Anzeige
8. Juni 2012, 15:52
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Pflege-Riester spaltet Interessenverbände

Der Kabinettsbeschluss zum Pflege-Riester polarisiert die Lobby-Gruppen: Während der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) die geplante Förderung als „dringend notwendige Antwort auf die demografische Entwicklung“ wertet, kommt der Bund der Versicherten (BdV) zu einem „vernichtenden Urteil“.

Pflege-Riester polarisiertDie Entscheidung des Koalitionsgipfels, ab 2013 eine staatliche Förderung der privaten Pflegezusatzversicherung – den Pflege-Riester – einzuführen, stößt beim PKV-Verband auf ein positives Echo: „Es ist sehr zu begrüßen, dass die Regierungskoalition die Bürger beim Aufbau einer privaten Pflegevorsorge unterstützt“, erklärt Verbandsdirektor Volker Leienbach. „In den vor uns liegenden Jahrzehnten wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen hierzulande mehr als verdoppeln – eine Herausforderung, die derzeit noch von zu vielen Menschen verdrängt wird.“

Allerdings gibt Leienbach zu bedenken, dass noch abzuwarten bleibe, ob der vorgesehene Förderrahmen ausreicht, um die Vorsorge-Bereitschaft der Bürger deutlich zu steigern. Unabhängig vom persönlichen Einkommen sollen gesetzlich Pflegeversicherte künftig eine Zulage in Höhe von 60 Euro jährlich zu ihrer Pflege-Zusatzversicherungsprämie erhalten, gab das Bundesgesundheitsministerium (BMG) bekannt.

Noch deutlicher äußert sich der Bund der Versicherten (BdV): So kritisiert BdV-Chef Axel Kleinlein, dass die überbordende Bürokratie für Kleinstbeiträge jede Möglichkeit einer effizienten Vertragsführung vernichte. Kleinlein bezweifelt zudem, dass es den Versicherern möglich sein werde, bezahlbare Tarife anzubieten. Hintergrund ist, dass Antragsteller nicht aufgrund gesundheitlicher Risiken abgelehnt werden dürfen. Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge dürfen laut BMG ebenfalls nicht vereinbart werden.

Aus Sicht der Verbraucherschützer mache dies „die Absicherung aus versicherungsmathematischer Sicht immens teuer“. In der Folge würden Gesunde weiterhin nur die günstigeren, bereits heute auf dem freien Markt erhältlichen Angebote abschließen. Da dann voraussichtlich hauptsächlich Kranke und Personen mit hohem Pflegerisiko den Pflege-Riester abschließen, müssen zusätzliche Risikozuschläge in die Prämien einkalkuliert werden, erklärt Kleinlein. Dies sei ein „versicherungsmathematischer Super-GAU“.

Auch der PKV-Verband räumt ein, dass einige an die Förderwürdigkeit geknüpfte Bedingungen die neuen Tarife zwangsläufig teurer machen würden als die bereits heute erhältlichen, nicht-geförderte Versicherungstarife. Es müsse sich zeigen, ob die vorgesehene Fördersumme diesen Abstand kompensieren und damit einen echten Anreiz zur Absicherung des Pflegerisikos setzen könne, sagt Leienbach. Die Unternehmen würden nun prüfen, welche preislich attraktiven Produkte im Rahmen der geplanten Förderkriterien möglich seien. Auf Seiten des BdV wird kritisiert, dass unklar sei, wie die Angebote tatsächlich ausgestaltet werden sollen.

Fest steht bislang, dass die Absicherung über eine sogenannte Pflegetagegeldversicherung erfolgen soll. Der Umfang des Versicherungsschutzes kann laut BMG individuell bestimmt werden, wobei der monatliche Mindestbeitrag bei zehn Euro liegt, die obere Grenze darf maximal die doppelte Leistung der sozialen Pflegeversicherung umfassen. (lk)

Foto: Shutterstock

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

xbAV Beratungssoftware mit neuem Geschäftsführer

Boris Haggenmüller verantwortet als Geschäftsführer seit September 2017 das operative Geschäft der xbAV Beratungssoftware GmbH. Zuvor war er der verantwortliche Prokurist des Tochterunternehmens der xbAV AG.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Die Service-Champions

Welche Banken bieten deutschen Kunden den besten Kundenservice bei der Baufinanzierung? Die Kölner Beratungsgesellschaft Servicevalue hat Kunden der Banken hierzu befragt. Eine Bank konnte besonders überzeugen und sicherte sich einen “Gold-Rang”.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

IPP-Fonds der Deutschen Finance schütten aus

Der Asset Manager Deutsche Finance aus München kündigt für seine beiden Fonds IPP Institutional Property Partners Fund I und Fund II Auszahlungen für das Geschäftsjahr 2016 an die Privatanleger an.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...