27. Februar 2020, 23:47
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Thyssenkrupp will Aufzugsparte an Konsortium um Advent verkaufen

Der in Finanznöten steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp will seine Aufzugsparte komplett an ein Konsortium rund um die Finanzinvestoren Advent und Cinven verkaufen. Wer noch dabei ist und wass erlöst werden soll.

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Mit im Boot ist auch der Ruhrkonzern RAG, der an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist. Der Preis soll bei 17,2 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Essen mit. Neben Advent, Cinven und RAG war zuletzt noch ein Konsortium um Blackstone, Carlyle sowie dem Canadian Pension Plan im Rennen. Thyssenkrupp wird sich mit 1,25 Milliarden Euro an dem ertragreichen Geschäft rückbeteiligen. Die Aktie sprang nachbörslich um 6 Prozent an.

Mit den Erlösen soll die Sanierung Thyssens finanziert werden. So will der Konzern seine Finanzschulden senken. Konkret plant der Konzern, die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens zum Teil auszufinanzieren. Dazu soll neben Barmitteln auch die Rückbeteiligung am Aufzuggeschäft eingesetzt werden.

Nach dem Vollzug werde die Eigenkapitalbasis deutlich gestärkt, so das Unternehmen. Thyssenkrupp strebe eine Bonitätsbewertung im Investment-Grade-Bereich an. Innerhalb von zwei Jahren soll es wieder einen positiven freien Mittelzufluss vor Akquisitionen geben, derzeit ist diese Kennziffer im tiefroten Bereich.
Die Krupp-Stiftung, Großaktionär bei Thyssenkrupp, unterstützt den Verkauf. Der Vorstand habe nun die Aufgabe, die Erlöse “rasch und gezielt so einzusetzen, dass das Unternehmen sich erfolgreich entwickeln kann”, hieß es. Thyssenkrupp müsse wieder wettbewerbs- und dividendenfähig werden.

Die Transaktion soll bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) abgeschlossen werden. Dann soll auch der Kaufpreis fließen. Die Kartellbehörden müssen dem Geschäft noch zustimmen, wobei Thyssenkrupp keine Bedenken erwartet.

Die Käufer hätten sich zu weitreichenden Standort- und Beschäftigungsgarantien verpflichtet, hieß es. Der Unternehmenssitz bleibe in Deutschland, die Arbeitnehmermitbestimmung werde fortgeführt.

Das Aufzuggeschäft ist die Ergebnisperle von Thyssenkrupp. Der Konzern schreibt derzeit Verluste und hat im vergangenen Jahr die Dividende gestrichen. Künftig soll wieder verstärkt der Stahl im Mittelpunkt stehen. Dort läuft es derzeit schlecht. Überkapazitäten, Preisdruck und eine schwache Konjunktur lasten auf der Branche. Dazu benötigt Thyssenkrupp Geld, um die Sparte zukunftsfähig zu machen und etwa die CO2-Emissionen dort in Zukunft deutlich zu senken.

Auch in den anderen Feldern wird kräftig umgebaut. Der Anlagenbau soll operativ wieder in die Spur gebracht werden. Dabei prüft Thyssenkrupp die Möglichkeit, das Geschäft mit Partnern oder unter einem neuen Dach weiterzuentwickeln, und sucht Interessenten. Das Komponentengeschäft will Thyssenkrupp in ein reines Autozuliefergeschäft umwandeln. Bislang fertigt das Unternehmen auch für andere Industrien wie etwa die Windkraft. Über Partnerschaften oder mögliche Portfolio-Maßnahmen soll dann später diskutiert werden. Seine Pläne will Thyssenkrupp im Mai vorstellen.

Im ersten Quartal hatte sich die Lage bei Thyssenkrupp nochmals zugespitzt. Der Nettoverlust fiel per Ende Dezember mit 372 Millionen Euro höher aus als der Verlust im gesamten vergangenen Geschäftsjahr. Die Finanzschulden sind auf mehr als 7 Milliarden Euro gestiegen.

Die prekäre Lage ist auch das Ergebnis mehrerer Strategieschwenks innerhalb kurzer Zeit. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkochers Tata war von der EU-Kommission schließlich untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften musste abgesagt werden. Thyssenkrupp flog im vergangenen Jahr wegen massiver Kursverluste aus dem Dax. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober vergangenen Jahres wechselte die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschefin an die Spitze des Vorstands.

Merz, die den Konzern eigentlich höchstens zwölf Monate führen soll, hat zwei bis drei Jahre für die Sanierung veranschlagt. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

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