„Neue Garantiemodelle werden sich durchsetzen“

Die deutsche Lebensversicherung steckt in der Sinnkrise. Bharat Bhayani, Partner der Actuarial & Insurance Services bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, fordert die Politik dazu auf, der Branche mehr Rechtssicherheit für das langlaufende Geschäft zu verschaffen.

Bharat Bhayani Deloitte Das Gespräch führte Lorenz Klein, Cash.

Cash.: Herr Bhayani, laut Ihrer Studie „Lebensversicherung 2.0“ sind 93 Prozent der befragten Versicherer in Deutschland der Ansicht, dass die EU-Aufsichtsregel Solvency II im Zusammenspiel mit der Volatilität der Kapitalmärkte und dem Niedrigzinsniveau zu einem eingeschränkten Angebot an attraktiven Altersversorgungsprodukten führen könnte. Können Sie das näher erläutern?

Bhayani: Ein Großteil der Altersversorgungsprodukte, die aktuell von den Lebensversicherungen angeboten werden, bietet eine garantierte Leistung. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal der Branche.

Solche Produkte haben in der Regel lange Laufzeiten, und zugleich führen die neuen Solvency-II-Regeln in Kombination mit niedrigen und volatilen Zinsen zu sehr hohen Kapitalanforderungen. Die Lebensversicherungen müssen deshalb zuerst dafür sorgen, dass sie die Solvency-II-Kapitalanforderungen für ihre Policen im Bestand erfüllen. Die Folge könnte sein, dass weniger Kapital für das Neugeschäft übrig bleibt.

Cash.: Was müsste die Politik jetzt tun, damit die Lebensversicherung, wie von der Assekuranz gefordert, als zentrales Element der Altersversorgung in Deutschland erhalten bleibt?

Bhayani: Es geht hier weniger um einzelne Maßnahmen, da die Probleme durch das Zusammenspiel vieler Faktoren verursacht werden. Zunächst einmal sollten angemessene Übergangsregeln für die Einführung von Solvency II es den Unternehmen ermöglichen, ihre Risiko- und Geschäftsstrategien über einige Jahre anzupassen. Die Politik muss klare Prioritäten setzen und dabei Widersprüche vermeiden.

Es ist zum Beispiel wenig sinnvoll, die Altersvorsorge zu forcieren und gleichzeitig hohe garantierte Rückkaufswerte bei vorzeitigem Storno der Verträge zu verlangen. Die Rechtsprechung der vergangenen Jahre hatte teilweise Auswirkungen auf bestehende Verträge und hat dadurch nachträglich nicht kalkulierte Leistungen erzwungen. Die Branche braucht grundsätzlich Rechtssicherheit für das langlaufende Geschäft.

Seite zwei: Lösungsansätze für die Altersarmut

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