Preis-Rally an den Rohölmärkten treibt Kraftstoffpreise im Februar an

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Kritischer Blick auf die Zapfsäulen war im Februar besonders angesagt.

An den Preistafeln der deutschen Tankstellen ging es im Februar ausschließlich in eine Richtung: aufwärts. So kostete der Liter Super E10 laut der monatlichen Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes Clever Tanken im bundesweiten Schnitt 1,3896 Euro und der Liter Diesel 1,2716 Euro. Das waren jeweils rund 4 Cent pro Liter mehr als im Vormonat. Wie es weitergeht und was Autofahrer tun sollten

„Im Februar waren die Kraftstoffpreise auf einem so hohen Niveau wie zuletzt im Januar 2020. Die Entwicklung an den Zapfsäulen spiegelt damit exakt die an den Rohölmärkten wider. Denn auch hier erreichten die Preise Jahreshöchstwerte“, erklärt Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von Clever Tanken. 

Ein Barrel (159 Liter) der für Deutschland relevanten Nordseeölsorte Brent kostete im Februar zeitweise etwa 67 US-Dollar – so viel wie zuletzt im Januar 2020. Damit lag dessen Preis fast dreieinhalb Mal so hoch wie im April 2020. Die seit Jahresbeginn stark anziehenden Kraftstoffpreise sind nach den Worten von Steffen Bock jedoch nicht nur auf die hohen Ölpreise zurückzuführen, die sich nach dem Corona-bedingten, historischen Einbruch im vergangenen Jahr nun wieder anpassen. Auch die Mehrwertsteuererhöhung auf das Vor-Corona-Niveau sowie die staatliche Einführung des CO2-Preises für Verkehr und Heizen zeigen ihre Wirkungen im Portemonnaie der Autofahrer. 

Die Kraftstoffpreise im Februar

Nicht nur gegenüber dem Vormonat, auch gegenüber dem Vorjahresmonat legten die Preise zu. Super E10 kostete rund 1 Cent mehr als im Februar 2020 (1,3766 Euro) und Diesel sogar rund 4 Cent mehr als vor einem Jahr (1,2342 Euro). 

Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer im Februar durchschnittlich 333,50 Euro. Das waren 10,15 Euro mehr als im Januar. Dieselfahrer zahlten für dieselbe Menge im Bundesschnitt 305,18 Euro – und damit etwa 10,34 Euro mehr als im Vormonat.

Der Preisunterschied zwischen Super E10 und Diesel lag im Februar bei 0,1180 Euro pro Liter. Die Benzin-Diesel-Schere hat sich damit gegenüber Januar (0,1188 Euro) nur marginal um rund 0,08 Cent und zum fünften Mal nacheinander zusammengezogen. Zuletzt niedriger war der Unterschied im April 2020 mit 0,0898 Euro gewesen.  

Der günstigste Super-E10-Tanktag im Februar war am ersten Tag des Monats mit 1,3600 Euro pro Liter im Bundesschnitt. Der Liter Diesel war am 2. Februar mit 1,2340 Euro am preiswertesten. Der teuerste Tanktag war hingegen für beide Kraftstoffsorten Sonntag, der 28. Februar. Am letzten Tag des Monats zahlten Autofahrer 1,4370 Euro pro Liter Super E10 und 1,3080 Euro pro Liter Diesel. 

Städteranking: Bonn setzt Titelserie unter den günstigsten Tankstädten fort 

Beim monatlichen Preisvergleich der 20 größten deutschen Städte von Clever Tanken gab es auf den Polepositions wie in den Monaten zuvor keine Überraschung. Mit durchschnittlich 1,3637 Euro pro Liter belegte Bonn Platz eins in der Kategorie der günstigsten Super-E10-Tankstädte – und schaffte es damit zum neunten Mal nacheinander auf einen der beiden vorderen Plätze in dieser Kategorie. Auf den Rängen zwei und drei folgten Mannheim (1,3683 Euro) und Nürnberg (1,3737 Euro). Am teuersten war Super E10 wiederum in Wuppertal (1,4264 Euro), Frankfurt am Main (1,4153 Euro) und Bielefeld (1,4112 Euro). Für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 zahlten Autofahrer damit im preisintensiven Wuppertal rund 342,34 Euro – etwa 15,05 Euro mehr als im günstigen Bonn. 

Die Top drei der günstigsten Dieseltankstädte erreichten im Februar Bonn (1,2426 Euro), Dresden (1,2459 Euro) und Nürnberg (1,2584 Euro). Bonn schaffte es damit zum zehnten Mal nacheinander unter die günstigsten Dieseltankstädte der Republik – achtmal davon auf Platz eins. Am teuersten war Diesel hingegen in Wuppertal (1,2943 Euro), Bielefeld (1,2914 Euro) und Frankfurt am Main (1,2911 Euro).

Ausblick

Ob die Ölpreis-Rally im März weitergeht und damit die Kraftstoffpreise weiter antreibt, hängt laut Experte Bock von verschiedenen Faktoren ab. „Für die kräftigen Anstiege in den vergangenen Wochen gab es maßgeblich drei wichtige Gründe: Erstens setzen Investoren infolge der weltweit angelaufenen Corona-Impfungen zunehmend auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft.

Zweitens heizt die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) die Preise durch Förderkürzungen an. Hier hat vor allem Ölgigant Saudi-Arabien seine Produktion derzeit stark begrenzt. Drittens setzte im Februar der extreme Kälteeinbruch in den USA der Förderung, dem Transport und der Verarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen zu.“

Die kommenden Wochen werden nach den Worten von Steffen Bock allerdings von gegensätzlichen Tendenzen bestimmt sein. „Einerseits dürfte die positive Einstellung der Investoren bezüglich der weltwirtschaftlichen Erholung und damit einer steigenden Öl- und Benzinnachfrage mit dem wachsenden Impfvolumen auch in den kommenden Wochen anhalten. Zudem stützt die Aussicht auf ein riesiges Konjunkturprogramm in den USA die Rohölpreise.

Hingegen erwarten Analysten vom nächsten Treffen der OPEC am 4. März, dass sie ihre aktuellen Kürzungen nicht verlängert und damit das Angebot erhöht. Zudem dürften die Förderungen in den USA bei höheren Temperaturen schnell wieder anziehen, das Angebot erhöhen und die Preisentwicklung damit entspannen. Ich erwarte daher, dass wir im März eine Seitwärtstendenz an den Zapfsäulen erleben werden.“ 

Bock empfiehlt Autofahrern daher, die Kraftstoffpreise entlang ihrer geplanten Fahrtroute stets via App, Navigationsgerät oder dem Internet zu vergleichen. So sparen sie bei steigenden wie bei fallenden Preisen und kurbeln zudem den Wettbewerb unter den Anbietern an. Beachten sollten sie dabei die teils enormen Sprünge im Tagesverlauf und zwischen den Anbietern. Günstige Tankzeiten bieten sich oft im Zeitraum zwischen 8 und 10 Uhr, 12 und 13 Uhr und ab 18 Uhr am Abend.

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