12. April 2012, 11:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Bürgerversicherung schafft keine sorgenfreie Welt“

Beat Moll, Chef der CSS Versicherung, Vaduz, betont im Cash.-Interview die Eigenverantwortung der Krankenversicherten. Das Unternehmen der Schweizer CSS Versicherungsgruppe vertreibt in Deutschland ausschließlich Zusatzpolicen für gesetzlich Krankenversicherte.

Beat Moll, Vorsitzender der Geschäftsleitung der CSS Versicherung, Vaduz

Cash.: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) glänzte mit einem Überschuss von vier Milliarden Euro im Jahr 2011. Wird diese Entwicklung den Befürwortern eines Modells GKV für alle mit Option auf eine private Krankenzusatzabsicherung in die Hände spielen?

Moll: Der Überschuss, den die Kassen im letzten Jahr erwirtschaftet haben, ist kein Grund die Debatte um die Finanzierung des Systems beizulegen. Es ist ja nach wie vor keine Lösung auf Ausgabenseite gefunden. Es muss grundsätzlich darüber gesprochen werden, welche Ziele mit dem Gesundheitssystem erreicht werden sollen und was uns – der Bevölkerung – die Ziele wert sind. Ich denke, dass dem Bürger wieder mehr Verantwortung zurückgegeben werden sollte. Dies nicht nur indem er mehr selber bezahlen muss, sondern auch bei der Entscheidung, was über die Allgemeinheit in der GKV versichert sein soll und welche Teile in der individuellen Verantwortung des Einzelnen liegen und über Krankenzusatzversicherungen gedeckt werden sollen. In meiner Heimat, der Schweiz, werden mit dem stark eigenverantwortlich organisierten Gesundheitssystem gute Erfahrungen gemacht. Der Bürger sollte auf verschiedenen Ebenen sehen können, was ihn das Gut „Gesundheit“ kostet, nur dann kann er auch ein Verständnis und ein Gefühl für die Ausgaben entwickeln. Zusatzversicherungen sind auch hier in Deutschland ein Weg, eigenverantwortlich für das gesundheitliche Wohlergehen vorzusorgen.

Cash.: Der Abschluss von Zusatzversicherungen wäre auch nach Einführung einer Bürgerversicherung denkbar. Welche Stellung bezieht Ihr Haus in der „Systemfrage“?

Moll: Die Frage nach der Rolle des Systems, ob nun dual organisiert oder über die Bürgerversicherung, kann pauschal nicht beantwortet werden. Eines ist aber sicher: Die Ausgabenfrage wird voraussichtlich auch durch einen Systemwechsel ungeklärt bleiben. Es wäre kurzsichtig davon auszugehen, dass mit der Bürgerversicherung alle Probleme gelöst wären und die sorgenfreie Welt vor uns läge. Insgesamt scheint es schon so, dass das System der Krankenvollversicherung in der heutigen Ausprägung in Deutschland an Akzeptanz verliert und sich einschneidende Veränderungen abzeichnen. Ich bin der Meinung, dass es sinnvoll ist, die Menschen selbst entscheiden zu lassen, was für sie die richtige Krankenversicherungsform ist. Der Staat sollte nicht allzu stark eingreifen und Entscheidungen für die Bürger vorweg nehmen.

Seite 2: „Die Schweiz zeigt, wie hoch die Bedeutung von Zusatzversicherungen prinzipiell sein kann.

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

DISQ: Die besten Kfz-Versicherer

Und es gibt erhebliche Preis-Leistungs-Unterschiede in der Kfz-Versicherung. Im Idealfall lassen sich bis zu 80 Prozent einsparen. Das zeigt das neue DISQ-Rating unter 27 Kfz-Versicherern, darunter 19 Filial- sowie acht Direktversicherer. Drei Einzeltarife erhielten ein „sehr gut“. Auf Platz eins kamen der Marktführer HUK-Coburg und  der Direktversicherer CosmosDirekt.

mehr ...

Immobilien

Mehr Klimaschutz beim Wohnen geht nur mit fairer Kostenverteilung

„Deutschland wird die Klimaziele beim Wohnen nur dann erreichen können, wenn bei allen Maßnahmen drei Grundprinzipien befolgt werden: Energieerzeugung vor Ort im Wohnviertel muss endlich für alle ermöglicht werden. Es ist wirksame staatliche Zuschussförderung notwendig und die Kosten müssen gerecht zwischen Vermietern und Mietern verteilt werden“, sagt Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

mehr ...

Investmentfonds

Die Angst vor dem Brexit ist zurück

Der Brexit machte den größten Teil dieses Jahres keine Schlagzeilen, weil beide beteiligten Parteien – Großbritannien und Europa – in eine dringendere Krise in Form einer Pandemie verwickelt waren. Die beiden Seiten tauschen sich immer noch heftig innerhalb der Brexit-Verhandlungen aus, gleichzeitig rückt der 31. Dezember 2020 als Frist für eine Einigung über die Bedingungen ihrer künftigen Beziehungen schnell näher. Ein Kommentar von Mobeen Tahir, Associate Director Research, WisdomTree

mehr ...

Berater

Plansecur-Messe 2020 komplett digital

Die Finanzberatungsgruppe Plansecur lädt zu ihrer coronabedingt ersten virtuellen Finanzplanungsmesse ein. Auf der ausschließlich für geladene Berater und Partner geöffneten Online-Veranstaltung werden rund 400 Teilnehmer erwartet.

mehr ...

Sachwertanlagen

“Negative Zinsen auch im Immobilienbereich nicht mehr ausgeschlossen”

Die Perspektiven für den deutschen Wohnimmobilienmarkt sind günstig, auch wegen der weiter gesunkenen Zinsen. Dieses Bild zeichnete Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanzmärkte und Immobilienmärkte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) anlässlich einer Online-Konferenz der Project Unternehmensgruppe. 

mehr ...

Recht

Scholz: Corona-Krise wird Staatsverschuldung auf 80 Prozent steigern

Durch die Corona-Krise wird die Staatsverschuldung der Bundesrepublik auf 80 Prozent steigen. Ähnlich hoch lag sie nach der Finanzkrise 2008/2009. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft, in den kommenden Jahren die Staatsverschuldung dann wieder deutlich drücken zu können.

mehr ...