Baufinanzierung: Druck vom Kessel nehmen

Foto: Florian Sonntag
Frank O. Milewski, Chefredakteur Cash.

„Die EZB kann mit ihren Mitteln nicht direkt in die aktuelle Situation um steigende Energiepreise und den Krieg in der Ukraine eingreifen. Deshalb erwarten wir, dass sie ihren Kurs der Rücknahme der Anleiheankäufe weiterfährt, eine Erhöhung des Leitzinses aber vorerst verschiebt“, war einer der Schlüsselsätze im Gespräch mit den Baufinanzierungsexperten, um die weitere Entwicklung im Segment für die kommenden Monate zu beschreiben. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen sind die Perspektiven im Baufi- und Immobiliengeschäft sehr positiv. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Bauzinsen zu Beginn des Jahres leicht anzogen. Im historischen Vergleich sind sie nach wie vor mehr als günstig und auch für 2022 werden sie bei unter zwei Prozent erwartet – auch wenn zum Jahresende nochmal ein kleiner Schluck obendrauf kommen könnte.  

Von dieser Seite her stehen die Signale auf grün. Anders sieht es hingegen bei der Preisentwicklung für Immobilien aus. Dort ist nach Meinung aller Experten das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Mittlerweile schwappen die höheren Preise auch von den Metropolen und Großstädten auf die Peripherie über. Diese Entwicklung bereitet den Finanzierungsexperten, mit denen wir gesprochen haben, tatsächlich Kopfzerbrechen. Schließlich könnten durch die immer weiter steigenden Preise weitere Bevölkerungsgruppen von der Möglichkeit abgeschnitten werden. Eine Stellschraube, um hier Entlastung zu bringen, ist sicherlich das Angebot an Objekten zu vergrößern. Leichter gesagt als getan. Bislang ist noch bei jeder neuen Bundesregierung das Ziel, mehr neuen Wohnraum pro Jahr zu schaffen, mehr oder weniger deutlich gescheitert. Ob es der Ampel-Koalition gelingt, zumindest die angekündigten 400.000 Wohneinheiten pro Jahr fertigzustellen, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt es nach Meinung der Finanzierungsexperten auch noch andere Möglichkeiten, den Druck vom Kessel zu nehmen. 

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