Steigende Aktienkurse dank höherer Zinsen

Führen höhere Zinsen zu einem Kursrückgang bei Aktien? Nicht unbedingt, steigende Zinsen können im Gegenteil zu steigenden Kursen führen. Das lässt sich leicht begründen und historisch belegen. Gastbeitrag von Tine Choi, Danske Invest

Tine Choi ist Chefstrategin bei Danske Invest.
Tine Choi: „Unserer Meinung nach ist das Tempo der Zinsanhebungen ausschlaggebend und nicht so sehr das Ausmaß der Erhöhungen.“

Die Angst vor künftigen Zinserhöhungen hat in den letzten Monaten zu Schwankungen und Kursrückgängen am Aktienmarkt geführt. Die Inflations- und Zinsentwicklung ist nicht zuletzt in den USA momentan ein großes Thema unter Anlegern. Doch wie sehr sollten uns Zinserhöhungen wirklich bekümmern? Das ist eine der Fragen, die sich Anleger derzeit am häufigsten stellen.

Um eine qualifizierte Antwort geben zu können, muss man etwas in die technische Theorie über die Bewertungen von Aktien eintauchen. Bei einem normalen Aktienbewertungsmodell führen höhere Zinsen unter ansonsten gleichen Bedingungen zu einem niedrigeren Aktienkurs.

Tempo ist wichtiger als Höhe

Sind unsere Renditeprognosen für Aktien also negativ, da wir in nächster Zeit mit Zinsanhebungen rechnen? Das ist nicht der Fall. Unserer Meinung nach ist das Tempo der Zinsanhebungen ausschlaggebend und nicht so sehr das Ausmaß der Erhöhungen.

Der Kurs einer Aktie basiert theoretisch auf der Schätzung aller zukünftigen Cashflows eines Unternehmens und der anschließenden Rückdiskontierung dieser Zahlen, um den Gegenwartswert zu finden.

Warum höhere Zinsen Aktienbewertungen drücken

Der Diskontierungsfaktor besteht aus einem risikolosen Zinssatz (in der Regel dem Zins einer sicheren Staatsanleihe) und einer Risikoprämie für die Anlage in einen riskanten Vermögenswert, was üblicherweise eine Aktie ist.

Daher führen ein höherer Zinssatz oder eine höhere Risikoprämie zu einem höheren Diskontierungsfaktor – und somit zu einem niedrigeren Aktienkurs. Das ist einer der Gründe, warum steigende Zinsen oft als negativ für Aktien angesehen werden. Hinzu kommt: Strengere Kreditkonditionen, die zu einem höheren Ausfallrisiko führen, tragen ebenfalls eine Mitschuld.

Widersprüchliche Datenlage

Mit einer gründlichen Analyse der historischen Daten lässt sich jedoch belegen, dass diese Verallgemeinerung nicht  wasserdicht ist. Beim Vergleich der Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Unternehmen im US-amerikanischen S&P 500 Index zu den Zinsen zehnjähriger US-Staatsanleihen seit 1962 fällt auf, dass diese monatlichen Daten in zwei Gruppen aufgeteilt sind: Eine Gruppe vor 1998 und eine Gruppe danach.

Seite zwei: Wie höhere Zinsen Aktienkurse steigern können

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