US-Infrastrukturpaket: Stimulus mit begrenzter Wirkung

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US-Präsident Joe Biden

Der amerikanische Präsident Joe Biden hat seinen „American Rescue Plan“ genehmigt bekommen und sorgte dadurch für vielfältige Spekulationen am Aktienmarkt. Möglich wurde das nur durch die „Budget Reconciliation“, welche die notwendige Stimmenanzahl im Senat bei bestimmten, den Haushalt betreffenden Entscheidungen von 60 Stimmen auf eine einfache Mehrheit reduziert. Doch dieses Prinzip darf nur einmal pro Fiskaljahr angewendet werden – laut Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments, sollte dies den legislativen Stillstand für die kommende Zeit tendenziell erhöhen.

Grüner ergänzt, dass Joe Biden sogar noch einen Schritt weiter gehe und ein Infrastrukturpaket in Höhe von 2,3 Billionen US-Dollar plane. Doch sprächen viele Argumente dafür, dass die Auswirkungen des Gesetzesvorhabens tendenziell überschätzt würden. Viele der angedachten Maßnahmen für Brücken, Schienen oder grüne Energie würden wahrscheinlich nie durchgeführt oder über viele Jahre umgesetzt.

So sei das Programm auf acht Jahre angelegt, eine Zeit, in welcher durch Zwischen- und Präsidentschaftswahlen noch mehrfach die Mehrheiten wechseln könnten. Grüner würde es nicht überraschen, wenn Haushaltspläne und Infrastrukturprogramme anhand wechselnder politischer Mehrheiten in den kommenden Jahren noch vielen Änderungen unterlägen. Zusätzlich mangele es häufig an umsetzbaren Projekten, sodass schon in der Vergangenheit nicht die Finanzierung, sondern die notwendigen Genehmigungen für konkrete Infrastrukturprojekte das maßgebliche Problem dargestellt hätten.

In Anbetracht dieser immensen Summen ergäben sich laut Grüner dennoch Fragen: Werde nun das Wachstum über Jahre hinweg explodieren? Drohe eine nicht mehr zu kontrollierende Inflation? Und was passiere mit der amerikanischen Staatsverschuldung?

Starkes Wachstum oder Inflation voraus?

„Aktien reagierten auf die angekündigten Maßnahmen. Insbesondere Unternehmen, die von einem starken Wirtschaftswachstum profitieren würden, stiegen an. Rohstoffpreise erhöhten sich. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die kommende Zeit nicht dauerhaft von exorbitantem Wachstum geprägt sein wird“, sagt Grüner. Schaue man sich alle 16 US-Konjunkturpakete seit 1970 an, so sei das Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt im folgenden Jahr lediglich um 0,3 Prozent angestiegen. „So sollte auch das bereits beschlossene Hilfsprogramm wirken, besteht es doch tendenziell vor allem aus überbrückenden Maßnahmen. Kredite für kleine Unternehmen, eine erweiterte Arbeitslosenversicherung und Direktzahlungen schaffen kein Wachstum, sondern ersetzen ausgefallene Zahlungen. Wachstums-Boom? Aus unserer Sicht überschätzt“, konstatiert Grüner.  

Auch eine ausufernde und dauerhafte Inflation halte er für unwahrscheinlich. „Zwar ist die Geldmenge global stark angestiegen, die Geldumlaufgeschwindigkeit ist jedoch historisch niedrig“, so Grüner. Laut Umfragen der New York Federal Reserve flössen von den Direktzahlungen an US-Amerikaner im Durchschnitt lediglich 26,5 Prozent in den Konsum. Während 38,4 Prozent gespart worden seien, dienten 35,2 Prozent zur Bedienung von Schulden. „Ein solches Verhalten erhöht zwar den Konsum, jedoch nicht so stark, dass die Preise exorbitant steigen“, erklärt Grüner.

Fazit

Grüner stellt fest: „Die Stimmung an den Aktienmärkten ist im Optimismus angekommen. Dass große Stimulus-Programme jedoch weiterhin auch Sorgen bezüglich einer drohenden Inflation hervorrufen, verrät, dass die Mauer der Angst noch nicht vollständig überwunden ist. Eine gefährliche Euphorie sieht zumindest anders aus.“ 

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