16. November 2019, 06:53
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Als derzeit größtes Risiko für die Kapitalmärkte sehen Berater und professionelle Anleger die Gefahr, dass es aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds zu Blasen in einzelnen Martktsegmenten kommt. Wo die größten Risiken liegen.

Shutterstock 1557370400 in Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Demnach ist jeder dritte Befragte in Sorge, dass der Niedrigzins zu Blasenbildung führt. Dass dies nicht ganz unberechtigt ist, belegen Analysen der Experten von J.P. Morgan Asset Management: „Die zunehmende Fokussierung der Notenbanken auf die Inflation lässt aus unserer Sicht weitere expansive Maßnahmen erwarten. Niedrigzins und finanzielle Repression werden zum ständigen Begleiter und treiben immer mehr Anleger in die Aktienmärkte und andere höher rentierliche Marktseg­mente“, bestätigt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt.

Bildschirmfoto-2019-11-15-um-20 41 56 in Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Laut der Befragung steht mit 27 Prozent der Handelskonflikt an zweiter Stelle der befürchteten Risiken, gefolgt von der Sorge einer Rezession in den USA und Europa, die mit 22 Prozent rund jeden fünften Befragten umtreibt. Zwar sei laut Tilmann Galler nicht davon auszugehen, dass die US-Wirtschaft im verbleibenden Jahr 2019 in eine Rezession fallen wird, ein Wachstum über Trend sei jedoch unwahrscheinlich.

Die Situation in China beschäftigt rund jeden zehnten der befragten Berater, doch laut Tilmann Galler sollte es der Regierung in China durch ihr Konjunkturprogramm wohl gelingen, eine harte Landung zu verhindern. Für Europa ist der Experte allerdings weniger optimistisch: „Der Handelskonflikt und die andauernde Unsicherheit über den Brexit verhindern derweil eine nachhaltige Erholung des Wachstums. Rezessionsgefahren werden voraussichtlich zunehmen, insbesondere in Deutschland“, warnt Galler.

Aktien mit großem Zuspruch

Auf die Frage, welche Anlageklasse in den nächsten Monaten am erfolgversprechendsten ist, setzt die Hälfte der befragten professionellen Anleger auf Aktien. Jeder Fünfte (21 Prozent) favorisiert Gold, gefolgt von jeweils 10 Prozent der Befragten, die sich für Hochzinsanleihen und Alternative Anlageformen aussprechen.

Die wenigsten Befragten sehen Barmittel, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen hoher Qualität (Investment Grade) in den nächsten Monaten als ertragreiche Investments an. Aus Sicht von Kapitalmarktstratege Tilman Galler gilt es, in der aktuellen Spätphase des Konjunktur­zyklus eine angemessene Balance zwischen Aktienrisiken und defensiven Anlagen zu finden. „Auch wenn die Spätphase nicht zwingend ein unmittelbares Rezessionsrisiko mit sich bringt, nimmt das Risiko eines Rückschlages zu“, betont Galler.

Bildschirmfoto-2019-11-15-um-20 43 28 in Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Langfristige Wachstumsmärkte favorisiert  

Fast die Hälfte aller befragten Berater (49 Prozent) gab auf die Frage nach geplanten Veränderungen in ihrem Portfolio an, die Allokation in langfristige Wachstumsmärkte wie Gesundheitswesen, Technologie und Schwellenländer erhöhen zu wollen. Mit 26 Prozent will rund jeder Vierte in naher Zukunft vermehrt in defensivere Aktiensektoren wie Versorger, Telekom­munikation oder Immobilien investieren. Rund jeder zehnte befragte professionelle Anleger sieht das eigene Portfolio bereits gut aufgestellt und plant kurzfristig keine größeren Anpassungen.

Auch Tilmann Galler ist überzeugt, dass langfristige Wachstumsmärkte in der strategischen Positionierung des Investmentportfolios eine signifikante Gewichtung haben sollten, um an den strukurellen Trends zu partizipieren. Doch in der aktuell späten Phase des Konjunkturzyklus bieten aus taktischer Sicht auch defensivere Aktiensektoren eine attraktive Möglichkeit, das Portfoliorisiko zu reduzieren.

Bildschirmfoto-2019-11-15-um-20 44 28 in Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Ertragschancen in Asien nutzen

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten professionellen Anleger sieht den asiatischen Raum als Region mit dem vielversprechendsten Potenzial an. Jeweils rund jeder Zehnte rechnet dagegen mit den höchsten Ertrags­chancen in den Schwellen­ländern in EMEA (Osteuropa, Mittlerer Osten, Afrika – 11 Prozent) bzw. in den USA (9 Prozent). Japan wird von 6 Prozent der Berater präferiert und in Europa sowie Lateinamerika sehen je 3 Prozent der Befragten Potenzial. Zudem wollen sich 12 Prozent der professionellen Anleger nicht auf einzelne Regionen festlegen, sondern investieren global.

