Altersabsicherung in Deutschland – Die Stimmung wird schlechter

Foto: DIVA
Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA

Der Ukraine-Krieg, die steigende Inflationsrate und die Niedrigzinsen drücken auf die Stimmung der Bundesbürger: Die Sorgen um das Auskommen im Alter nehmen zu.

Der Deutsche Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV) setzt auch in diesem Frühjahr seinen langsamen, aber kontinuierlichen Abwärtstrend fort. Nachdem das vom Deutschen Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) halbjährlich erhobene Stimmungsbarometer erstmals im vergangenen Herbst in den negativen Bereich abgerutscht war (-0,4), erreicht der Wert aktuell mit -3,2 einen neuen Tiefstand. Mit möglichen Werten zwischen -100 und +100 ist der Indexwert seit der Erstauflage 2020 um insgesamt sieben Indexpunkte gefallen. Die Sorgen der Bürger um ihr Auskommen im Alter nehmen also zu.

Der DIVAX-AV ergibt sich aus zwei Teilindizes, nämlich zu den Einschätzungen der Bürger zur aktuellen Lage sowie zu den künftigen Erwartungen. Der Rückgang resultiert primär aus der aktuellen Lage. Dieser Teilindex ist im Vergleich zur letzten Erhebung von minus 1,3 auf minus sieben deutlich abgerutscht.

„Die Menschen erleben nicht nur an der Tankstelle, dass alles teurer wird. Es macht sich ein Stimmungsbild breit, dass auch im Alter das Geld zum Leben auf dem bisherigen Niveau nicht mehr ausreichen könnte. Zudem wirken sich sicher auch Drohszenarien des russischen Angriffskriegs ganz allgemein auf die Stimmungslage aus“, schlussfolgert Prof. Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des Diva.

Beim zweiten Teilindex, dem zu den künftigen Erwartungen, ist der Abwärtstrend laut Diva moderater. Aktuell liegt der Wert bei +0,6 (Erstauflage: +3,2). Dabei schwindet vor allem das Vertrauen in die gesetzliche Rente: Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland (60,8 Prozent) geht von einer Verschlechterung aus.

Das Vertrauen in die gesetzliche Rente schwindet

In der Herbstumfrage 2021 waren es 58,5 Prozent. Spiegelbildlich glauben nur noch 14 Prozent an eine Verbesserung des Versorgungsniveaus der gesetzlichen Rente über die nächsten zehn bis zwanzig Jahre (16,2 Prozent im Herbst 2021).

Korrespondierend mit dem Vertrauensschwund in die gesetzliche Rente möchten die Bürger in Zukunft selbst stärker in ihrer Alterssicherung aktiv werden. 31,9 Prozent planen, mehr in die betriebliche Altersvorsorge zu investieren (28,6 Prozent in der Herbsterhebung 2021). Bei der privaten Vorsorge trifft dies sogar auf 42,8 Prozent (39 Prozent in der Herbsterhebung 2021) zu.

„Für die Politik liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise: Alles dafür zu tun, die gesetzliche Rente stabil zu halten, ist richtig. Das Vertrauen der Bürger schwindet sonst noch weiter. Und damit wäre bei diesem wichtigen Thema niemandem gedient, auch nicht denjenigen, die glauben, allein die betriebliche und die private Vorsorge könne alle Probleme lösen“, sagt mutmaßt Dr. Helge Lach, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Vermögensberater (BDV). Der BDV ist Träger des Diva.

Da aber trotz aller politischer Maßnahmen Einschnitte allein wegen der Demografiefalle unausweichlich sein würden, sollte das positive Momentum genutzt werden. „Die Bürgerinnen und Bürger sind bereit, zusätzlich betrieblich oder privat vorzusorgen. Möglicherweise fehlen aber bei vielen die Mittel dafür, gerade auch wegen der aktuellen Preissteigerung“, so Lach.

Die Politik solle deshalb auch daran denken, in diesem Bereich mehr zu tun, zum Beispiel durch staatliche Förderung des langfristigen Aktiensparens. Dazu gebe es bisher nichts. Auch die Reform des Riester-Sparens gehöre dazu. „Denn staatliche Förderung ist immer auch ein Stück weit Rendite und Inflationsausgleich. Das würde voraussichtlich viele dazu motivieren, gerade jetzt mehr zu tun“, so Lach.

Für die Berechnung des Index wurden 2.000 Personen in Deutschland von Insa-Consulere im Auftrag des Diva befragt.

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