So geht es nach der Musk-Ankündigung für die Twitter-Aktionäre weiter

Das Twitter Logo und das Bild vom Twitter-Account von Elon Musk
Foto: Shutterstock

Die Ankündigung von Elon Musk, den Nachrichtendienst Twitter zu übernehmen, wirft viele Fragen auf. Was ist jetzt der beste Schachzug für Aktionäre? Sollten sie halten oder gleich abstoßen? Kann der Deal noch platzen? Was passiert mit der Tesla-Aktie?

Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer würde etwa drei Millionen Jahre brauchen, um ein Vermögen wie Elon Musk anzusammeln – so eine Analyse des Portals moneytransfers.com. Mit 241,84 Milliarden Euro kann sich der Tesla-CEO vieles leisten – sogar eine große Social Media Plattform.

Elon Musk hat vor kurzem angekündigt, dass er für 44 Milliarden Dollar den Kurznachrichtendienst Twitter übernehmen will. Zudem plant er, Twitter von der Börse zu nehmen und unterbreitet den Aktionären ein Angebot von 54,20 Dollar pro Aktie. Der mögliche Deal wirft viele Fragen auf.

Warum nimmt er Twitter von der Börse?

Elon Musk hat bereits Erfahrungen mit seinem börsennotierten Unternehmen Tesla gesammelt, wo er permanent unter Dauerfeuer steht. Es ist kein Geheimnis, dass Analystenkonferenzen nicht zu Musks Lieblingsveranstaltungen zählen. Vor allem in den Zeiten als Tesla nicht so gut dastand wie heute. Seine anderen Unternehmen wie beispielsweise SpaceX sind dagegen nicht an der Börse notiert. „An der Börse sind Unternehmen ja hauptsächlich, weil sie expandieren möchten und dafür Kapital benötigen“, erläutert Baki Irmak, CIO und Gründer von Pyfore Capital/The Digital Leaders Fund. Derzeit scheint Elon Musk der Meinung zu sein, dass dafür bei Twitter keine Notwendigkeit besteht.

Kann der Deal noch platzen?

Der Twitter-Vorstand hat dem Angebot bereits zugestimmt. Jetzt kommt es noch auf die Aktionäre an – neben Großaktionären hat Twitter auch Streubesitz. Werden die Aktieninhaber das Angebot annehmen? Der saudische Prinz Alwaleed bin Talal – einer der größten Anteilseigner – hat bereits öffentlich eine Absage erteilt. Es gibt aber natürlich auch Großaktionäre, die das Bord massiv unter Druck setzen, weil sie den Deal durchsetzen wollen – dazu gehört eben auch Jack Dorsey der Mitgründer von Twitter, der sich bisher nur positiv zu der bevorstehenden Übernahme geäußert hat.

Es gibt eine Termination-Fee, das heißt wenn Twitter doch Abstand von dem Deal nehmen sollte, ist das Unternehmen verpflichtet, Elon Musk 2,5 Prozent auf die Akquisitionssumme zurückzuzahlen – also eine Milliarde. Falls Elon Musk sich zurückzieht, geht Twitter leer aus. Baki Irmak geht davon aus, dass noch einige Monate ins Land gehen werden, bevor sich die Parteien über alle Details einige werden. Das bedeutet für die Aktionäre, dass sie ebenfalls noch warten müssen bis sie ihr Geld bekommen.

Es stellt sich laut Irmak die Frage, ob Musk selbst genug Eigenkapital hat oder es vielleicht doch noch Mitinteressenten gibt, die den Deal mit ihm gemeinsam stemmen. Immerhin hat sich zum Beispiel Springer-CEO Matthias Döpfner erst vor einigen Wochen mit Elon Musk getroffen.

Was sollen die Aktionäre tun: Halten, sofort verkaufen oder das Angebot annehmen?

