Klimawandel: Gros der Großunternehmen hinkt Pariser Abkommen hinterher

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Seit dem Pariser Abkommen 2015 haben sich große und kleine Länder in der ganzen Welt zu Netto-Null-Zielen verpflichtet und viele Unternehmen folgen diesem Beispiel. Trotzdem schätzt Lombard Odier, dass nur 25 Prozent der Unternehmen im MSCI World Index derzeit darauf ausgerichtet sind, die Erwärmung unter 2°C zu halten.

Ein noch geringerer Prozentsatz von sechs Prozent bewegt sich bereits glaubwürdig in Richtung 1,5°C (Stand: Ende Oktober 2021). Derzeit sind die Unternehmen im Index insgesamt auf eine globale Erwärmung von 2,9°C ausgerichtet – weit entfernt vom Ziel des Pariser Abkommens von 2°C.

Die Temperaturausrichtung eines Unternehmens auf das Pariser Abkommen lässt sich abschätzen, indem man seinen aktuellen und prognostizierten Emissionstrend mit den spezifischen Dekarbonisierungsraten vergleicht, die jede Branche erreichen muss, um die globale Erwärmung unter einem bestimmten Niveau zu halten. Solche Analysen erfordern eine sorgfältige Bewertung der Unternehmensverpflichtungen, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht alle Ziele für bare Münze genommen werden können. Da Ziele verfehlt werden oder sich Strategien als undurchführbar erweisen können, kann die Glaubwürdigkeit von Verpflichtungen schwanken, was zu konservativeren Bewertungen der Ausrichtung von Unternehmen führt.

Um diese Einschätzung näher zu beleuchten, hatten im Oktober 50 % der Unternehmen im MSCI World Index konkrete Angaben zu ihren Zielen oder Zusagen zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen veröffentlicht. Wir schätzen jedoch, dass nur 19 Prozent der Unternehmen über Ziele verfügten, die von der Initiative für wissenschaftsbasierte Ziele unabhängig validiert wurden. Dabei werden die Ziele als ehrgeizig genug angesehen, um den globalen Temperaturanstieg unter 2°C zu halten und gleichzeitig die wissenschaftliche Praktikabilität zu wahren. Die Methodik von Lombard Odier, die den Empfehlungen der PAT entspricht, gewichtet die Verpflichtungen der Unternehmen je nach ihrer Glaubwürdigkeit unterschiedlich, wobei die wissenschaftsbasierten Ziele nach wie vor als die glaubwürdigsten gelten.

Abgesehen von den Unterschieden in der Aussagekraft der Ziele, stellen wir auch erhebliche Unterschiede im Umfang der Verpflichtungen der Unternehmen fest. Von den Unternehmen, die quantitative Kohlenstoffreduktionsziele definiert haben, hatten nur 46 Prozent Ziele, die ihre gesamte vor- und nachgelagerte Lieferkette abdecken, wobei viele von ihnen nur vage definiert waren. Auch bei den wissenschaftsbasierten Zielen enthalten viele Verpflichtungen zu den so genannten vor- und nachgelagerten Emissionen des Bereichs 3 lediglich die Verpflichtung, diese zu messen und zu reduzieren, ohne jedoch ein spezifisches Ziel festzulegen. [1].

Bestimmte Branchen innerhalb des Indexes bewegen sich schneller auf das Pariser Abkommen zu als andere. Der Energiesektor, einschließlich der Öl- und Gasunternehmen, bleibt ein klarer Nachzügler. Wir schätzen, dass der Sektor auf eine Erwärmung von etwa 3,7 °C ausgerichtet ist, da die Unternehmen noch immer nicht schnell genug auf weniger kohlenstoffintensive Energieformen, einschließlich erneuerbarer Energien, umstellen. Trotz der ehrgeizigen Zugeständnisse einiger großer Namen in diesem Sektor stützen sich die Verpflichtungen oft auf unwahrscheinliche Mengen an Kohlenstoffkompensationen, es fehlen Zwischenziele, oder sie decken nur einen Teil der Märkte eines Unternehmens ab. Einige Unternehmen sind näher dran als andere, aber keines hat sich vollständig angepasst.

Andere Wirtschaftszweige bewegen sich schneller. Wir schätzen zum Beispiel, dass die durchschnittliche Angleichung des Automobilsektors jetzt bei fast 2,1°C liegt. Während der Industriezweig anfangs nur langsam vorankam, haben die Automobilhersteller in letzter Zeit begonnen, sich ehrgeizigere Ziele für den Übergang zu Elektrofahrzeugen zu setzen. In der Branche hat sich bereits eine Reihe von Vorreitern herauskristallisiert. Auch wenn die Verpflichtungen des gesamten Sektors noch nicht übereinstimmen, erwarten wir, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird, da die Unternehmen ihre Investitionen in die Elektromobilität weiter erhöhen.

In anderen Branchen ist noch ein tiefgreifendes Umdenken erforderlich. In Wirtschaftszweigen wie Lebensmittel, Haushaltswaren und Körperpflegeprodukte haben Unternehmen begonnen, sich zur Reduzierung ihrer direkten und energiebedingten Emissionen zu verpflichten. Diese Ausstöße sind oft vergleichsweise gering, so dass einige dieser Sektoren traditionell als „kohlenstoffarm“ gelten. Aufgrund des hohen Anteils an Emissionen in der Lieferkette sind diese Bereiche jedoch oft alles andere als klimafreundlich. So muss ein Lebensmittelunternehmen nicht nur seine eigenen Werte senken, sondern auch überdenken, ob eine Umstellung seines Produktmixes erforderlich ist, um die Emissionen aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Unter Berücksichtigung der Emissionen aus der Lieferkette sind diese Bereiche immer noch auf eine Erwärmung von 3,0 bis 3,3°C eingestellt.

Autor Dr. Thomas Höhne-Sparborth ist Head of Sustainability Research bei Lombard Odier.


[1] Scope 1, 2 and 3 emissions are broadly defined as follows:

•    Scope 1: comprises all emissions directly under the control of a company itself, and are typically linked to emissions from their own buildings, facilities and vehicles 
•    Scope 2: consists of emissions caused by the generation of power, heat, steam and cooling purchased by a company from third parties
•    Scope 3: emissions linked to the wider supply chain and lifecycle of a company’s products and services. 

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