Assekuranz: Finanzkrise könnte noch zum Stresstest werden

Die deutsche Versicherungsbranche wird bei einem Andauern der Finanzkrise auf eine Belastungsprobe gestellt. Zu dieser Einschätzung kommt nun auch die Hamburger Unternehmensberatung Steria Mummert Consulting.

Dass es für die Assekuranz schwierig wird, attraktive Überschussbeteiligungen zu erwirtschaften, wenn die Zinsen in den kommenden Jahren niedrig bleiben, liegt auf der Hand – Branchenexperten wie Manfred Poweleit vom Map-Report warnen schon lange vor diesem Szenario.

Überschussbeteiligungen unter Zinsdruck

Die Lebensversicherer müssen Kundengelder defensiv anlegen und sind deshalb vor allem in festverzinslichen Papieren investiert. Doch allein für die Garantiezusagen im konventionellen Leben-Bestand müssen durchschnittliche Zinsen von 3,4 bis 3,5 Prozent eingefahren werden – Werte, die im Niedrigzinsumfeld schwer zu erzielen sind.

Steria Mummert kommt nun darüber hinaus zu dem Schluss, dass selbst die Erfüllung der aktuell 2,25-prozentigen per Gesetz vorgeschriebenen Garantieverzinsung in der Lebensversicherung immer anspruchsvoller werden könnte.

Verkaufsargument „Sicherheit“ gerät in Gefahr

Ein wichtiges Verkaufsargument drohe damit schwächer zu werden. Denn seit der Finanzkrise hebe die Branche beim Vertrieb von Lebensversicherungen verstärkt den Sicherheitsaspekt dieser Geldanlage hervor.

„Das vergleichsweise gute Abschneiden der Versicherer in der Finanzkrise ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen ihre Aktienengagements reduziert und sich gegen Kursverluste abgesichert haben“, erklärt Oliver Thiel, Versicherungs-Fachmann von Steria Mummert. Dieser Trend könne sich bei anhaltender weltwirtschaftlicher Stagnation allerdings leicht ins Gegenteil umkehren.

„Zinsen auf Garantieniveau nicht verkaufbar“

Was ihre Eigenkapitalreserven angeht, sind die deutschen Versicherer derzeit indes gut gerüstet, wie der Branchendienst Map-Report jüngst ermittelt hat (cash-online berichtete hier).

So erklärt auch Steria-Mummert-Experte Thiel, die Mehrzahl der Unternehmen der Branche sei durch ein anhaltendes Krisen-Szenario nicht existenziell bedroht, wie sich auch in den kaum reduzierten Überschussdeklarationen für das Jahr 2009 erkennen lasse. Allerdings wäre eine lediglich auf Garantieniveau verzinste klassische Lebensversicherung faktisch nicht mehr verkaufbar, so Thiel weiter.

Angesichts der langen Laufzeiten von Lebensversicherungen schrecke ein solches Zinsniveau Neukunden ab, zumal die Bereitschaft, sich langfristig zu binden, in Krisenzeiten ohnehin sinke, so Thiel weiter. (hb)

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