Und ewig lockt das Gold

Goldinvestoren strahlen: Nicht nur das Krisenjahr 2008 bescherte ihnen Gewinne. Inzwischen geht es mit dem gelben Edelmetall seit acht Jahren steil nach oben. 2009 hat der Höhenflug ungeahnte Sphären erreicht. Inflationsängste beflügeln den Kurs weiter.

goldschatz

Text: Hannes Breustedt

Schon in der Bibel heißt es: „Ich rate dir, dass du Gold kaufest“ – was Jesus dem Volk von Sardes bereits im dritten Kapitel der Offenbarung des heiligen Johannes nahe legte, ist als Anlagetipp wieder einmal hochaktuell.

Glänzende Alternative

Das Vertrauen in die ungedeckten Papierwährungen ist angeknackst – die Notenbanken halten die Geldschleusen weiterhin sperrangelweit geöffnet – die Geschäftsbanken horten Mittel. Inflation wird spätestens zum Thema, wenn die Konjunktur anzieht und die Gelder wieder fließen, so die Befürchtung vieler Investoren. Dass die Währungshüter vermögen, die Liquiditätsschwemme ohne Preisauftrieb aus den Märkten zu ziehen, wird bezweifelt.

Da kommt verunsicherten Investoren das gelbe Edelmetall als Alternative zu Aktien oder Anleihen gerade recht. Trotz historischer Höchststände heißt das Motto der Stunde: Ab ins Gold. Besonders börsennotierte Indexprodukte, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), oder auch ETCs (Exchange Traded Commodities), die physisch hinterlegt sind, profitieren von dem Run: Der SPDR Gold Trust, Marktführer im ETF-Segment, hält mit über 1.100 Tonnen inzwischen mehr Gold als die Notenbanken von China, Russland, Japan, der Schweiz oder die EZB. Auch die Nachfrage nach Münzen und Barren ist weiter ungebrochen.

Inflation hält Anleger im Markt

Dass der Goldpreis in diesem Jahr, einem intakten Aufwärtstrend folgend, zunächst die magische 1.000-US-Dollar-Marke knackte und später die symbolträchtigen Hürden von 1.100 und 1.200 US-Dollar nahm, erscheint als Konsequenz der gestiegenen Investmentnachfrage auf den ersten Blick logisch.

Allerdings entfällt knapp 70 Prozent der Gesamtnachfrage im Goldmarkt auf die Schmuckindustrie. Der Elektronikbereich macht weitere 13 Prozent aus. Beide Segmente leiden unter der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Indien, das für fast ein Viertel der weltweiten Schmucknachfrage verantwortlich ist, entpuppt sich – abgesehen von einem 200-Tonnen-Kauf der Zentralbank Anfang November – als Ausfall, ähnlich wie der Nahe Osten.

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