11. Februar 2011, 15:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Fondssparpläne: Lobby-Verbände auf Konfrontationskurs

Hirschkampf in Fondssparpläne: Lobby-Verbände auf Konfrontationskurs

Das Tauziehen um die Steuerprivilegien von Vorsorgeprodukten ist voll entbrannt. Dass die Fonds-Lobby offensichtlich erstmals nachhaltig Gehör im politischen Berlin gefunden und die Union Pläne zur Gleichstellung von Fondssparplänen und Lebensversicherungen vorgestellt hat, versetzt die Assekuranz in Aufruhr. Nach dem GDV bezieht mit dem BVK ein weiterer Branchenverband Stellung.

“Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) äußert Bedenken gegen Regierungspläne, wonach ausgerechnet risikoreiche Anlageprodukte wie Investmentfonds steuerlich der Lebensversicherung gleichgestellt werden sollen”, heißt es in einer Pressemitteilung.

Es folgen Lobpreisungen der Lebensversicherung als “einzigartige und bewährte Kapitalanlage für das Alter, die einen Todesfallschutz sowie eine sichere Rendite von derzeit rund vier Prozent und mehr in den letzten zehn Jahren erwirtschaftete”. Durch den Zinseszinseffekt ermöglichten Lebensversicherungen Rentnern ein durch die garantierte Mindestverzinsung kalkulierbares und abgesichertes Kapitalpolster im Alter, so das BVK-Plädoyer weiter. Dagegen hätten die Börsencrashs 2003 und 2008 Millionen Fondssparer Milliarden gekostet.

„Die steuerliche Förderung von Altersvorsorgeprodukten ist grundsätzlich zu begrüßen, es ist aber kontraproduktiv, auch Investmentfonds steuerlich entlasten zu wollen“, sagt BVK-Präsident Michael H. Heinz.

BVI: “Keine Altersvorsorge ohne Investmentfonds”

Das sieht man beim BVI, dem Lobby-Verband der Fonds-Industrie, freilich ganz anders: „In Deutschland ist ohne Investmentfonds keine private oder betriebliche Altersvorsorge denkbar“, betonte BVI-Präsident Thomas Neiße im Rahmen der gestrigen Jahres-Pressekonferenz. Um den gewohnten Lebensstandard auch im Rentenalter aufrecht zu erhalten, müssten die langfristigen Renditechancen der Fondsanlage genutzt werden.

Kein Wunder, dass der BVI dafür plädiert, eindeutig auf Zwecke der Altersvorsorge ausgerichtete Sparvorgänge gegenüber sonstigem Sparen steuerlich zu privilegieren und die Vorschläge von CDU und CSU begrüßt, “die private Altersvorsorge durch mehr Wettbewerb attraktiver zu machen”.

Als sinnvoller und praktikabler Ansatz zur Abgrenzung des Altersvorsorgesparens könne, so der BVI, die etablierte “12/60”-Regel herangezogen werden. Derzufolge wird der Vermögenszuwachs nach einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren und einer Entnahme nach dem 60. Lebensjahr zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz veranlagt.

Hinter den Kulissen der politischen Entscheidungsfindung dürfte nun ein Kräftemessen der Branchen-Verbände einsetzen, das Spannung verspricht. Der BVI hat bislang höchstens durch geringen Lobby-Einfluss in Berlin von sich reden gemacht. Mit der Verpflichtung von DWS-Manager Thomas Richter inklusive Niederlassung in der Hauptstadt könnte sich das allerdings geändert haben. Die jüngsten Unionspläne deuten zumindest in diese Richtung.

Klar ist allerdings auch, dass den Interessen der Fondsbranche mit dem Verband der Versicherungswirtschaft (GDV) ein lobbymäßiges Schwergewicht entgegensteht. (hb)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Kfz-Policen: Jeder Dritte würde für CO2-Kompen­sation mehr zahlen

Jeder zweite Deutsche (48 Prozent) ist bereit, auf eigene Kosten zur CO2-Kompensation und damit zur Erreichung der Klimaziele beizutragen, 28 Prozent nutzen bereits bestehende Angebote – beispielsweise bei Flug- oder Bahnreisen – und für jeden Dritten ist die CO2-Kompensation bei einer Autoversicherung wichtig. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalversicherers Friday.

mehr ...

Immobilien

Immobilien kommen bei Berliner Winter-Auktionen zum Aufruf

Die Deutsche Grundstücksauktionen AG (DGA) lädt am 12. und 13. Dezember 2019 zu ihren Winter-Auktionen ins abba Berlin Hotel ein. Insgesamt 94 Immobilien aus neun Bundesländern kommen mit einer Mindestgebotssumme von rund 12,7 Millionen Euro zum Aufruf. Neben Wohn- und Geschäftshäusern, Eigentumswohnungen und Grundstücken befinden sich auch ausgefallene Immobilien auf der Auktionsliste. Den Schwerpunkt bilden Bahnobjekte.

mehr ...

Investmentfonds

Aus Investec AM wird Ninety One

Kapstadt und London – Investec Asset Management hat heute den neuen Markenauftritt unter dem Firmennamen Ninety One vorgestellt. Dieser wird nach der Abspaltung des Unternehmens von der Investec Gruppe in Kraft treten. Der Ausgliederungsprozess soll im ersten Quartal 2020 erfolgen, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre von Investec plc und Investec Ltd.

mehr ...

Berater

Online-Käufer zahlen am schlechtesten

Sie kaufen mit einem Klick, mit dem Bezahlen haben es viele dann aber nicht so eilig – dieses Bild zeichnet die Inkasso-Wirtschaft von den Online-Käufern in Deutschland. Für das kommende Jahr erwarten die Unternehmen erstmals seit zehn Jahren eine schlechtere Zahlungsmoral.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weiterer Aufsichtsrat für Crowdinvesting-Startup

Die Hamburger KlickOwn AG hat Worna Zohari, ehemals Vorstand des Immobilienunternehmens Gagfah und CEO der BGP Gruppe, als Mitglied des Aufsichtsrates gewonnen. Das Unternehmen plant eine weitere Crowdinvesting-Plattform mit Hilfe der Blockchain-Technologie.

mehr ...

Recht

Wegen Thomas Cook: Bundesrepublik wird verklagt

Im September beantragten der Reiseveranstalter Thomas Cook sowie diverse seiner Tochterunternehmen Insolvenz. Doch das Geld der Versicherung von Thomas Cook wird nicht ausreichen, um alle Betroffenen zu entschädigen. Die Kanzlei Mutschke hat deshalb jetzt im Namen einer Reisenden Klage wegen Staatshaftung gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht.

mehr ...