Brisante Mischung: hohe Inflation, steigende Zinssätze und geopolitische Risiken

Ukrainische und russische Flaggen und Euroscheine im Feuer
Foto: Shutterstock
Die Risiken für die Finanzmärkte steigen weiter.

Europäischen Aktienanleger agieren in zunehmend kürzeren Zeithorizonten. Denn makroökonomischer Gegenwind, eine ansteigende Inflation und die Frage der Energieversorgungssicherheit tragen dazu bei, dass die kurz- und mittelfristige Unsicherheit größer ist als üblich. Aber es finden sich auch Chancen: es lohnt, sich an dauerhafteren Trends sowie an qualitativ hochwertigeren Geschäftsmodellen zu orientieren.

Geir Lode, Leiter des Bereichs Global Equities bei Federated Hermes Limited:

„Diese Woche werden mehrere makroökonomische Daten erwartet, wobei die US-Arbeitslosenzahlen am heutigen Freitag die wichtigsten sind. In Jackson Hole ließ Fed-Präsident Jerome Powell keinen Zweifel daran, dass die US-Zentralbank alles Notwendige tun wird, um die Inflation zu begrenzen. Es ist nun klar, dass die Zinsen im September steigen werden, sollte der Arbeitsmarkt robust bleiben.

Der letzte US-Arbeitsmarktbericht zeigte einen Zuwachs von 528.000 neuen Arbeitsplätzen im Juli, was angesichts der extrem angespannten Arbeitsmarktlage höher als erwartet war. Für August wird mit einem Zuwachs von etwa 300.000 gerechnet, und der Lohndruck ist nach wie vor hoch. Dies gibt der US-Notenbank Spielraum für eine Anhebung der Zinssätze, ohne sich allzu große Sorgen um die Gesamtwirtschaft machen zu müssen. Infolgedessen wird am Markt ein dreifacher Zinssatz von 75 Basispunkten erwartet.

Zugleich wurde die gängige Auffassung über das Wechselkursmanagement auf den Kopf gestellt. Ursprünglich zogen die meisten Länder eine relativ schwache Währung vor, um das Exportwachstum und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Doch da die Zentralbanken nun überall die Inflation als vorrangiges Ziel bekämpfen, werden die Vorteile einer stärkeren Währung sehr viel mehr geschätzt. 

In diesem globalen Umfeld einer weit verbreiteten Inflation, steigender Zinssätze und erhöhter geopolitischer Risiken hat sich der US-Dollar als Gewinner herausgestellt. Obwohl die US-Aktienmärkte volatil waren, finden versierte Anleger gut verwaltete Large- und Mid-Cap-Value-Aktien mit starken Bilanzen und hohen US-Umsätzen attraktiv.“

James Rutherford, Leiter des Bereichs europäische Aktien bei Federated Hermes Limited:

„Wir stellen fest, dass sich die Zeithorizonte der europäischen Aktienanleger verkürzen. Makroökonomischer Gegenwind, Inflation und die Frage der Energieversorgungssicherheit tragen dazu bei, dass die kurz- und mittelfristige Unsicherheit größer ist als üblich. Selbst wenn Unternehmen gute Ergebnisse vorlegen und halbwegs positive Prognosen abgeben, sind Anleger nicht bereit, diese Prognosen mit einem hohen Multiplikator zu bewerten. Andererseits werden Unternehmen, die vorsichtige Prognosen und zurückhaltende Einschätzungen abgeben, von den Anlegern stärker honoriert als in anderen Marktsituationen. 

Es existiert ein instinktiver Impuls der Anleger, erst dann zu kaufen, wenn die Einschätzungen gesenkt werden und die Unternehmen einen kathartischen Fehlschlag bei den Ergebnissen vermelden. Wir sind der Ansicht, dass es jetzt eine größere Chance als sonst gibt, den Zeithorizont zu verlängern und sich an dauerhafteren Trends sowie an qualitativ hochwertigeren Geschäftsmodellen zu orientieren.“

Die hier vertretenen Ansichten und Meinungen sind die des Verfassers. Sie decken sich nicht zwangsläufig mit den in anderen Mitteilungen ausgedrückten oder wiedergegebenen Ansichten. Diese Mitteilung ist weder eine Aufforderung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf der darin erwähnten Wertpapiere oder Finanzinstrumente.

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