Zeitenwende am Immobilienmarkt: Kommt jetzt der Preisabschwung?

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Der Krieg in der Ukraine und eine historisch hohe Inflationsrate sowie die Zinswende an den Märkten und eine nachlassende Wirtschaftsdynamik sorgen am Immobilienmarkt für Verunsicherung. Angesichts der aktuellen Herausforderungen stellen sich viele Marktteilnehmer die Frage, ob eine Zeitenwende und eine größere Preiskorrektur bevorstehen.

Bereits im Februar dieses Jahres warnte die Bundesbank vor einer Überbewertung von Wohnimmobilien in deutschen Städten von 15 bis 40 Prozent. Der Krieg in der Ukraine und eine historisch hohe Inflationsrate sowie die Zinswende an den Märkten und eine nachlassende Wirtschaftsdynamik sorgen nun für weitere Verunsicherung. Angesichts der aktuellen Herausforderungen stellen sich viele Marktteilnehmer die Frage, ob eine Zeitenwende am Immobilienmarkt und eine größere Preiskorrektur bevorstehen.

Björn Kombächer, Country Manager Germany bei Estateguru, der führenden Plattform für Immobilienfinanzierung und -investitionen in Europa, schätzt dieses Risiko jedoch als gering ein. „Das Wachstum wird sich etwas abkühlen und aufgrund der hohen Teuerungsrate bei ausbleibender Lohninflation könnten die Preise in vereinzelten Regionen stagnieren oder leicht sinken. Eine signifikante Preiskorrektur am gesamten Immobilienmarkt ist allerdings unwahrscheinlich, denn am grundsätzlichen Wohnraummangel hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Durch den Zuzug der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ist der Bedarf noch einmal gestiegen“, so Kombächer. „Darüber hinaus ist die Nachfrage auf Investorenseite ebenfalls sehr stabil, da die Aktien- und Rohstoffmärkte nach wie vor von einer hohen Volatilität geprägt sind. Im Rahmen einer guten Diversifikation sind und bleiben Immobilien deshalb für Investoren alternativlos.“  

Judith Tan, Head of Capital Markets bei Estateguru, ergänzt: „Für einen Preisrückgang im zweistelligen Prozentbereich bräuchte es einen so ernsthaften und langanhaltenden Systemschock wie ihn zum Beispiel eine Ausweitung des Krieges auf einen EU- oder NATO-Staat auslösen würde. Glücklicherweise ist dieses Risiko äußerst gering, so ernst die Lage in der Ukraine auch ist. Der deutsche Immobilienmarkt gilt bei institutionellen Investoren noch immer als sicherer Hafen, der von einer der größten Volkswirtschaften der Eurozone gestützt wird und zudem deutlich liquider als andere Märkte wie etwa Großbritannien ist. Wir beobachten, dass besonders die Nachfrage nach Investitionen in Real Estate Debt steigt, da diese als festverzinsliche Anlagen auch im aktuellen Umfeld zuverlässige Cash-Flows generieren. Zudem bieten sie ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis, vor allem, wenn in erstrangig besicherte Senior Loans investiert wird.“

Aufgrund seines soliden Immobilienmarktes und der starken Nachfrage auf Investoren- und Kreditnehmerseite, ist Deutschland einer der Schlüsselmärkte für Estateguru. Das Fintech-Unternehmen wurde 2014 in Estland gegründet und ist mit finanzierten Krediten im Wert von insgesamt mehr als 585 Millionen Euro inzwischen eine der größten Plattformen für Immobilienfinanzierung und -investitionen in Europa. Das Ziel für 2022 ist es, in Deutschland Kredite im Wert von 200 Millionen Euro zu finanzieren. Im Jahr 2021 belief sich das Kreditvolumen in Deutschland auf rund 68 Millionen Euro.

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