„Partner wollen schnelle, digitale Prozesse“

Foto: Alexander von Spreti
Robert Annabrunner, DSL Bank

Das Baufinanzierungsgeschäft scheint derzeit noch weitgehend unberührt von den Folgen der Corona-Pandemie. Cash. sprach mit Robert Annabrunner, Leiter DSL Bank Deutschland, über seine Einschätzungen für das Finanzierungsgeschäft in den kommenden Monaten, die Chancen für eine papierlose Baufinanzierung, den Support für die Finanzierungspartner und die Strategie im Plattformgeschäft.

Das Baufinanzierungsgeschäft scheint derzeit noch weitgehend unberührt von den Folgen der Corona-Pandemie. Cash. sprach mit Robert Annabrunner, Leiter DSL Bank Deutschland, über seine Einschätzungen für das Finanzierungsgeschäft in den kommenden Monaten, die Chancen für eine papierlose Baufinanzierung, den Support für die Finanzierungspartner und die Strategie im Plattformgeschäft.

Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik nach wie vor fest im Griff, ein Ende des „Ausnahmezustands“ ist nicht wirklich in Sicht. Bisher heißt es zumeist, dass der Immobiliensektor davon kaum betroffen ist. Wie nehmen Sie die Situation an den Wohnimmobilienmärkten in Deutschland wahr?

Annabrunner: Der Immobilienmarkt ist verhältnismäßig robust und es gibt zumindest bislang noch keine gravierenden Corona-Folgen. Die Preise sind weiterhin stabil oder sogar leicht steigend. Ich empfinde es als bemerkenswert, dass beispielsweise die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser laut EPX-Hauspreisindex im April um 0,7 Prozent gegenüber März gestiegen sind. Wir beobachten zwar eine Verlangsamung der Preisdynamik, rechnen aber keineswegs mit einer Rolle rückwärts. Betrachten wir die Preise im Jahresvergleich, lagen sie im April um 11,6 Prozent höher als im April 2019. Perspektivisch rechne ich mit einer Seitwärtsbewegung – oder allenfalls mit vorübergehend leicht sinkenden Preisen. Der Markt war sicherlich in einigen Bereichen überhitzt.

Angesichts eingebrochener und weiterhin sehr volatiler Aktienmärkte werden Investoren mittelfristig aber erst recht Geld in solide Wohnimmobilien investieren. Und diese Flucht in sichere Anlagen wird sich tendenziell eher preissteigernd auswirken. Oder positiv ausgedrückt: Die Immobilie ist und bleibt eine sichere Anlageform und der deutsche Immobilienmarkt wird auch zukünftig stabil und hochdynamisch sein.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass Deutschland in der oder von der Corona-Krise sogar profitiert?

Annabrunner: Wir beobachten hierzulande eine Entwicklung, die sehr vielschichtig ist und wir können uns sicherlich glücklich schätzen – zumindest für den Immobilienbereich so positive Rahmenbedingungen vorzufinden. Zum einen sind das Hypothekenzinsen, die auf einem sehr niedrigen Niveau verharren. Damit ist die Eigenheimfinanzierung für Kaufinteressenten weiter attraktiv. Gleiches gilt auch für Investitionen in die „Assetklasse“ Immobilie, um sie als Kapitalanlage zu nutzen und als Vermieter an regelmäßigen Einkünften zu partizipieren. Zum anderen sorgen die sozialen Sicherungssysteme, allen voran das Kurzarbeitergeld, dafür, dass es in Deutschland nur geringe Mietausfälle gibt und auch nur ein
Prozent der Mieter finanzielle Unterstützung beantragt hat.

Last but not least ist der Preisanstieg bei Wohnimmobilien in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich moderater ausgefallen als in vielen europäischen Nachbarländern. Etwas differenzierter ist die Lage indes bei Gewerbeimmobilien. Je nach Segment und Dauer der Beschränkungen sind Preisrückgänge durchaus denkbar. Falls es zu einer Pleitewelle bei deutschen Firmen kommen sollte, könnten Büromieten ausfallen und Leerstände steigen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass zukünftig sicherlich über die verstärkte Nutzung von Homeoffice in den Unternehmen nachgedacht wird.

Welche Auswirkungen sehen Sie durch Corona auf die Baufinanzierung hinsichtlich Nachfrage, Vertrieb und Produkten?

Annabrunner: Wir registrieren bislang weder in der Baufinanzierungs-Beratung noch bei der Produktvielfalt Einschnitte durch die Corona-Krise. Die Digitalisierung ist in dieser Zeit indes immer wichtiger geworden und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette innerhalb der Baufinanzierung. Glücklicherweise hat die DSL Bank die digitalen Prozesse schon vor der Krise mit Hochdruck vorangetrieben. Das zahlt sich jetzt aus und hilft dabei, unser Geschäft auch während der Corona-Pandemie unverändert fortzusetzen. Services wie webbasierte Live-Beratungen, Upload von Unterlagen, Videolegitimation oder online initiierte Auszahlungen kommen dem Kunden sehr entgegen.

Wie unterstützt die DSL Bank ihre Finanzierungspartner in der Krisenzeit?

Annabrunner: Wir sind digital bereits heute gut aufgestellt und auch in Zeiten von Split-Teams und Homeoffice voll handlungsfähig. Es gelingt uns auch in der aktuellen Situation, unseren Vertriebspartnern weiterhin Geschäfte zu sehr guten Konditionen anzubieten. Es gibt zudem digitale Services, die besonders während der Krise profitabel sind. Dazu zählt beispielsweise die Unterstützung bei der Neukundengewinnung durch ein Bewertungsmarketing des Vermittlers oder das Generieren von Leads über die DSL Bank Website.

Auch der digitale Beantragungsprozess oder der digitale Upload für Vermittler über die Plattform ist schnell und effizient. Relativ neu ist das Thema QES-Ratenkredite. Erste Erfahrungen mit der qualifizierten elektronischen Signatur zeigen, dass Darlehen weitgehend von zu Hause abgeschlossen werden können. Das zeigt nicht zuletzt die Zahl von 200 Abschlüssen innerhalb der ersten drei Wochen. Als nächsten Schritt werden wir die Lieferung von Darlehensunterlagen an elektronische Postboxes einführen. Kunden, die nach wie vor „Papier“ bevorzugen, erhalten durch die Anbindung von Druckstraßen mehr Effizienz und Schnelligkeit.

Seite zwei: Digitalisierung des Finanzierungsprozesses

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.
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