„Attraktiv für über 60-Jährige“

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Cash. sprach mit dem Urheber und Namenspatron der Rürup-Rente, Professor Dr. Dr. Bert Rürup.

 

Der frühere Vorsitzende der Wirtschaftsweisen ist mittlerweile Chefökonom beim Finanzdienstleister AWD.

Cash.: Ihr wohl bekanntestes Kind, die Rürup-Rente, wurde im vergangenen Jahr deutlich weniger verkauft als noch in 2007. Woran liegt das?

Rürup: Die Basisrente ist anders als die Riester-Rente als ein Instrument zur Vollversorgung angelegt, und sie wird auch nicht für Geringverdiener und Kinderreiche mit generösen Zulagen gefördert, sondern nur über die Effekte der nachgelagerten Besteuerung. Attraktiv ist die Rürup-Rente für diejenigen, die in der Erwerbsphase eine verhältnismäßig hohe Steuerbelastung haben und erwarten können, dass diese Belastung in der Auszahlungsphase, sprich im Alter niedriger sein wird. Wegen des hohen Prozentsatzes der Haushalte, die aufgrund geringer Einkommen nicht von der Einkommenssteuer belastet werden, ist das Potenzial per se kleiner als das der Riester-Rente. Dass der Absatz in der letzten Zeit etwas verhalten ausgefallen war, liegt nicht zuletzt an der allgemeinen wirtschaftlichen Verunsicherung. Viele Menschen scheuen derzeit bei Geldanlagen vor langfristig bindenden Entscheidungen zurück.

Cash.: In der Regel ist die Steuerbelastung kurz vor Renteneintritt am höchsten. Sehen Sie dort die beste Klientel?

Rürup: Zielgruppen für die Rürup-Rente sind in erster Linie die Selbstständigen, insbesondere die, die nicht als Freiberufler in den berufsständischen Versorgungswerken abgesichert sind, aber auch Arbeitnehmer mit einem höheren Einkommen. Darüber hinaus ist dieses Produkt derzeit insbesondere für alle über 60-Jährigen namentlich für Personen im Rentenalter, die ihre Altersversorgung noch verbessern wollen, außerordentlich attraktiv. Der Übergang zur nachgelagerten Besteuerung ist gleitend, und die potenzielle Steuerfreistellung ist höher als der steuerpflichtige Rententeil. Wenn man beispielsweise als Pensionär 20.000 Euro einzahlt, sind davon in diesem Jahr 68 Prozent steuerfrei, und bei einer sofortigen Verrentung müssen von diesem Rentenbaustein dann nur 58 Prozent des Zahlbeitrags versteuert werden.

Cash.: Das Produkt gilt als sehr beratungsintensiv. Womit können Vermittler bei den Verbrauchern punkten?

Rürup: Der Steuerspartrieb der Deutschen soll stärker ausgeprägt sein als ihr Sexualtrieb. Insofern sind die Steuervorteile in der Ansparphase ein gutes Argument; leider wird dieses Argument gelegentlich verkürzt verwendet. Denn nachgelagerte Besteuerung heißt nicht Steuerfreiheit, sondern Aufschub der Besteuerung. Das muss ein seriöser Berater seinen Kunden klarmachen und es nicht bei den Hinweisen auf die Steuerersparnisse während der Einzahlphase bewenden lassen. Ein weiteres Argument ist sicherlich der Schutz vor Verlust der Ersparnisse im Fall einer Insolvenz in der Ansparphase – gerade für Freiberufler. Zudem besteht die Möglichkeit, in einem Kombivertrag neben dem Langlebigkeitsrisiko auch das der Berufsunfähigkeit abzusichern. Hier muss aber im Einzelfall genau kalkuliert werden, ob nicht eine Berufsunfähigkeitsabsicherung via Risikoversicherung besser ist.

Cash.: Wo sehen Sie aktuell noch Nachbesserungsbedarf?

Rürup: Wenn der Staat bestimmte Formen der Altersvorsorge steuerlich fördert, sollte er auch dafür Sorge tragen, dass zur Auszahlungsphase in jedem Fall das eingezahlte Kapital garantiert ist. Das ist bei der Riester-Rente in allen Durchführungswegen der Fall. Bei der Basisrente ist das gegenwärtig nur bei den klassischen Versicherungsvarianten der Fall. Bei den fondsgebundenen Produkten fehlt derzeit so eine staatlich veranlasste Beitragsgarantie.

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