28. Oktober 2019, 11:16
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Geldanlage gleicht jetzt einer schmalen Gratwanderung

Klarheit sieht anders aus: Es steht immer noch nicht fest, ob der kontinuierliche Rückgang der Industrietätigkeit die Weltwirtschaft am Ende in eine Form der Rezession hineinziehen wird oder ob der private Konsum und die Unterstützung der Zentralbanken das Wachstum in den nächsten Monaten stützen werden. Zusätzlich sorgte die hochgradig volatile Situation im Nahen Osten für Unsicherheit und erinnerte die Anleger an die Energiepreissensibilität gegenüber geopolitischen Entwicklungen in der Region.

Kapitalanlagestrategien in Geldanlage gleicht jetzt einer schmalen Gratwanderung

Hinzu kommt, dass die Notenbanken Fed und Europäische Zentralbank (EZB) überraschend weitere Zinsschritte ankündigten und es zu inneren Zerwürfnissen in beiden Institutionen kam. „Die Unbestimmtheit der Wirtschaftsperspektive hat den vorherrschenden Konsens über die Notwendigkeit ins Wanken gebracht, das schwache Wachstum und die niedrige Inflation mit geldpolitischen Maßnahmen zu bekämpfen“, sagt Adrien Pichoud, Chief Economist und Portfolio Manager bei SYZ Asset Management.

Des Weiteren werden die Rufe nach einer aktiveren Fiskalpolitik immer lauter. „Angefangen beim fiskalpolitisch orthodoxen Deutschland über das Brexit-geplagte Großbritannien und die USA im beginnenden Wahlkampf bis hin zu Japan rückt die Debatte über die Staatsausgaben als mögliche Lösung gegen das langsamere Wirtschaftswachstum, die zunehmende Ungleichheit und die Umweltprobleme immer stärker in den Mittelpunkt“, so Pichoud.

Positiv trotz Risiken

Die sensiblen Reaktionen der Anleger seien verständlich. Panik ist jedoch verfrüht: „Anleger dürfen die Widerstandsfähigkeit der Endnachfrage in den Industrieländern, die niedrigen Zinssätze und die mögliche Unterstützung durch die Fiskalpolitik nicht außer Acht lassen“, betont der Chefökonom. Bisher hält sich die Weltwirtschaft wacker und sogar die Wende hin zu mehr geldpolitischer Lockerung sei nicht nachteilig. „Die geldpolitische Lockerung der EZB verankert die Geldpolitik der Eurozone (sehr) langfristig auf einem äußerst akkommodierenden Niveau“, so Pichoud. Gleichzeitig verfügen nach Ansicht des Experten die Fed auf der einen und die Zentralbanken der Schwellenländer auf der anderen Seite über mehr Spielraum für zusätzliche Lockerungen, sofern notwendig.

Risiken bleiben jedoch bestehen: Der Handelsstreit zwischen China und den USA, der Brexit, die instabile Lage in Nahost sowie die US-Innenpolitik sorgen weiterhin für Verunsicherung. In Europa bleibt Deutschland die Schwachstelle des Wachstums: „Durch seine Wirtschaftsstruktur ist das Land den negativen Auswirkungen der globalen Verlangsamung im Handel und den eher europaspezifischen Brexit-Unsicherheiten voll ausgesetzt“, sagt Pichoud. Ähnlich sei es für die Schweiz, die nordischen Länder sowie für Japan. Sensibel reagieren auch die Schwellenländer, konnten das Wachstum aber leicht steigern, was möglicherweise durch die jeweiligen geldpolitischen Lockerungen und die einfacheren Bedingungen für Finanzierungen in US-Dollar unterstützt werde.

Übergewicht defensiver Sektoren leicht reduziert

Die ermutigenden Signale bei der Konjunkturdynamik in Europa und China haben die Ökonomen bewogen, das Übergewicht von defensiven Sektoren und Märkten leicht zu reduzieren. „Wir wollen jedoch auf stärkere Stabilisierungsanzeichen im globalen Wachstumstrend warten, bevor wir das Gesamtrisiko der Portfolios effektiv erhöhen“, erläutert Maurice Harari, Senior Portfolio Manager bei SYZ Asset Management. „Darüber hinaus möchten wir zyklischer agieren und den Schwerpunkt stärker auf die Werte legen“, so Harari. Aufgrund der extremen relativen Bewertungsniveaus bei defensiven und zyklischen Märkten und Sektoren diene die Reduzierung des defensiven Schwerpunkts dazu, im Falle einer vorübergehenden Umkehr oder einer Korrektur der relativen Performance durch eine Abschwächung der globalen Wachstumsängste nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Zudem setzen die Experten auf Gold und den japanischen Yen. „Diese ermöglichen eine zusätzliche Portfoliodiversifizierung in einem risikoaversen Umfeld“, so Harari.

Foto: Shutterstock

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