und Versicherung gegen schwerere Marktturbulenzen.

In einer Zeit von Raketendrohungen via Twitter, einem drohenden Handelskrieg und eisigen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten USA und Russland, dürften viele Investoren über neue Goldinvestments nachdenken und dadurch zumindest für stabile Preise sorgen.

Wenn diese Einschätzungen richtig sind, bleibt der Silberpreis als Stellgröße. Warum sich dieser bisher nicht nennenswert erholen und das Gold-Silber-Verhältnis wieder in Richtung des langjährigen Durchschnitts drücken konnte, ist schwer nachvollziehbar.

Seite zwei: „Megatrends“ treiben Silber-Nachfrage

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