Megatrend ESG: Ab ins Grüne

Foto: BNP Paribas
Ulrik Fugmann, BNP Paribas, managt einen Long/Short-Fonds mit Nachhaltigkeitsansatz.

Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Anleger können am Megatrend Nachhaltigkeit teilhaben. Denn ethisch-ökologische Investments bedeuten keinen Renditeverzicht, sondern schneiden häufig besser ab als traditionelle Anlagen.

Deutschland hat gewählt – aber nicht entschieden. Parteiübergreifend klar scheint indes zumindest ein Ziel: die Klimaneutralität. Der öffentliche Finanzbedarf, um die Republik bis 2045 klimaneutral zu machen, beläuft sich allein bis zum Jahr 2030 auf rund 460 Milliarden Euro. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die die Denkfabrik Agora Energiewende und die Universität Mannheim im Auftrag des Forum New Economy erstellt hat.

Experten halten es vor diesem Hintergrund zunehmend wichtiger, Nachhaltigkeitsaspekte in allen Wirtschaftsbereichen umzusetzen. Christian Zimmermann etwa, Manager des Amundi Fund Global Ecology ESG, beobachtet ein „grundlegendes Interesse in der Bevölkerung am Thema Nachhaltigkeit“ und damit auch ein stetiges Wachstum der Nachfrage nach ESG-konformen Produkten.

Laut Fondsverband BVI haben deutsche Sparer zur Jahresmitte gut 360 Milliarden Euro in ESG-Fonds investiert. Das mittlerweile fast omnipräsente Akronym ESG steht für Environment, Social und Governance, zu deutsch Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

„Getrieben von den Regulierungen, der Politik, aber auch den Anlegern und den Unternehmen selbst entsteht ein Rückenwind, der das Thema Nachhaltigkeit zum Mainstream werden lässt“, blickt auch Henning Padberg, Portfoliomanager bei Nordea Asset Management, in die Zukunft. Viele nachhaltige Lösungen würden zunehmend wirtschaftlich sinnvoll, indem Unternehmen Ressourcen sparen, Amortisationszeiten verkürzen, oder ihre CO2-Bilanz senken. Anja Combrink-Birkholz, Head of Wholesale Germany & Austria bei Lombard Odier IM, sieht die Politik zwar auch als treibende Kraft des Wandels, aber nicht als einzige. „Die Marktkräfte sorgen für eine rasche Senkung der Kosten für umweltfreundliche Technologien, die Vorlieben der Verbraucher ändern sich, und die Investoren erkennen die Notwendigkeit von Veränderungen, um ihre Portfolios gegen Kohlenstoffrisiken abzusichern.“

„Wir stehen vor einer grünen Revolution“

Aus einer ganz anderen Perspektive blickt Manfred Schlumberger auf dieses Thema hat: „Viele naiv-fundamentalistische ESG-Anhänger boykottieren diese Unternehmen, obgleich sie entscheidend für das Gelingen des Umbruchs zu klimafreundlicheren Lösungen sind“, beobachtet der für seine pointierte Argumentation bekannte Leiter Portfoliomanagement von StarCapital.

Doch die Pariser Klimaziele könnten nur erreicht werden, wenn der Umbau der CO2-intensiven Branchen angegangen werde, weil dort der Hebel zum CO2-Abbau am größten sei. Die Konsequenz für den langjährigen Marktkenner: „Deshalb investieren wir auch in Energie- und Grundstoffunternehmen, die den Weg zu mehr Nachhaltigkeit in ihrem Produktionsprozess und ihrer Unternehmenspolitik beschreiten – vorausgesetzt sie verstoßen nicht gegen anerkannte globale Normen und Prinzipien wie sie unter anderem in der Global Compact-Richtlinie der Vereinten Nation festgelegt sind.“

Anleger können an dieser Entwicklung teilhaben. „Die Nachfrage nach nachhaltigen Investments bleibt hoch“, prognostiziert Hans Slob, Senior Portfolio Manager bei NN Investment Partners. Daten von Morningstar zufolge erreichte das weltweite Volumen nachhaltiger Investmentfonds im zweiten Quartal 2021 ein neues Rekordhoch. Fonds, die sich auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) konzentrieren, verzeichneten im fünften Quartal in Folge einen Anstieg ihres Gesamtvermögens auf 2,3 Billionen US-Dollar – ein Plus von zwölf Prozent gegenüber Ende März. „In zehn Jahren werden grüne und nachhaltige Finanzierungen ein Kernbestandteil der Geschäftsstrategie von Finanzdienstleistern sein“, glaubt Slob.

