Die Fed vollendet die Kehrtwende

Richtungsweisend war die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve am 19. und 20. März. Die US-Leitzinsen blieben unverändert und der Abbau der Fed-Bilanz wird im weiteren Jahresverlauf gestoppt. Ein Gastbeitrag von Dijana Pantic, Union Investment

Dijana Pantic, Union Investment: „Die Latte der US-Währungshüter für eine Wiederaufnahme der Leitzinsanhebungen liegt sehr hoch.“

Neun Mal hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) seit Dezember 2015 die US-Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte erhöht. Zunächst langsam und vorsichtig – vom ersten Zinsschritt zum nächsten verging ein ganzes Jahr –, zuletzt doch mit gesteigertem, aber konstantem Tempo. Der „Autopilot“ des Jahres 2018 – jedes Quartal eine Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte – schien bis zum letzten Zinsschritt Mitte Dezember 2018 auch die Maßgabe für das Jahr 2019 zu sein.

Damals modifizierte die Notenbank ihre Sprachregelung dahingehend, dass sie mit Blick auf 2019 nur noch „einige“ weitere graduelle Zinsanhebungen für angemessen erachtet. Entsprechend verschoben sich Ende 2018 die Einschätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) zur angemessenen Zinsentwicklung („Dot Plots“) von zuvor im Mittel drei auf noch zwei Zinsanhebungen im Jahr 2019.

Den Kapitalmärkten, die aufgrund der schwachen Konjunkturdaten und sich deutlich verschärfenden Finanzierungsbedingungen ohnehin stark unter Abgabedruck standen, war dies zu wenig. Die Hoffnungen auf eine Unterstützung seitens der Zentralbank („Zentralbank-Put“) zerschlugen sich zunächst – der Ausverkauf an den Aktienmärkten setzte sich fort.

Abschied vom „Autopiloten“

Fed-Chef Jerome Powell und seine Kollegen erkannten schnell, dass durch das sich eintrübende Konjunkturumfeld, die Zeit für eine Kurskorrektur gekommen war. Bereits Anfang des Jahres stellten sie öffentlich klar, dass die Leitzinsen 2019 deutlich moderater als in den Quartalen zuvor angehoben werden sollten. Dennoch rechnete die Fed selbst zu diesem Zeitpunkt noch weiterhin mit zwei Zinsschritten im Jahr 2019.

Sie verabschiedete sich aber von ihrem „Autopiloten“ und machte den weiteren Kurs stärker von der Kapitalmarkt- und Datenlage abhängig. Damit erfüllte sich der Wunsch der Marktteilnehmer nach einem „Zentralbank-Put“ etwas verspätet und deren Risikoaversion nahm schlagartig ab. Nach einem Vierteljahr, in dem überwiegend die Bären die Entwicklung der Märkte bestimmten, übernahmen die Bullen wieder das Heft des Handelns.

Denn: Bei anhaltend schwachen Wirtschaftsdaten – insbesondere in China und Europa – würde die Fed ebenso von weiteren Leitzinserhöhungen absehen wie auch im Falle einer Inversion der Zinsstrukturkurve. Hinzu kam, dass die Notenbank im Januar das US-Wachstum zwar als solide einschätzte, der verhaltene Inflationsdruck aber ebenfalls nicht zu stetigen Zinsanhebungen zwang, sondern Geduld erlaubte. Schon damals gingen viele Marktteilnehmer von keinem Zinsschritt mehr 2019 aus, wie an den Fed Fund Futures abzulesen war.

Seite zwei: Fed weniger restriktiv als zuvor

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