Comeback der Value-Aktien?

Es ist noch gar nicht lange her, da erreichten Rezessionssorgen in den USA neue Höhen. Befeuert durch die Invertierung der Zinskurve in den USA oder das Abstürzen des ISM-Manufacturing Index unter eine wichtige Marke wurden Wachstumsprognosen für die größte Volkswirtschaft der Welt nach unten korrigiert. Ein Kommentar von Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock.

Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei BlackRock

Nun, im September, mehren sich jedoch Signale, wonach es um die Wirtschaft in den USA offenbar doch nicht so schlecht stehen könnte, wie noch vor wenigen Wochen gedacht – ganz im Gegenteil, denn zuletzt lagen derart viele volkswirtschaftliche Daten oberhalb der Erwartungen, dass sogenannte Surprise-Indizes auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr kletterten („Überraschungs-Indizes“ messen, ob neu veröffentlichte volkswirtschaftliche Daten vermehrt unter oder über den Erwartungen von Analysten liegen).

Ein gutes Zeichen, da derartige Indizes als recht verlässliche Vorlaufindikatoren für die tatsächliche Entwicklung von wichtigen Konjunkturdaten gelten. Gerade Indikatoren, welche die Stärke der US-Binnenkonjunktur messen, geben aktuell Anlass zur Hoffnung.

Zuletzt gehörten Zahlen zu den US-Einzelhandelsumsätzen oder aber auch zum US-Häusermarkt dazu. In Europa muss man bessere Daten bislang noch mit der Lupe suchen. Aber auch hier mehren sich zumindest die Zeichen dafür, dass die Schwäche der Industrie sich nicht auf andere Sektoren überträgt.

Im Zeichen des Klimas

Diese sich abzeichnende Aufhellung der Wirtschaftsdaten dürfte ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, dass zahlreiche stimmberechtigte Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank nach der Leitzinssenkung in der vergangenen Woche den Anlegern klar zu verstehen gegeben haben:

Weitere Zinssenkungen sind keine ausgemachte Sache und hängen sehr stark von der Datenentwicklung in den kommenden Monaten ab. Sollte sich die Datenlage weiter aufhellen, kann das Leitzinsniveau in den USA bis Weihnachten durchaus unverändert bleiben.

Im politischen Berlin stand letzte Woche alles im Zeichen des Klimas. Das von der Koalition vorgestellte Klimaprogramm 2030 stellte dabei allerdings eher Unternehmen als Klimaschützer zufrieden. Hintergrund dürfte die aus Sicht der Klimaexperten recht geringe Besteuerung von CO2 ab 2021 sein. Sie erzeuge auf absehbare Zeit keine Verhaltensänderung bei den Menschen. Dabei ist die Zeit das, was beim Kampf ums Klima am wenigsten bleibt.

Festhalten an der schwarzen Null

Obwohl die Bundesregierung den Begriff CO2-Steuer vermeidet, ist das angedachte Stufenmodell, bei dem der Preis für CO2 ab 2021 Jahr für Jahr steigt, zunächst genau das: eine Steuer, die sukzessive etwa auch zu einem Anstieg der Benzinkosten beitragen wird.

Erst später wird es in ein Zertifikatemodell überführt, das allerdings selbst perspektivisch mit derart geringen Höchstpreisen für die Emission von CO2 operieren soll, sodass ein Erreichen der Klimaziele ernsthaft gefährdet ist. Einem gerade im Ausland erwünschten spürbaren fiskalischen Impuls kommt das Klimaprogramm zudem eher nicht gleich.

 

Seite 2: Was bedeutet das für Anleger?

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