Tilmann Galler bestätigt den Trend, dass die Bedeutung Asiens für globale Anleger in den letzten Jahren stark zugenommen hat. „Inzwischen werden ein Drittel der börsennotierten Unternehmensgewinne global in Asien erwirtschaftet. Von der Enstehung neuer großer Binnenmärkte und steigendem Wohlstand profitieren in zunehmendem Maße auch die lokalen Unternehmen, weshalb wir  für diese Region attraktive langfristige Renditen erwarten“, so der Experte.

Von Growth zurück zu Value?

Befragt nach dem Investmentstil, dem die Befragten in den nächsten fünf Jahren die relativ beste Wertentwicklung zutrauen, sprachen sich 27 Prozent der Berater für Substanztitel (Value) aus. An zweiter Stelle stehen kleine und mittelgroße Werte (Small-Midcap) und erst an dritter Stelle Wachstumstitel (Growth) sowie Dividendentitel mit jeweils 19 Prozent. Aus Sicht von Tilmann Galler ist es durchaus sinnvoll, beide Stile in einem ausgewogenen Portfolio zusammenzustellen: „In Anbetracht der späten Zyklus­phase könnten Anleger in ausgewählte Substanzwerte investieren, da sich diese in der Vergangenheit in den anfänglichen Erholungsphasen nach einer Baisse – also einem fallenden Bärenmarkt – tendenziell gut entwickelt haben. Niedrigzinsen in Kombination mit unterdurchschnittlichem Wirtschafts­wachstum sind aber ein Umfeld, das strukturell Wachstumsaktien unterstützt“, so Gallers Fazit.

Der Experte sieht auch Dividendenaktien als langfristige Gewinner der Niedrigzinsen. Der Bedarf an regelmäßigen Erträgen im Portfolio kann immer weniger durch festverzinsliche Wertpapiere abgedeckt werden. Aktien mit hoher Ausschüttung werden dadurch weiterhing gefragt sein.

Bildschirmfoto-2019-11-15-um-20 45 27 in Berater-Barometer: Anlageprofis sehen Gefahr der Blasenbildung durch Niedrigzinspolitik

Zur Befragung

Das Berater-Barometer basiert auf einer Befragung von 376 professionellen Anlegern in zwölf deutschen Städten durch J.P. Morgan Asset Management im September 2019. Ziel der nicht repräsentativen Befragung ist, eine Momentaufnahme der Einschätzung zur Entwicklung von Kapitalmärkten, Anlageklassen und -regionen sowie der geplanten Portfolioallokationen der Befragten zu erhalten. Im besten Sinne der Gleichbehandlung nutzen wir die Bezeichnung „Berater“ und „Anleger“ für beide Geschlechter.

Foto: Shutterstock

 

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Oliver Bäte, Allianz: “Wollen die Führungsstrukturen immer effizienter machen”

Bei Europas größtem Versicherer Allianz muss sich das Management größere Sorgen um Arbeitsplätze machen als das Fußvolk. Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte will eher beim Management als bei den einfachen Mitarbeitern einsparen.

mehr ...

Immobilien

Preisstudie: Bei Neubauten geht’s noch weiter aufwärts

Die Nachfrage nach Kaufimmobilien ist weiter hoch. Immoscout24 hat auch dieses Jahr wieder eine Erhebung der Neubau-Kaufpreise für die deutschen Metropolen durchgeführt – erstmals auch für Leipzig, Dresden und Bremen. Die „Neubau-Kauf-Maps” zeigen neben den Preisentwicklungen für Neubau-Eigentumswohnungen auch die Entwicklung des Neubau-Häusermarktes der jeweiligen Umgebung. Leipzig sticht sowohl bei Eigentumswohnungen als auch bei Häusern hervor.

mehr ...

Investmentfonds

Die zehn wichtigsten Argumente für Schwellenländeraktien

Schwellenländeraktien sind einer der Anlagebereiche, der sich unseres Erachtens nur schwer durch passive Strategien nachbilden lässt. Aktives Management – ungeachtet des individuellen Anlagestils – bietet sowohl auf der «Top-down- (Währung) als auch auf der «Bottom-up»-Ebene (Einzelwerte) zahlreiche Chancen für eine «Rückkehr zum Mittelwert».

mehr ...

Berater

BCA-Chef: “Die Zahl der Pools wird sich weiter verringern”

BCA-Vorstandschef Rolf Schünemann über die Folgen von Regulierung und Digitalisierung für Vermittler, hohe Investitionskosten im IT-Bereich und die Konsolidierung der Pool-Branche.

mehr ...

Sachwertanlagen

INP bestückt ihre offenen Spezialfonds mit weiteren Pflegeheimen

Die INP-Gruppe hat durch den Erwerb von vier Pflegeeinrichtungen und Pflegewohnanlagen an verschiedenen deutschen Standorten das Immobilienportfolio ihrer offenen Spezial-AIF für institutionelle Investoren in den vergangenen sechs Monaten weiter ausgebaut.

mehr ...

Recht

Rufschädigung über das Netz: Letzter Ausweg Google

Was zu tun ist, wenn anonyme Internetseiten rechtsverletzende Äußerungen verbreiten. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Tae Joung Kim, SBS Legal

mehr ...