16. März 2019, 07:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

MiFID II verjagt Anleger von den Kapitalmärkten

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hat in einer Studie die Auswirkungen der europäischen Wertpapierrichtlinie MiFID II beleuchtet. Die Folgen sind in Zeiten, in denen privat finanzierter Vermögensaufbau und Altersvorsorge substanziell entscheidend sind, verheerend.

Shutterstock 1175790355 in MiFID II verjagt Anleger von den Kapitalmärkten

MiFID II sorgt für viel Unmut bei den Banken

Zu den Ergebnissen der Studie erklärt Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, der als diesjähriger Federführer für die DK spricht: “Aus der Vermutung ist nun Gewissheit geworden: Mit der Wertpapierrichtlinie MiFID II ist der europäische Gesetzgeber deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Sie ist ein Ärgernis für die Kunden, ein Alptraum für Kreditinstitute und Berater und erweist dem Anlegerschutz und der Wertpapierkultur in Deutschland einen Bärendienst.”

Die Studie zeigt, dass sich Kunden durch die Fülle an Informationen überfordert und verunsichert fühlen. Viele Anleger wollen selbst entscheiden, ob sie auf bestimmte Informationen (z. B. sich ständig wiederholende Kosteninformationen) verzichten oder eine nachträgliche Information (z. B. bei telefonischen Orders) wünschen.

“Sehr überschaubarer Mehrwert”

“Einem sehr überschaubaren Mehrwert für die Kunden stehen dabei immense Kosten für die deutschen Banken und Sparkassen gegenüber”, sagte Krautscheid. So hat die Studie ergeben, dass im Schnitt pro Institut rund 3,7 Millionen Euro Kosten angefallen sind, um die europäischen Regulierungsvorgaben von MiFID II/MiFIR sowie der Verordnung zur Einführung von Basisinformationsblättern (PRIIP-VO) zu erfüllen – die künftigen Kosten noch nicht mitgerechnet.

Rechnet man das auf die rund 1.600 deutschen Institute hoch, lägen die Gesamtkosten bei bis zu sechs Milliarden Euro. “Geld, das die Banken und Sparkassen für Zukunftsinvestitionen viel nutzbringender hätten verwenden können”, so Krautscheid.

Rückgang des Beratungsangebots droht

Die deutschen Banken und Sparkassen warnen zudem vor einem Rückgang des Beratungsangebotes. “Die starre Regulierung führt dazu, dass Beratung nur noch in ausgewählten Filialen angeboten wird. Gerade ältere und weniger mobile Kunden drohen so vom Wertpapiergeschäft abgeschnitten zu werden”, bemängelt Prof. Paul in seiner Studie.

Auch die unterschiedslose Behandlung sämtlicher Kunden kritisiert die DK und fordert mehr Spielraum für Differenzierungen: “Professionelle Kunden – wie etwa Investmentfonds – haben ein anderes Schutzbedürfnis als Kleinanleger. Durch die MiFID II sind wir aber gezwungen, Profis wie Anfänger zu behandeln.”

“Deutschland braucht eine ausgeprägte Wertpapierkultur”

“Deutschland braucht eine ausgeprägte Wertpapierkultur”, betont Krautscheid mit Blick auf die Niedrigzinsphase und die stetig steigenden Erfordernisse der privaten Altersvorsorge. Dieses Ziel werde durch die derzeitige Ausgestaltung von MiFID II konterkariert. Daher fordert die DK, dass die Überarbeitung der MiFID-Richtlinie ganz oben auf die Agenda der neuen EU-Kommission im Herbst 2019 gesetzt wird.

Die Untersuchung „Auswirkungsstudie MiFID II/MiFIR und PRIIP-VO: Effektivität und Effizienz der Neuregelungen vor dem Hintergrund des Anleger- und Verbraucherschutzes – eine qualitativ-empirische Analyse“ hat Professor Dr. Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum im Februar 2019 im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft abgeschlossen. Er hatte dafür rund 3.000 Kunden und über 150 Banken und Sparkassen in Deutschland befragt. (fm)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 02/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Denkmalobjekte – Betriebsrente – Digital Day 2019

Ab dem 24. Januar im Handel.

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Versicherungen

Die Top 5 der Woche: Versicherungen

Was waren die Klicker der Woche? Welche Versicherungsthemen stießen bei den Lesern von Cash.Online auf besonders großes Interesse? Unser neues wöchentliches Ranking zeigt es auf einen Blick.

mehr ...

Immobilien

Wohnungsbau: IVD fordert geänderte Bauordnungen

Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, sieht enormes Potenzial für neue Wohnungen durch den Ausbau von Dachgeschossen und Nachverdichtung. Dem stehen jedoch vielerorts Bauvorschriften, Norman und Auflagen im Weg.

mehr ...

Investmentfonds

Die Top 5 der Woche: Investmentfonds

Auch in dieser Woche hat die Cash.Online-Redaktion untersucht, welche Investmentfonds-Themen die Leser am stärksten interessierten. Die fünf meistgeklickten Artikel des Ressorts finden sie hier:

mehr ...

Berater

Gehalt: So viel verdient Deutschland

Mit welchem Beruf zählen Fach- und Führungskräfte in Deutschland zu den Top-Verdienern und wie groß sind die regionalen Unterschiede beim Lohnniveau? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert der Step Stone Gehaltsreport 2019 mit einem Überblick über die durchschnittlichen Bruttojahresgehälter.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lars Schnidrig rückt zum CEO von Corestate auf

Der Aufsichtsrat der Corestate Capital Holding S.A., zu der unter anderem der Asset Manager Hannover Leasing gehört, hat Lars Schnidrig für vier Jahre zum neuen Chief Executive Officer (CEO) und Vorsitzenden des Vorstands berufen. Er hat ein ambitioniertes Ziel.

mehr ...
22.03.2019

RWB Group wird 20

Recht

BFH kippt den Bauherrenerlass

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat eine uralte steuerliche Restriktion für geschlossene Fonds kassiert. Darauf weist die Beratungsgesellschaft Baker Tilly jetzt hin. Es gibt Vorteile für die heutigen Fonds, aber auch eine Fußangel.

mehr ...