Der Koalitionsvertrag legt Grundstein für bezahlbares Wohnen

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Ulrich Jehle, REA

Am Immobilienmarkt tut sich was. Dafür sprechen der vorgestellte Koalitionsvertrag der kommenden Bundesregierung und die Zahl der Baugenehmigungen. Was konkret Hoffnung macht?

Der zuletzt vorgestellte Koalitionsvertrag der kommenden Ampel-Regierung verspricht beim Lesen viel Aufbruch und Zukunft. Das Ganze selbstverständlich klimaneutral. Auch dem Immobiliensektor widmet die neue Regierung besondere Aufmerksamkeit und sieht sogar ein Bauministerium unter Führung der SPD vor. Obwohl einige Vertreter der Immobilien-Branche im Vorfeld der Wahl große Sorge vor staatlichen Eingriffen in den Markt hatten, macht der Entwurf des Koalitionsvertrags sowohl Mietern als auch der Immobilienwirtschaft Hoffnung. Warum?

Die Pläne sehen den Bau von 400.000 Wohnungen jährlich vor. Das dürfte vor allem jungen Familien und allen, die sich heute Wohnungen kaum leisten können, zugutekommen. Doch auch bei den Rahmenbedingungen soll einiges besser werden. Die Koalitionäre wollen mehr Digitalisierung und Entbürokratisierung. Auch soll die deutsche Verwaltung agiler und Zuständigkeitsbarrieren zwischen Ämtern dank interdisziplinärer Teams überwunden werden. Was fast schon revolutionär klingt, muss das bestehende Personal in deutschen Amtsstuben zwar erst einmal umsetzen, doch gehen die Vorhaben eindeutig in die richtige Richtung. Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft müssen seit jeher viele Ressourcen für Bürokratie und Genehmigungen vorhalten. An dieser Stelle für Entlastung zu sorgen, kann auch den Bau neuer Wohnungen begünstigen.

Überhaupt erscheint der Wohnungsmarkt zuletzt ohnehin bereits in Schwung gekommen zu sein. Im September stieg die Zahl der Baugenehmigungen im Vergleich zum August um 3,9 Prozent. Für die ersten drei Quartale des Jahres bedeutet das insgesamt einen Anstieg um 5,4 Prozent. Damit scheint das Angebot an Wohnraum nach langer Durststrecke endlich üppiger zu werden.

Der geplante Bürokratieabbau, der unter anderem mehr Videokonferenzen vorsieht und etwa Hoffnung auf digitale Grundbücher macht, dürfte dieses zarte Wachstum unterstützen. Auch die geplanten Anforderungen an den Klimaschutz innerhalb Gebäuden, könnten in den nächsten beiden Jahren für mehr Bau-Aktivität sorgen: Ab 2024 sollen alle Teile, die im Rahmen von Aus- oder Umbauten verwendet werden, dem Effizienzhaus-70-Standard entsprechen. Ab 2025 sollen neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbarer Energie gespeist werden. Es ist daher gut möglich, dass Bauherren bestimmte Maßnahmen in den nächsten beiden Jahren vorziehen, sofern sich das rechnet.

Die jüngsten Zahlen zu den Baugenehmigungen und auch die Pläne der Koalitionäre machen Hoffnung, dass sich die Lage am Wohnungsmarkt entspannt. Zwar hält das Angebot bei Immobilien traditionell erst nach und nach mit einer steigenden Nachfrage Schritt, doch ist seit vergangener Woche zumindest der Grundstein für bezahlbares Wohnen gelegt. Bleibt zu hoffen, dass der Bürokratieabbau nicht nur Neubauten, sondern auch Renovierungen und der nachträglichen Verdichtung von bestehendem Wohnraum zugutekommt.

Autor Ulrich Jehle ist Geschäftsführer der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH (REA).

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