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29. November 2010, 16:51
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Mainstream-Ökonomie im Elchtest

Norbert Häring, ehemaliger Commerzbank-Volkswirt, den es in den Finanzjournalismus zog, wo er nach Stationen bei der Börsenzeitung und der Financial Times Deutschland aktuell für das Handelsblatt berichtet, zerlegt in gewissenhafter Kleinstarbeit die Machtstrukturen der Marktwirtschaft.

Cover-H Ring-202x300 in Mainstream-Ökonomie im ElchtestHerausgekommen ist eine entlarvende Kritik der Lehrbuchökonomie, die aufzeigt, wie kläglich die gängigen Modelle der Wissenschaft daran scheitern, zu erfassen, wo Marktkräfte zu wirken aufhören und Machtmissbrauch anfängt.

Die Konsequenz dieser Blindheit gegenüber dem Einfluss von Einzelinteressen, die dem Allgemeinwohl entgegenstehen, ist nach Härings Analyse ein Wirtschaftssystem, das unter Seilschaften, Lobbytum und falschen Anreizstrukturen leidet. Der Autor führt anhand von aktuellen Erkenntnissen aus der kritischen Wirtschaftsforschung den Nachweis, dass etliche etablierte Weisheiten der neoklassischen Lehre Fehlschlüsse, wenn nicht gar völliger Nonsens sind. Zwar sind viele Kritikpunkte nicht unbedingt neu, Härings Verdienst ist es aber, sie endlich mal gründlich auf der Sachebene auseinanderzunehmen und vor allem klarzumachen, wer von den ökonomischen Sehschwächen eigentlich profitiert.

Der Weg durch die Abgründe „ökonomischer Vernunft“ startet aus aktuellem Anlass im Finanzsektor und führt über die durch irrsinnige ökonomische Modelle legitimierten Gehaltsexzesse bei der Managervergütung zu den Absurditäten in der Arbeitsmarkttheorie und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.

Trotz der durchaus gegebenen Brisanz seines Themas verfällt Häring zu keinem Zeitpunkt dem Lockruf der Polemik. Anders als zahlreiche andere Mainstream-Kritiker spart er sich angenehmerweise schrillen Alarmismus und lässt die Moralkeule stecken. Das mag daran liegen, dass der Autor keinen ideologischen Feldzug gegen die freie Marktwirtschaft als solche führt, im Gegenteil endet sein Buch mit einem Plädoyer für deren Vorzüge.

Cash.-Fazit: In „Markt und Macht“ wurde mit Liebe zum Detail auf der Mikro-Ebene aufgeräumt, statt sich abstrakt am großen Ganzen auszutoben. Das verdient nicht nur Respekt, sondern auch eine uneingeschränkte Leseempfehlung. (hb)

Norbert Häring: Markt und Macht, Schäffer-Poeschel-Verlag, 292 Seiten; 19,95 Euro, ISBN 978-3791029863

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