Fed dreht 2020 nicht mehr an der Zinsschraube

Auf den ersten Blick war der Jahresauftakt der Fed recht unspektakulär. Mache Details könnten sich jedoch als durchaus wichtig erweisen. Ein Kommentar von Christian Scherrmann, Volkswirt USA bei der DWS.

EZB in Frankfurt

In der Pressemitteilung werden die Konsumausgaben nicht mehr als „stark“, sondern nur noch als eher „moderat“ bezeichnet. Zudem sei die Inflation nicht mehr „nahe“ dem zwei Prozent Ziel, sondern „kehrt“ dorthin zurück. Mit anderen Worten: höhere Inflation und weniger Konsum. Im Einklang mit den jüngsten Äußerungen einiger Zentralbanker, dass eine etwas höhere Inflation durchaus toleriert werden könnte, kann diese Formulierung als durchaus „dovish“ interpretiert werden – genau wie wir es erwartet haben. Und Powell bestätigte: Zwei Prozent seien keine Obergrenze – ein geringfügiges Überschießen würde toleriert werden.

Unsicherheiten im Handelskonflikt kleiner geworden

Insgesamt bekräftigte Powell erneut, dass die Geldpolitik derzeit „gut aufgestellt“ sei. Während die Unsicherheiten hinsichtlich des Handelskonflikts zwar etwas abgenommen haben, wurde das Coronavirus explizit als neues Risiko benannt. Über mögliche Auswirkungen auf die US-Wirtschaft wollte Powell jedoch noch nicht spekulieren. Im Allgemeinen, so Powell weiter, könnte sich das globale Wachstum stabilisieren und er sieht die Grundlagen für „vorsichtigen Optimismus“ gegeben. Offensichtlich gehört der Fed-Vorsitzende zu der optimistischen Fraktion des FOMC.

Was die EZB will

Der heutige Zentralbankentscheid wurde von der Ankündigung begleitet, dass das Repo-Programm mindestens bis April verlängert wird. Mit Blick in die Zukunft deutete Powell an, dass die Fed beabsichtigt, die Operationen allmählich zu reduzieren. Wir nehmen diese „Forward guidance“ als einen Hinweis an die Märkte, dass die gesteigerte Liquiditätsversorgung nicht unbegrenzt sein wird.

Wir bleiben bei unserer Erwartung, dass die Fed 2020 die Zinsen weder senken noch erhöhen wird.

Foto: Shutterstock

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