Keine Angst vor energetischen Sanierungen

REA Geschäftsführer Ulrich Kehle Porträt
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Ulrich Jehle, REA

Die Erfahrung professioneller Marktteilnehmer zeigt, dass es keinen Grund gibt, energetische Sanierungen von Immobilien zu verteufeln. Gastkommentar von Ulrich Jehle, REA.


Die Europäische Union (EU) will bis 2050 klimaneutral werden. Viele Immobilieneigner versetzt dieses Ziel in Schrecken. Schon heute sind die Kosten rund um die Bewirtschaftung von Immobilien hoch wie nie. Als vor einigen Wochen die KfW-Förderung für energetische Maßnahmen kurzzeitig auf Eis gelegt wurde, wuchs die Nervosität zusätzlich. Sind Immobilien in einigen Jahren nur noch ein Thema für wenige Wohlhabende?

Unser tägliches Geschäft umfasst den Kauf und die Bewirtschaftung von bezahlbarem Wohnraum. Dabei spielen auch energetische Sanierungen eine große Rolle. Da trotz der ambitionierten Ziele klare Vorgaben seitens der EU-Kommission fehlen, haben wir uns eigene ESG-Kriterien auferlegt. Das Ziel: Den Immobilienbestand fit für die Zukunft machen und schon heute CO2 und Nebenkosten senken.

Gerade Bestandsbauten bieten erhebliches Potenzial für Sanierungen. Angesichts des großen Anteils älterer Gebäude und der noch immer überschaubaren Neubauquote, ist die energetische Sanierung des Bestandes der einzige Weg zu mehr Klimaschutz. Das Gute daran ist, dass bei älteren Bestandsimmobilien von solider Substanz jeder investierte Euro besonders viel CO2 einspart. Da die Sanierung auch wirtschaftlich gegenüber Abriss und Neubau punktet, sind klare Sanierungsfahrpläne seitens des Gesetzgebers dringend von Nöten.

Gerade weil viele Eigentümer aktuell angesichts hoher Kosten für Sanierungen stöhnen, sind klare Kriterien und ein nachvollziehbarer Zeitrahmen für die im Zuge der Klimawende nötigen Maßnahmen erforderlich. Wenn Immobilieneigner wissen, was auf sie zukommt und bis wann die Zielvorgaben zu erfüllen sind, können sie sich darauf einstellen.

Die Erfahrung professioneller Marktteilnehmer zeigt, dass es keinen Grund gibt, energetische Sanierungen zu verteufeln. Tatsächlich machen die Maßnahmen Immobilien sogar attraktiver. Dabei geht es weniger darum, dass potenzielle Mieter auf die Klimaneutralität der jeweiligen Objekte achten. Allerdings gewinnen Nebenkosten gerade in diesen Tagen wieder mehr an Bedeutung. Für Eigentümer bedeutet das, dass energetische Maßnahmen, die bereits heute umgesetzt werden, schon morgen einen Wettbewerbsvorteil bieten. Angesichts steigender Energiepreise dürften niedrige Nebenkosten auch in Zukunft Mieter überzeugen und so zur Wirtschaftlichkeit von Immobilien beitragen.

Autor Ulrich Jehle ist Geschäftsführer der Real Estate & Asset Beteiligungs GmbH (REA).

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