Jeder Aktionär muss sich jetzt die Entscheidung treffen, ob er das Angebot von 54,20 Dollar pro Anteilschein annehmen möchte und mit einem Plus von etwa zehn Prozent aus dem Ganzen herausgeht. Laut Baki Irmak birgt das Risiken. Zum einen ist das Angebot noch nicht hundertprozentig sicher und zum anderen besteht nach wie vor die Gefahr, dass der Deal einfach platzt und die Aktie dann wahrscheinlich um etwa 50 Prozent fällt, wie Irmak schätzt. „Es gibt einfach eine Reihe von Dingen, die noch passieren können und da muss ich mir als Anteilseigner überlegen: Will ich jetzt wirklich die letzten zehn Prozent Gewinn noch abwarten oder verabschiede ich mich, freue mich über meinen Kurssprung und gucke mir das ganze von außen an“, sagt Irmak.

Es sei nicht abzusehen, dass noch jemand ein höheres Angebot abgibt. „Ich habe Twitter in meinem Fonds mit 3,5 Prozent. Nach dem Übernahmeangebot durch Musk ist Twitter zunächst auf 52 hoch, dann aber wieder gefallen. Ich habe dann zu Kursen von etwa 51 meine gesamten Anteile wieder verkauft. Der Grund ist, dass ich keine Upsite mehr sehe. Es wird jetzt kein alternatives, besseres Angebot mehr kommen.“ Es gäbe sicherlich mögliche Interessenten für Twitter. „Twitter ist ein super spannendes Unternehmen, aber auch eine Hausnummer.“

Mit der Übernahmen von Twitter stellt sich jeder Inhaber sofort ins Auge des Tornados der Diskussion um Meinungsfreiheit und Hate Speech. Genau die Probleme, die Musk als Beweggründe für seine Offerte angibt. Diesem Druck muss man sich aussetzen können – Elon Musk scheint diese öffentliche Auseinandersetzung sogar anzutreiben.

Musk muss bewusst sein, dass er seinem Hauptunternehmen Tesla durch die Übernahme Schaden zufügen kann. Wie Jeff Bezos scherzhaft in einem Tweet gefragt hat: „Hat die chinesische Regierung gerade Einfluss auf Twitter erlangt?“ Im vergangenen Jahr hat Tesla 473.078 in China produzierte Fahrzeuge verkauft. Diese Abhängigkeit von China könnte Musk bei Twitter im Wege stehen. Denn was passiert, wenn der chinesische Staatschef Xi Jinping auf Twitter nicht mehr als Winnie Puh bezeichnet werden will und Druck auf Musk ausübt?

Wird sich Elon Musk weiterhin der öffentlichen Diskussion zu stellen – wenn er merkt, dass sich das auf die Tesla-Aktie auswirken kann? Die Tesla-Aktien dienen Musk als Colaterals, also Sicherheiten, für die Finanzierung des Twitter-Deals. „Wenn es bei Tesla zu einem Kursverfall wie zuletzt bei Netflix kommen würde, ist die ganz Finanzierung der Übernahme in Gefahr“, so Irmak.

Quo vadis Twitter?

Musk hat bislang vor allem die Wiederherstellung der Meinungsfreiheit auf Twitter als Grund für seine Offerte herausgestellt. Doch wie Irmak analysiert, ist Musk kein Robin Hood der Redefreiheit. „Er verfolgt ganz klare kaufmännische Interessen.“ Twitter eigne sich nicht so gut als reinrassige Marketing-Plattform wie andere Social-Media-Portale.

Irmak geht davon aus, dass Musk eher auf Subscription-Lösungen, also Bezahlmodelle setzen wird. „Es gibt viele Features die Twitter gegen eine monatliche Bezahlung einführen könnte. Es gibt viele Power-Twitter-Nutzer, die das sofort machen würden. Ich gehöre auch dazu. Musk kann die Einnahmen abseits des klassischen Marketings dramatisch erhöhen“, sagt Irmak. Die Experten warten nun mit Spannung auf die Twitter-Zahlen, die in dieser Woche veröffentlicht werden sollen.

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