Wie eine Metastudie der Universität auf Basis von mehr als 2000 ausgewerteten Studien zeigt, schneiden nachhaltige Finanzprodukte meist besser ab als der übrige Markt. „Wir stehen vor einer grünen Revolution, von der wir glauben, dass sie das Ausmaß der industriellen Revolution und die Geschwindigkeit der digitalen Revolution haben wird“, meint Alexis Deladerriere, Leiter International Developed Markets Equity bei Goldman Sachs Asset Management – „mit Möglichkeiten, sowohl attraktive Renditen zu erwirtschaften als auch einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu erzielen.“

Öko-Investment mit marktneutralem Ansatz

Wer angesichts der immensen Auswahl an Einzeltiteln vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, sollte sein Erspartes in die Hände von Profis legen. Neben einer ganzen Reihe von börsengehandelten Indexfonds, kurz ETFs, sind aktiv gemanagte Anlagepools ein probates Mittel. Der NN Global Sustainable Equity hat seit seiner Auflage im Juli 2000 seinen Vergleichsindex übertroffen. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre lag das Plus bei 19,5 Prozent – gegenüber 13,5 Prozent beim MSCI World (Net).

Für Co-Portfoliomanager Hans Slob steht bei der Auswahl der Einzeltitel neben der hohen Rendite auf das investierte Kapital über den gesamten Anlagezyklus auch ein überdurchschnittliches Vermögenswachstum und ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil in der Wertschöpfungskette im Vordergrund. Die drei größten Positionen waren zuletzt neben den beiden US-amerikanischen Tech-Giganten Microsoft und Alphabet auch die weithin bekannte Software-Firma Adobe.

Einen Long/Short-Fonds mit Nachhaltigkeitsansatz bietet BNP Paribas mit dem Environmental Absolute Return Thematic Equity, kurz Earth. Der weltweit investierende Aktienfonds setzt auf einen marktneutralen Ansatz. Short-Positionen werden eingesetzt, um das Marktrisiko abzusichern und einen zusätzlichen Performance-Trigger durch ein Engagement in Aktien von Unternehmen mit Übergangsrisiken, gestrandeten Vermögenswerten und/oder unterlegenen Technologien zu erzielen.

Das Anlageuniversum des Earth-Fonds besteht aus bis zu 45 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern, die in der Regel mit mehr als einer Milliarde Dollar kapitalisiert sind und jeweils eines oder mehrere der umweltbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der Vereinten Nationen erfüllen.

Derzeit werden acht der 17 SDG-Ziele der Vereinten Nationen berücksichtigt. Co-Manager Ulrik Fugmann strebt mittelfristig eine jährliche Nettorendite von durchschnittlich neun bis zwölf Prozent an. Seit Auflegung im Juli vergangenen Jahres legte der Earth-Fonds um 33 Prozent zu, wobei der Verlust von gut sieben Prozent seit Jahresbeginn berücksichtigt ist. Am höchsten gewichtet waren im September der Brennstoffzellenproduzent Plug Power und der Anbieter von Solar- und Energiespeicherdienstleistungen Sunnova Energy.

„Erträge mit Verantwortung generieren“, lautet das Motto bei Nordea Asset Management. Der Vermögensverwalter mit Hauptsitz im Helsinki hat bereits im Jahr 1988 den ersten Fonds aufgelegt, der auf ESG Kriterien aufbaut. Der Anfang Juli aufgelegte Nordea 1 – Global Climate and Social Impact Fund investiert rund 62 Prozent seiner Mittel in den USA. Am höchsten gewichtet sind die beiden Entsorgungsunternehmen Republic Services und Waste Management. Die Strategie wird von Thomas Sørensen und Henning Padberg verwaltet, die bereits den Nordea 1 – Global Climate and Environment Fund steuerten, der Ende Februar 2021 einem Soft Close unterzogen wurde.

