Tech-Giganten: Korrektur und keine Krise

Das mag sich zunächst dramatisch anhören. Auf Jahressicht sind viele Tech-Werte aber dennoch im Plus. Der Vergleich mit 2001, als die Dot.com-Blase geplatzt ist, liegt zwar nahe, die Vorzeichen sind diesmal aber vollkommen andere.

Damals waren die Unternehmen schlecht aufgestellt. Die Gewinnmargen waren gering, vielfach wurden nur Verluste erwirtschaftet. Zwar bot das Internet den Stoff für allerlei Fantasien, was fehlte, war aber ein lukratives Geschäftsmodell. Es zählten nur die Zukunftsvisionen. Heute gehören die Unternehmen der Branche dagegen zu den bestverdienenden der Welt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte Apple einen Gewinn vor Steuern von fast 73 Milliarden US-Dollar, soviel wie kein anderes Unternehmen auf der Welt. Das ist mehr als die gesamte jährliche Wirtschaftskraft von Slowenien.

Mit einer erneuten Krise, wie wir sie Anfang des Jahrtausends gesehen haben, rechnen wir also nicht. Ganz im Gegenteil. Die Kursverluste der vergangenen Wochen haben zu einer Korrektur der Bewertungen geführt. Viele Aktien sind inzwischen wieder attraktiv bewertet.

Sektor ist sehr heterogen

Die Frage, ob sich ein Einstieg jetzt lohnt, lässt sich aber nicht uneingeschränkt mit „Ja“ beantworten, denn die Branche ist sehr heterogen aufgestellt. Schließlich haben Internet und Halbleiter nur wenig gemein. Firmen, die etwa Komponenten für Konsumgüter wie Autos liefern, leiden sehr wohl unter den sich eintrübenden Konjunkturaussichten und haben derzeit sicherlich keine rosigen Perspektiven. Es gibt aber auch eine ganze Reihe an Firmen, die von langfristigen Trends profitieren und weitaus weniger zyklusabhängig sind. So dürften etwa die IT-Ausgaben in vielen Konzernen in Anbetracht der zunehmenden Digitalisierung hoch bleiben.

Darüber hinaus sollten die Forschungsausgaben im Bereich des autonomen Fahrens und der künstlichen Intelligenz noch zunehmen. Große Zukunftschancen hat zweifelsfrei auch das Thema „Mobiles Bezahlen“. Teilbereiche des Sektors, wie die Informationstechnologie, bieten eine Reihe von Vorzügen, die sonst als Kaufgrund für defensive Werte angepriesen werden. Hierzu gehören ein stabiles Wachstum, eine vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) unabhängige Geschäftsentwicklung, starke Bilanzen und eine hohe Preismacht.

Siegeszug pausiert

Zudem sind die Geschäftsmodelle der Firmen sehr stabil, was gegen eine nachhaltige Krise spricht. Firmen wie Amazon oder auch Google haben sich in den vergangenen Jahren eine fast schon monopolartige Stellung aufgebaut, die so schnell nicht angegriffen werden kann. Die hohen Gewinne der Unternehmen haben zudem den positiven Nebeneffekt, dass ihre Verschuldung gering oder gar nicht vorhanden ist. Es spricht also viel dafür, dass der 2009 begonnene Siegeszug der Technologiebranche derzeit zwar unterbrochen, nicht aber beendet ist.

Autor Marc Hellingrath ist Leiter Aktien Concentrated bei Union Investment.

Foto: Union Investment

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