Niedrigzinsen: Deutsche verlieren seit 2011 240 Milliarden Euro an Kaufkraft

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Geschäftsbanken müssen 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Die Kosten geben immer mehr Institute weiter und berechnen Privatkunden Negativzinsen -– vor allem Neukunden.

In den letzten zehn Jahren haben Sparer in Deutschland rund 86,46 Milliarden Euro an Zinserträgen auf ihre Spareinlagen erhalten. Der Haken: Abzüglich der Inflation wird daraus ein satter Kaufkraftverlust von rund 240,13 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum (Januar 2011 bis Dezember 2021).

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Hochrechnung von Tagesgeldvergleich.net auf Basis von Daten der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Finanzportal berechnet monatlich die Entwicklung der Zinsen und Spareinlage für 19 europäische Staaten. Das Zinsradar für Deutschland findet sich unter https://www.tagesgeldvergleich.net/zinsradar/deutschland.html

Spareinlagen wachsen weiter

Bemerkenswert ist der anhaltende Anstieg der Spareinlagen bei Banken in Deutschland. Jener kletterte im Oktober 2021 um 0,28 Prozent beziehungsweise 7.257 Milliarden Euro im Vergleich zum Vormonat. Das Gesamtvolumen beträgt mittlerweile 2,607 Billionen Euro. 

In den letzten zwölf Monaten betrug der Zuwachs insgesamt rund 4,7 Prozent beziehungsweise 116,15 Milliarden Euro – damit bewegt sich der Wert wieder auf dem durchschnittlichen Jahresniveau des letzten Jahrzehnts. 

Negative Realzinsen sind nicht selten

Besonders hart trifft die Sparer momentan die steigende Inflation, die dafür sorgt, dass die durchschnittlichen Realzinsen tief im roten Bereich liegen. Im Oktober 2021 lag der Wert bei minus 4,56 Prozent und damit den zehnten Monat in Folge im negativen Bereich. 

„Prinzipiell sind negative Realzinsen gar nicht ungewöhnlich“, so Daniel Franke, Finanzexperte von Tagesgeldvergleich.net. „Wer unsere Zeitreihe seit 1967 betrachtet, findet heraus, dass die Realzinsen auf dem Sparbuch in mehr als 57 Prozent aller Monate nicht über Null lagen, sondern eher darunter.“ 

Problematisch werde es allerdings, wenn man Verbraucher dauerhaft mit Strafzinsen und negativen Realzinsen gleichzeitig konfrontiere. „Wenn sich das Konto nur noch abwärts bewegt, ist es kaum vermittelbar, dass notwendige Schritte der EZB ausbleiben.“

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