10. Juli 2019, 09:00
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Die „Green Bubble“ vermeiden

Immer mehr Anleger setzen auf das Thema Nachhaltigkeit. Viele Unternehmen setzen auf diesen Trend und entwickeln Strategien, um Investoren zu locken. Doch wie lässt sich erkennen, ob das Unternehmen tatsächlich nach ethisch-sozialen und ökologischen Grundsätzen arbeitet und ein Engagement durch die Anleger verdient.
Ein Gastbeitrag von Deirdre Cooper, Portfolio Managerin des Investec Global Environment Fund.

Deidre-Cooper Large-Kopie in Die „Green Bubble“ vermeiden

Deirdre Coope, Portfolio Managerin des Investec Global Environment Fund.

Das CO2-Risiko wird bei traditionellen Aktienallokationen weitgehend unterschätzt. Dabei bestehen bedeutende Investitionsmöglichkeiten in einem Universum unentdeckter Unternehmen – weit entfernt von traditionellen Aktienallokationen wie dem FTSE 100 oder dem MSCI All Country World Index.

Wer profitiert von CO2-armer Wirtschaft?

Um vorherzusagen, welche Unternehmen am meisten von Klimarisiken betroffen sein werden, muss eine beträchtliche Anzahl von Unbekannten bewertet werden, darunter die globale Nachfrage nach unterschiedlichen Energieträgern, die CO2-Preise und Veränderungen im Konsumverhalten.

Es ist daher einfacher, Unternehmen zu definieren, die vom Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft profitieren werden. Die Gewinner des Energiewandels sind schnell wachsende Unternehmen, die als Motor für tiefgreifende Veränderungen in der Art und Weise, wie Menschen ihre Energie beziehen und nutzen, sorgen werden.

Erfolgreiche Allokationen von Vermögenswerten für nachhaltiges Wachstum, die auf umfassenden Daten basieren und aus dem globalen Umweltuniversum ausgewählt wurden, sollten nicht nur den Zugang zu Wachstumsunternehmen ermöglichen, sondern auch eine wirksame Absicherung gegen das bestehende Kohlenstoffrisiko eines Portfolios darstellen. Dies kann Investoren ermöglichen, effektive Diversifikationsmöglichkeiten abseits der Anlagen zu schaffen.

Überlebensstrategie stellt vor Herausforderungen

Viele Unternehmen sehen sich damit konfrontiert eine Überlebensstrategie zu entwickeln, da ihr bestehendes Geschäft in den Bereichen Energie, Bergbau oder Schwerindustrie strukturell dem Energiewandel ausgesetzt ist und ihre Endprodukte immer weniger konsumiert werden.

Zu solchen Unternehmen die aktive Expertise in den Bereichen erneuerbare Energien und integrierte Energielösungen entwickeln und ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln, gehören etwa Konzerne wie Royal Dutch Shell, Total und BP.

Alle drei Unternehmen beteiligen sich direkt an Solar-, Wind-, Elektrofahrzeug-, und der Batterietechnologie sowie Biokraftstoffen. Sie wollen ihre Öl- und Gasaktivitäten weg vom kostspieligen Öl hin zum Gas ausrichten. Dazu haben sie sich mit Aktionären und Interessengruppen über die Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle, die Messung von Emissionen und die Ausrichtung am Pariser Klimaabkommen unterhalten.

Kohle besitzt finanzielle und ökologische Risiken

Ein systematisches Engagement seitens der Aktionäre kann sich zu einem wesentlichen Wandel der Geschäftsführung entwickeln. Genau das ist ein effektiverer Weg, das CO2-Risiko zu managen, statt nur CO2-Unternehmen zu verkaufen.

Kohle ist heute weltweit teurer als erneuerbare Energien, und diese Kluft wird sich vergrößern. Das unterstreicht sowohl die finanziellen als auch die ökologischen Risiken von Investitionen in Kohle. Kohle exportierende Länder werden ebenso betroffen sein, wie Bergbau- oder Energieunternehmen.

Hochpreisiges Öl und Gas sowie Versorgungsunternehmen, die sich auf Kohlenstoff konzentrieren, werden ebenfalls negativ vom Übergang zu einer CO2-ärmeren Zukunft beeinflusst werden.

Der Energieübergang wird für diejenigen Energieunternehmen, denen die Fähigkeit oder der Wille zur Entwicklung fehlt, zunehmend darwinistisch verlaufen. Investoren werden sie vermeiden und in einigen Fällen aktiv veräußern. Wichtig ist, dass das Kohlenstoffrisiko nicht nur für Unternehmen besteht, die Öl, Gas und Kohle fördern.

Green Bubble ist möglich

Andere Unternehmen, die fossile Brennstoffe als Ausgangsstoffe für die Produktion verwenden, kohlenstoffintensive Lieferketten benötigen oder kohlenstoffintensive Produkte herstellen, sind ebenfalls gefährdet. Dies führt zu der Notwendigkeit einer besseren Offenlegung und besseren Daten von Unternehmen, um ein umfassendes Verständnis der CO2-Emissionen zu gewährleisten.

Da ein Exposure in Kohle, hochpreisigem Öl und Gas sowie kohlenstoffintensiven Versorgungsunternehmen langfristig nachteilig ist, ist eine Wertvernichtung, eine «Green Bubble» möglich. Dabei handelt es sich um Unternehmen und Vermögenswerte, die der Dekarbonisierung des globalen Energiesystems ausgesetzt zu sein scheinen, sich aber wirtschaftlich gesehen als unrentabel erweisen werden.

Profitloses Wachstum gesucht

Die Herausforderung für Investoren besteht darin, zwischen „Sustainable Growth“ und „Green Bubble“ zu unterscheiden: Beide Gruppen werden den gleichen Branchentrends ausgesetzt sein, es werden aber sehr unterschiedliche Anlageergebnisse erzielt. «Green Bubble» Unternehmen werden sich durch niedrige Eintrittsbarrieren, keinen Kostenvorteil und niedrige Renditen auszeichnen.

Diese Geschäfte werden ein „profitloses Wachstum“ verzeichnen und keine nachhaltigen Renditen für die Aktionäre liefern. Qualitativ schlechte Solarpanels könnte ein gutes Beispiel dafür sein, ebenso wie Teile der Batterie-Wertschöpfungskette – so wie sich beispielsweise Fluggesellschaften in der Vergangenheit trotz starker Wachstumsraten und Akzeptanzkurven als renditeschwache Branchen erwiesen haben.

 

Autorin Deirdre Cooper ist Portfolio Managerin des Investec Global Environment Fund.

Foto: Investec

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