“Wir unterstützen Marktlösungen, die dazu beitragen, mehr Menschen auf der Welt zu ermöglichen, sich selbst zu versorgen oder die vorhandene Ressourcenbasis zu optimieren und die Effizienz zu steigern sowie gleichzeitig das Klima und die Natur zu schützen“, unterstreicht Fondsmanager Henning Padberg. Das Investmentteam steht in regelmäßigem Kontakt mit den Portfolio-Unternehmen. „Wir ergänzen unsere Abstimmungsaktivitäten durch thematische Engagements zu Klima, Menschenrechte, verantwortungsvolle Regierungsführung, Wasser und Biodiversität, die die positiven Auswirkungen des Unternehmens auf die reale Welt verstärken“, so Padberg.

Bestnoten vom Fachverband

Ein weiterer in Skandinavien beheimateter Nachhaltigkeitspionier ist DNB Asset Management. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft des größten norwegischen Finanzkonzerns DNB ASA hat die ESG-Grundsätze mit Gründung der ersten “grünen” Strategie im Jahr 1989 übernommen und ist seit 2006 Unterzeichner der ‚Principles for Responsible Investment‘ der Vereinten Nationen. Mit dem DNB Renewable Energy-Fonds setzen Anleger langfristig auf Unternehmen, die einen Beitrag zur Energiewende leisten können. Der Fachverband Forum für Nachhaltige Geldanlagen hat den Anlagepool zuletzt drei Mal in Folge mit der bestmöglichen Bewertung von drei Sternen des FNG-Siegels ausgezeichnet. In die Vorauswahl kommen Aktiengesellschaften, die sich in Sachen Umwelt engagieren. Weitere wichtige Qualifizierungsmerkmale sind eine gute Unternehmenskultur und möglichst nachhaltige Produkte für den Kunden.

Erfüllt eine Firma all diese Kriterien, hat es nach Ansicht von Fondsmanager Christian Rom einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil – was auch viele Talente und letztlich auch Kunden anziehe. „Diese Aktien werden im Laufe der Zeit für Investoren interessanter und langfristig zu Gewinnern, an denen man im Portfolio festhalten sollte“, ist Rom überzeugt. DNB ist mit dieser Strategie auf Sicht der vergangenen zwölf Monate, in denen die Benchmark deutlich übertreffen wurde, sehr gut gefahren. Auf Sicht von fünf und zehn Jahren liegt die jährliche Rendite des DNB Renewable Energy indes knapp unter dem Vergleichsindex WilderHill New Energy Global Innovation.

Sein 35-jähriges Jubiläum feiert in diesem Jahr der 1,8 Milliarden Euro schwere Ethik-Fonds aus dem Hause Amundi. Der französische Finanzkonzern zählt eigenen Angaben zufolge zu den führenden Vermögensverwaltern Europas. Knapp zwei Drittel der Anlagegelder investiert der leitende Portfoliomanager Jörg Moshuber in Anleihen mit Investment Grade Rating, knapp 30 Prozent entfallen auf Aktien, während rund acht Prozent am Geldmarkt geparkt sind. Öl und Kohle sind tabu. In Zweifelsfällen entscheidet ein 40-köpfiges ESG-Komitee, ob eine Aktie oder Anleihe aus dem Fonds entfernt wird. Das stark auf die USA zentrierte Portfolio wurde zuletzt von Microsoft, Eli Lilly und First Solar angeführt.

Moshubers Credo: „Mit Blick auf die aktuell geführte Diskussion scheint es mir insgesamt klüger, Unternehmen mit Kapital zu unterstützen, die in ihrer Geschäftsplanung ganz klar Veränderungsschritte hin zu mehr ESG aufweisen, als ausschließlich in eine ‚Nachhaltigkeits-Elite‘ zu investieren, bei der kaum noch Verbesserungen möglich sind.“

Einer der erfolgreichsten und überzeugendsten Fonds, der sich bereits seit 2007 und damit vor allen Wettbewerbern mit dem kommenden Klimawandel auseinandergesetzt hat, ist der Ökoworld Klima. Der Fonds wurde jüngst mit dem Financial Advisors Award in der Kategorie „Nachhaltige Investmentfonds“ ausgezeichnet. Fondsmanager Alexander Funk gewährt im Interview ab Seite 62 Einblicke in die Erfolgsstrategie des Fonds.

Autor Christian Euler ist Buchautor und Wirtschaftsjournalist.

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