Dax bald mit 40 Werten

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Die Deutsche Börse verschärft nach dem Wirecard-Skandal und der Kritik an der Aufnahme von Delivery Hero in den Dax ihre Indexregeln. Die umfassendsten Änderungen gibt es für das Aushängeschild - den deutschen Leitindex Dax. Dieser wird zwar von 30 auf 40 Werte aufgestockt, aber dafür gelten vom kommenden Jahr an strengere Vorgaben. Zudem soll er künftig zweimal jährlich regulär überprüft werden, wie die Deutsche Börse am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Zu den Top-Anwärtern auf einen Platz im Leitindex zählt nun der Flugzeugbauer Airbus. Denn zum wichtigsten Aufnahmekriterium wird der Börsenwert, also die Marktkapitalisierung gemessen am Anteil frei handelbarer Aktien (Streubesitz). Der Börsenumsatz, das bisher zweite Kriterium für eine Aufnahme in einen Index, fällt weg. Er wird – und dies gilt auch für die anderen Indizes der Dax-Familie, den MDax, SDax und TecDax, durch eine so genannte Mindestliquiditätsanforderung ersetzt.


Für die erste deutsche Börsenliga gilt: Erstmals wird der Dax im März des neuen Jahres regulär unter die Lupe genommen, während die Aufstockung um zehn neue Mitglieder dann ein halbes Jahr später im September 2021 erfolgt.

Neue Regeln

Index-Experten begrüßen die neuen Regeln überwiegend. Der Dax werde dadurch attraktiver, hieß es. Zugleich hatten sich einige aber noch weiter gehende Änderungen erhofft und waren, wie etwa Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder Michael Bissinger von der DZ Bank, von einer rascheren Umsetzung noch im März ausgegangen.
Beide Analysten rechnen nun damit, dass neben den bereits ins Spiel gebrachten Unternehmen wie Zalando, Symrise, Siemens Energy und Siemens Healthineers nun auch Airbus eine gute Aufnahmechance hat. Denn: Der Passus in den Vorschlägen, dass Unternehmen, die Geschäfte mit „umstrittenen Waffen“ machen, nicht Mitglied im Leitindex werden können, wurde nach Kritik von Marktteilnehmern gestrichen.

Außerdem könnten die im Börsensegment General Standard zu findenden Porsche-Vorzugsaktien in den Dax kommen, schreibt die Commerzbank, sofern die Finanzholding die neuen Index-Kriterien erfüllt. Denn auch eine bisher nötige Notierung im Prime Standard, dem strengsten Börsensegment, ist nicht mehr erforderlich.

Vielmehr haben nun alle Unternehmen, die am Geregelten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassen wurden, die Chance, in einen Index der Dax-Familie aufgenommen zu werden. Und so würde es für Porsche allein am Börsenwert gemessen für einen Platz im Dax reichen: Mit aktuell rund 17,7 Milliarden Euro läge Porsche im Mittelfeld und fast auf etwa demselben Niveau wie die Deutsche Bank.

Schärfere Regeln für Corporate Governance

Verschärft hat die Deutsche Börse im Zuge der Dax-Erweiterung zugleich die Regeln rund um die Unternehmensführung (Corporate Governance) sowie über die Ertragskraft der Konzerne. So muss, wer künftig Mitglied in der ersten Börsenliga werden will, auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in den letzten beiden Geschäftsjahr profitabel gewesen sein.

Fall Delivery Hero

Ein Konzern wie der Essenslieferant Delivery Hero wäre nach den neuen Regeln im vergangenen August also nicht Dax-Nachfolger für den nach einem Bilanzskandal insolventen Zahlungsabwickler Wirecard geworden. Ausgeschlossen wird Delivery Hero deswegen dennoch nicht. Ein positives operatives Ergebnis für die vergangenen zwei Jahre müssen nämlich nur Dax-Anwärter vorweisen. Während diese Regel als einzige ab sofort gilt, sollen die weiteren für die Index-Überprüfungen im ersten Quartal, konkret im März, angewandt werden oder im dritten Quartal, konkret im September.

Auch der MDax verändert sich

Der MDax wird im September zugleich von aktuell 60 auf 50 Mitglieder zusammengestutzt, wodurch er „stark an Bedeutung verliert“, wie Christine Bortenlänger, geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstitutes, kritisiert. Denn sein Börsenwert schrumpft durch die Abgänge seiner gewichtigsten Unternehmen in den Dax um ein Drittel. „Deswegen brauchen wir jetzt in einem zweiten Schritt ein Konzept, bei dem auch MDax und SDax überprüft und gegebenenfalls angepasst werden“, fordert Bortenlänger.

Verschärfte Pflichten

Für alle Unternehmen der Dax-Familie gelten nach den neuen Regeln der Deutschen Börse künftig auch verschärfte Pflichten in der Finanzberichterstattung. Sie müssen Quartalsmitteilungen und testierte Jahresabschlüssen veröffentlichen. Wer dieser Pflicht auch während einer 30-tätigen Warnfrist nicht nachkommt, wird innerhalb von zwei Werktagen aus dem Index entfernt. Auch wenn der Abschluss nach der Veröffentlichung – und nach der Frist – zurückgezogen wird, büßt das Unternehmen seine Mitgliedschaft ein.

Mit den nun strengeren Vorgaben zieht die Deutsche Börse Konsequenzen aus Lücken in ihrem alten Regelwerk, nachdem Wirecard sich trotz des immer weiter ausufernden Bilanzskandals noch über Monate im Dax hatte halten können.

Eine weitere, eher kleinere Neuerung für alle Unternehmen, die in Dax, MDax, SDax oder TecDax wollen, ist die Pflicht für einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat. Bei wem dies bisher nicht der Fall ist, etwa der Dax-Konzern Merck KGaA, hat eine Karenzzeit bis August 2022. (dpa-AFX)

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