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11. März 2010, 16:40
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EU-Vermittlerrichtlinie: Mehraufwand für Versicherungskaufleute geringer als erwartet

Seit Mai 2007 gilt im deutschen Versicherungsvertrieb die EU-Vermittlerrichtlinie. Die neuen Spielregeln zur Qualitätssicherung bedeuten für die Branche erheblichen zeitlichen Mehraufwand bei Beratung und Verwaltung – so die gängige Annahme. Doch eine empirische Untersuchung zeigt nun, dass sich die Belastung in Grenzen hält.

Papierkrieg-127x150 in EU-Vermittlerrichtlinie: Mehraufwand für Versicherungskaufleute geringer als erwartetDas Kompetenzzentrum Versicherungswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover hat sich im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) mit den Auswirkungen des Vermittlerrechts befasst. Die Ergebnisse widersprechen zunächst der weitläufigen Meinung in der Vermittlerschaft, dass die neuen Regeln zu einer spürbaren zeitlichen Mehrbelastung geführt haben. Die statistische Auswertung der anonymen schriftlichen Befragungen ergab, dass die durchschnittliche Beratungsgesprächszeit sich nur um zwei auf insgesamt 65 Minuten erhöht hat. Auch die Vor- und Nachbereitungszeiten hätten sich nur um zwei Minuten, respektive gar nicht verändert, so die Studie.

„Damit zeigt sich, dass der zeitliche Aufwand in der individuellen Kundenberatung wissenschaftlich gesprochen nicht signifikant zunahm“, sagt BVK-Vizepräsident Thomas Billerbeck. Allerdings habe die Analyse einen eingeschränkten Aussagecharakter, denn aus ihr ließen sich keine Schlüsse über materielle Zusatzaufwendungen, zum Beispiel in Form von Kosten für die Administration, Material oder die Registrierung ableiten, so Billerbeck weiter.

Hintergrund: Das neue Vermittlerrecht verpflichtet jeden, der Versicherungen im Außendienst verkauft, seine Qualifizierung nachzuweisen. Neben Nachweis der Sachkunde und Registrierungspflicht im Versicherungsvermittlerregister, schreibt der Gesetzgeber unter anderem auch den Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflicht-Versicherung vor. Dem BVK zufolge haben die Restriktionen zu Marktaustritten von „in der Regel schlecht ausgebildeten, nebenberuflichen Versicherungsvertretern“ geführt.

So habe der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) noch in seinem Jahrbuch 2007 etwa 300.000 Nebenberufler ausgewiesen. Doch tatsächlich sind im Versicherungsvermittlerregister mit Stand von Dezember 2009 nur noch rund 255.000 Vermittler  – einschließlich der Nebenberufsvertreter – verzeichnet.

Im Rahmen der Untersuchung analysierten die Forscher die Ergebnisse von zwei schriftlichen Befragungen – eine fand 2007 statt und eine 2009. An der ersten nahmen 742 Versicherungsvermittler teil, die über 1.394 konkrete Geschäftsvorfälle berichteten. Davon waren damals 91,1 Prozent Ausschließlichkeitsvertreter und 8,9 Prozent Makler. 2009 beteiligten sich 1.014 Berufskollegen, von denen 94,7 Prozent den Ausschließlichkeitsorganisationen und 5,3 Prozent den Maklern zuzurechnen waren. Sie machten Angaben zu 1.456 Kundenkontakten. (hb)

Foto: Shutterstock

7 Kommentare

  1. Mit dem Komentar von
    Claus Waldner ist alles gesagt!!
    MfG

    Kommentar von Olaf — 7. Mai 2010 @ 14:19

  2. Ich schließe mich ebenfalls den Komentaren von Claus , Claus Waldner und
    Reinhardt Sassenberg zu 100 % an.
    Traurig ist nur, dass die Versicherungsmakler, die schon immer bessere Beratungsqualität geleistet haben, wurden durch diese Reform am höchsten benachteiligt. Der Ausschließlichkeitsvertrieb betreibt weiterhin den Produktverkauf und nutzt verstärkt die Anreiz-Systeme.

