Die chinesische Gefahr

Psychologie spielt eine große Rolle. Insofern sind vor allem die vielfach fast hysterischen Medienreaktionen Besorgnis erregend. Dabei geht es nicht nur darum, dass es jeder noch so unbekannte Schwarzmaler auch in seriöse Medien zu schaffen scheint, wenn er nur eine möglichst steile These vertritt. Vielmehr beteiligen sich auch Absender mit Gewicht daran.

So ging ein Bericht durch fast alle relevanten Medien, wonach die Ratingagentur Standard & Poor’s über „erhebliche Risiken für den chinesischen Finanzsektor“ und die „Gefahr zunehmender Unternehmensinsolvenzen“ schwadronierte. Solche Vorhersagen bergen auch die Gefahr, dass sie sich dadurch selbst erfüllen können, dass gerade deshalb viele Akteure zögerlich werden und nur noch das Negative wahrnehmen.

Das gilt erst recht, wenn sie ihre Erwartungen nicht nur auf China selbst beziehen, sondern gleich eine weltweite Rezession oder den kompletten Zusammenbruch befürchten, wenn der dortige Wachstumsmotor etwas stottert. Offenbar erwartet der Rest Welt nicht, seine Wirtschaft aus eigener Stärke aufrecht erhalten oder gar Wachstum generieren zu können. Das wäre in der Tat düster.

Gefahr in den Köpfen

Keine Frage: China hat große Bedeutung für die Weltkonjunktur und insbesondere in Hinblick auf den Immobilienmarkt und die Verschuldung gibt es dort einige Risiken. Doch die chinesische Gefahr könnte weniger darin liegen, was innerhalb des Landes passiert.

Viel wichtiger scheint zu sein, was der Rest der Welt daraus macht und was sich in den Köpfen abspielt. Im Augenblick jedenfalls macht es fast den Eindruck, als könne es tatsächlich einen weltweiten Abwärtsstrudel auslösen, wenn in China ein Sack Reis umfällt.

Vielleicht also gäbe es ein ganz einfaches Mittel gegen die Turbulenzen: Etwas mehr Gelassenheit. Und das nicht nur in Bezug auf China. Doch das ist wohl ein allzu frommer Wunsch.

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und beobachtet den Markt der Sachwertanlagen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst insgesamt schon seit 25 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.

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