„Zusatzbeitragsjahre sind verlorene Jahre“

Cash.: Die gesetzlichen Krankenkassen konnten aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung Milliarden-Überschüsse erzielen, die auch Begehrlichkeiten in der Politik geweckt haben. Hat es die PKV da besser, weil sie die Überschüsse langfristig für eine alternde Bevölkerung zurücklegen kann?

Ulrich: Der Kapitalstock der PKV ist definitiv ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Bei den aktuellen Überschüssen der gesetzlichen Krankenkassen ist entscheidend, ob die Überschüsse im Gesundheitsfonds oder bei den Krankassen anfallen. Im Gesundheitsfonds liegen Überschüsse von rund zehn Milliarden Euro, davon sind aber durch die Mindestreserve und den Sozialausgleich auch wieder sieben bis acht Milliarden Euro gebunden. Die freien Mittel in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro stellen aus meiner Sicht eine vernünftige Rücklage für die bei abschwächender Konjunktur wieder steigenden Gesundheitsausgaben dar, denn auch langfristig werden die Ausgaben weiter steigen. Einen großen Spielraum für eine Verringerung des allgemeinen Beitragssatzes sehe ich nicht. Die rund 9,5 Milliarden Euro, die bei den Krankenkassen vorhanden sind, fallen hier ja sehr asymmetrisch an, die höchsten Überschüsse verzeichnet beispielsweise die Techniker Krankenkasse. Diese können natürlich dazu verwendet werden, um sich im Wettbewerb mit den anderen Kassen zu positionieren oder um Prämien auszuschütten.

Cash.: Wo sehen Sie aktuell die dringlichste Aufgabe, die die Politik im Gesundheitswesen anpacken muss?

Ulrich: Die dringlichste Aufgabe ist aus meiner Sicht die Umsetzung der Idee des solidarischen Wettbewerbs in der Krankenversicherung. Zwar sollten die Finanzmärkte aus ökonomischer Perspektive stärker reguliert werden, für den Gesundheitsmarkt dürfte aber nach wie vor das Gegenteil gelten. Hier sind bislang nur Bruchstücke erkennbar, während es an einem Gesamtkonzept fehlt.

Seite 3: „Die Praxisgebühr in ihrer derzeitigen Ausgestaltung ist misslungen“

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