    Kommentar von Hermann — 27. März 2010 @ 10:41

  3. Nicht Versicherung aber Bank:

    Demnächst wird es sicherlich auch ein Forschungsergebnis geben für Bankberater.
    Ich sitze gerade als Gutachter schockiert vor dem Ergebnis einer Beratung.
    Kunde 80 Jahre
    Anlageempfehlung und Protokoll schriftlich vorliegend.
    Objekt Schiffsbeteiligung 250.000 €
    Laufzeit 27 Jahre!!
    Beratungszeit 20 min mit Durchsprache des Prospektes, Umfang 177!!!Seiten
    Diese Zeit wird sicherlich unschlagbar in der Forschungsstudie berücksichtigt. Liebe Theoretiker, geht in die Praxis, erlebt sie und dann überdenken Sie Ihre Ergebnisse!

    80.jähriger Anleger

    Kommentar von Roesger — 17. März 2010 @ 08:25

  4. Ich schließe mich den Komentaren von Claus , Claus Waldner und
    Reinhardt Sassenberg zu 100 % an.

    Kommentar von Versicherungsmakler Horst Noll — 16. März 2010 @ 20:00

  5. Allein die von 2007 zu 2009 um 40 Prozent niedrigere Beteiligung der Versicherungsmakler zeigt schon, dass diese für derartige Erhebungen keine Zeit mehr haben, weil der “Papierkrieg” ohnehin den letzten Rest Lebensqualität kostet.

    Kommentar von Reinhardt Sassenberg — 12. März 2010 @ 23:53

  6. Das Ergebnis dieser Umfrage trifft auf Versicherungsmakler bestimmt nicht zu. Bei der Umfrage waren aber lediglich 8,9 % Vers. Makler beteiligt. Da eine Beratungsdokumentation nicht ein Standardformular sein sollte, sondern individuell dem jeweiligen Kunden und seinen Bedürfnissen angepasst werden sollte/muss benötigt man hier bereits mehr als nur die im Artikel erwähnten 2 Minuten, da es sich bei der Beratungsdokumentation z. T. um 1 bis 2 Din A 4 Seiten individuellen Text handelt. Ein Beratungsgespräch von nur, wie im Artikel von einer Dauer von 65 Minuten ist in meinen 20 Jahren Berufserfahrung uach eher die Seltenheit. Durch Erstinformation, Aufnahme Versicherungsmaklervertrag, Kundenwunschanalyse/Bedarfsanalyse benötigt man gut schon 90 Min. aufwärts. Beim 2. Termin wird die Bedarfsdeckung mittels einer Konzepterstellung mit dem Kunden besprochen, Dauer hierfür auch wieder ca. 90 Minuten evtl. noch Produktfindung und Anbietersuche/Anbieterauswahl. Beim 3. Termin (Dauer wie andere Termine ca.) Endbesprechung und Antragsaufnahme nach Kostenanalyse, aushändigung des PIB, Vorschlag, Analysevergleiche etc. (wenn dies nicht bereits in Termin 2 geschehen).

    Durch neues VVG und EU-Vermittlerrichtlinie durch 3 Schichten und Produktvielfalt etc. hat ein seriös arbeitender Versicherungsmakler einen erheblichen Mehraufwand als vor dem 22.05.2007 für gleiche Courtage aber erheblich längeren Stornohaftungszeiten. Das sieht man insbesondere, wenn man sich Kundenakten aus den Jahren bis 2007 ansieht und mit Kundenakten ab dem Mai 2007 bei verhältnismässig gleichem Kundenbedarf und ähnlichen Versicherungsumfang ansieht. Die neuen Kundenakten sind 3 bis 4 mal so dick. Wenn hier dargestellt wird in 2 Minuten Mehraufwand sei dies alles seriös zu erledigen zeigt mir das nur, dass die 94,7 % Versicherungsvertreter aus den Ausschliesslichkeitsorgas (HGB 84) Ihren Job nicht richtig machen. Das zeigt mir auch dass die ganzen neuen Regelungen zum grösstn Teil für die “Katz” waren.

    Kommentar von Claus Waldner — 12. März 2010 @ 20:02

  7. Das Ergebnis dieser Umfragen ist doch ein Witz.
    Als Versicherungsmakler, der auch Privatkunden betreut und zwar rundum und nicht nur in den Sparten Kranken/Leben ist der Aufwand um einiges gestiegen.
    Das dies die Vertreter der Versicherer weniger trifft, liegt an den vorgefertigten Protokollen und der stark eingeschrenkten Produktauswahl.
    Beim Makler sieht das ganz anders aus. Denn hier muss nicht der Kunde zum Vericherer geführt werden, sondern der Versicherer zum Kunden. Das erfordert ein Mehrfaches an Zeit (Bedarfsermittlung, Produktfindung und Aufklärung).

    Kommentar von Claus — 12. März 2010 @ 15:10

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